Sonntag, 18. Januar 2009

Swisscom-Auskunft1811 verbindet zu Handys

Ab nächsten Dienstag, 20. Januar 2009, bietet Swisscom einen neuen Service an. Über die Auskunftsnummer der Swisscom - 1811 - kann man sich auch auf Handys weitervermitteln lassen, wenn die Nummer nicht im Telefonbuch eingetragen ist. Ich finde dies grundsätzlich eine sehr gute Dienstleistung. Es kann passieren, dass man jemanden auf dem Handy erreichen will und man die Handynummer gerade nicht zur Hand hat und die Handynummer ist praktisch nie im Telefonbuch eingetragen. Tatsächlich: Ein Blick auf tel.search.ch zeigt, dass derzeit 121'406 Handynummern über das Internet-Telefonbuch von search.ch herausgefunden werden können. Bei mehreren Millionen Handynummern sind also praktisch keine Handynummern im Telefonbuch eingetragen.

Der Anrufer erhält die Nummer vom Auskunftsdienst nicht genannt und wird auch nicht direkt mit dem Angerufenen verbunden. Stattdessen muss der Anrufer zuerst eine Nachricht auf ein Tonband sprechen. Dieses Tonband wird dann dem Angerufenen abgespielt und wenn der Angerufene will, kann er den Anruf annehmen.

Einige Einschränkungen hat der Service: Derzeit können nur Swisscom-Handy-Kunden erreicht werden. Swisscom hat jedoch ein Interesse, dass auch Kunden von Sunrise und Orange erreicht werden können. Doch vorerst können nur Kunden von Swisscom erreicht werden. Damit man die Kunden nicht in der Nacht belästigen kann, steht der Service nur zwischen 7 und 22 Uhr zur Verfügung. Der Anrufer erhält die Nummer vom Auskunftsdienst nicht und wird auch nicht direkt mit dem Angerufenen verbunden. Stattdessen muss der Anrufer zuerst eine Nachricht auf ein Tonband sprechen. Dieses Tonband wird dann dem Angerufenen abgespielt und wenn der Angerufene will, kann er den Anruf annehmen. Der Service ist mit allen anfallenden Gebühren auch relativ teuer, so dass diese Dienstleistung wohl nur im Notfall benutzt wird.

Ich finde diese Dienstleistung sehr nützlich, habe jedoch auch zwei Forderungen:
  • Swisscom sollte jedem Auskunftsdienst-Anbieter, der dies wünscht, diesen Service ebenfalls zur Verfügung stellen. Es sollte auch möglich sein, über 1818 und anderere Auskunftsdienste diese Dienstleistung nutzen zu können.
  • Sunrise und Orange sollten diese Dienstleistung auch ermöglichen. Auch die Kunden von Sunrise und Orange sollten über den Auskunftsdienst erreichbar sein (natürlich nur, wenn das die Kunden auch wollen).
Nebenbei: Eine Kontroverse ist um diesen neuen Service ausgebrochen. Es heisst, die Privatsphäre der Kunden wird verletzt. Ich kann das Ganze nicht ganz nachvollziehen: Ein Handy-Kunde will in der Regel auch erreichbar sein. Wenn ein Kunde jedoch will, dass man ihm über die Nummer 1811 nicht erreichen kann, kann er dies Swisscom mitteilen und die Vermittlung ist nicht mehr möglich. Ausserdem hat der Kunde die Möglichkeit, die Vermittlung des Anrufes abzulehnen. Man kann sich natürlich fragen, ob es nicht sinnvoller wäre, wenn Swisscom die Bewilligung aller Kunden einholen sollte, die über diesen Service erreichbar sein wollen. Ich halte dieses aufwändige Verfahren für nicht notwendig. Wichtig erscheint mir, dass Swisscom die Kunden offen und transparent über den neuen Service informiert und den Kunden auf die Möglichkeit aufklärt, den Service für seinen Anschluss blockieren zu lassen.


Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte von comparis.ch

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Im Vergleich zu anderen Themen, über die Swisscom aufklären sollte, wirklich ein Sturm im Wasserglas. Beispielsweise die E-Mail- und Web-Filter.

Marc hat gesagt…

Guten Abend Ralf Beyeler,
mit Interesse habe ich Ihren Artikel hier gelesen und bin überrascht über Ihre Ansichten. Bis anhin hatte ich doch eher das Gefühl, dass Sie geschäftlich Telekom-Themen eher konservativer/skeptischer beurteilen, hier aber viel Offenheit zeigen.
Ich teile Ihre Aussagen bezüglich Privatsphäre, man hat ja immer noch die Wahl der Gesprächsannahme und hört auch wer dran ist. Eigentlich derselbe Mechanismus wie beim Anruf einer unbekannten Nummer, den man auf seine Mailbox laufen lässt, danach abhört und dann vielleicht den Rückruf startet... ;-)
Denken Sie nicht, dass die sogenannten Promis oder VIPs den Service etwas anders beurteilen? Keine Sorge, ich bin keiner derjenigen, denke aber, dass die ein Problem damit haben... ;-)
Guten Abend, Marc.

Ralf Beyeler hat gesagt…

@Marc:

Zuerst: Ich bin etwas überrascht, dass ich konservativ sein soll... Dass ich im Blog offener schreiben kann, liegt sicherlich daran, dass ich viel mehr Platz habe. Wenn ich allerdings mit einem Journalisten telefoniere, gibt es am Schluss einen Satz oder einige weniger Sätze. Damit muss ich mich auf das Wesentliche konzentrieren und dies führt wohl auch dazu, dass ich weniger offener wirke.

Nun zur eigentlichen Frage: Ich kenne mich mit den Promis nicht so gut aus. Tatsache ist, dass die Verbindung zu Natels von Promis nicht möglich ist, wenn die Promis im Telefonbuch keinen Festnetz-Anschluss eingetragen haben. Ich gehe davon aus, dass viele Promis auch ihre Festnetz-Nummer nicht im Telefonbuch eingetragen haben. Ansonsten gilt: Nach dem ersten Anruf kann man sich immer noch auf diese Liste setzen lassen und wird dann nicht mehr "belästigt".

Guten Abend



Ralf Beyeler