Mittwoch, 4. November 2009

Alibi-Übung Schutz vor Konsumenten

„Der Bundesrat hat heute die Anpassung der Ausführungsverordnungen zum Fernmeldegesetz (FMG) verabschiedet. Diese Änderungen bewirken unter anderem, dass die Konsumentinnen und Konsumenten besser geschützt und informiert werden, wenn sie ihr Mobiltelefon im Ausland verwenden oder Mehrwertdienste konsumieren.“ Schöne Worte aus dem Departement Leuenberger. Meiner Meinung nach handelt es sich um eine Alibi-Übung.

Ab dem 1. Juli 2010 müssen die Schweizer Mobilfunk-Anbieter über die Kosten im Ausland – dem Roaming – informieren. Einen entsprechenden Service bietet Swisscom ihren Kunden bereits seit einiger Zeit an. In der amtlichen Medienmitteilung steht, dass sich mit dieser Neuerung die Schweiz den 2008 und 2009 von der Europäischen Union getroffenen Massnahmen annähert. Das tönt gut. Doch die wichtigste Massnahme der europäischen Union ignoriert der Bundesrat. In der EU gibt es Preisobergrenzen für die Roaming-Tarife. Folglich wären Tarife wie sie Schweizer Anbieter anbieten – 2 Franken aus zahlreichen europäischen Ländern z.B. bei Orange – illegal. Die Kunden profitieren von massiv niedrigeren Tarifen. Die Schweizer Kunden werden weiterhin abgezockt, ausser sie informieren sich zuerst über die Roaming-Tarife und schliessen dann die optimale Option ab. Nach den Ferien darf man nicht vergessen, sich für die dann nutzlos gewordene Option wieder abzumelden.

Eine gute Regelung ist sicher, dass die Telekom-Anbieter in Zukunft auf jeder Rechnung über die Möglichkeit der Ombudsstelle Ombudscom informieren müssen. Wenn Kunden ein Problem mit ihrem Anbieter haben, können sie sich an die Ombudscom wenden. Die Ombudsstelle arbeitet dann einen Schlichtungsvorschlag aus.

Ob die neuen Regelung für Mehrwertdienste-Nummern ihren Zweck erfüllen werden, kann ich nicht beurteilen. Ich bin aber eher skeptisch.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte von comparis.ch

Nochmals Kombi-Rabatt der Cablecom

Mein Blogeintrag zum neuen Kombi-Rabatt der Cablecom wurde kritisiert. Es geht mir nicht darum, das Angebot von Cablecom schlecht zu reden. Ich finde es jedoch störend, dass z.B. Kunden der Fremdsprachen-Pakete leer ausgehen. Dies obwohl es sich um die treuesten Kunden handelt, die Digital-TV bereits gekauft oder gemietet haben, als es die anderen Digital-TV-Angebote noch nicht gegeben hat.

Auch heute noch habe ich Mühe, die Logik hinter dem Angebot der Cablecom zu verstehen. Weshalb ist die Standard-Set-Top-Box nicht rabattberechtigt? Der Kunde wird in vielen Fällen sowieso die Set-Top-Box kostenlos erhalten. Cablecom macht sich den Aufwand, dem Kunden die Box auszutauschen und macht dann wegen dem Rabatt weniger Umsatz?

Wenig kundenfreundlich, aber aus betriebswirtschaftlichen Gründen verständlich ist, dass das 34-Franken-Internet-Angebot nicht unterstützt wird. Weshalb allerdings das teurere 59 Franken-Internet-Angebot auch nicht ausreicht, um den Rabatt zu erhalten, ist mir nicht klar.

Das selbe beim Festnetz-Angebot: Mit dem 20 Franken-Angebot gibt es keinen Rabatt, aber Rabatt gibt es auf das 15 Franken-Angebot. Ich beschäftige mich seit über 10 Jahren mit Telecom-Tarifen, aber das neueste Cablecom-Angebot macht mir beim besten Willen überhaupt keinen Sinn.

Noch nicht erwähnt habe ich auch die neue Gebühr für die Rechnung: 1.50 Franken wird jeder Rechnung belastet, wobei die Cablecom auf die Gebühr bei den ersten drei Rechnungen verzichtet. Nur wer darauf verzichtet, sich die Rechnung zusenden zu lassen, kann die 1.50 Franken sparen. Für mich ist eine solche Gebühr eine absolute Unverschämtheit. Sie ist nicht verständlich und ich kenne keinen Schweizer Telekom-Anbieter, der ebenfalls eine solche Gebühr kennt. Ebenfalls schlecht finde ich, dass Cablecom nicht offen über diese Gebühr informiert.

Ich habe bereits mehrfach anhand von drei Profilen einen Preisvergleich erstellt. Da die Angebote schwer zu vergleichen sind und je nach Anbieter andere Voraussetzungen vorhanden sind, habe ich die Preise für einen Kunden verglichen, der sowohl TV, Festnetz, Internet und Mobilfunk beim gleichen Anbieter bezieht. Bei allen drei Profilen gehen wir von einem Kunden aus, der insgesamt 5 Stunden aus dem Festnetz und 3 Stunden mit dem Handy telefoniert und mit dem Handy 40 SMS versendet. Der Kunde surft ausserdem jeweils mit dem Internet-Zugang für 49 Franken. Man muss natürlich eingestehen, dass es sich nicht um das genau gleiche Angebot handelt. So kann man z.B. mit dem Handy-Abo von Swisscom surfen, was bei Cablecom nicht ohne Kosten möglich ist. Bei Cablecom z.B. ist die Internet-Geschwindigkeit schneller und bei Bluewin kann man sich exklusive Sportevents für 2.50 Franken ansehen.

Beim Profil 1 handelt es sich um einen Kunden, der lediglich die normalen, üblichen TV-Programme sehen möchte und keinen Wert auf neueste Spielereien setzt. Am günstigsten schnitt Cablecom mit 207.30 Franken ab, mit 209.65 Franken war Swisscom jedoch praktisch gleich teuer. Der Kunde kann nun vom Kombi-Rabatt profitieren, in dem er auf das Digital phone Freecall wechselt. Der Festnetz-Anschluss kostet dann 5 Franken mehr als bisher, allerdings bekommt der Kunde auch einen Rabatt von 12.50 Franken. Zusammen mit der Rechnungsgebühr bezahlt der Kunde also neu 201.30 Franken. Dank dem Kombi-Rabatt kann der Kunde damit knapp 3 Prozent einsparen. Ein Drittel günstiger ist es jedoch, wenn der Kunde seinen Internet- und Festnetz-Anschluss bei Sunrise bezieht und weiterhin analog über Cablecom fernsieht.

Beim Profil 2 handelt es sich um einen Kunden, der zusätzlich auch italienischsprachige Programme ansehen möchte. Hier fährt der Kunde mit Swisscom (219.65 Franken) günstiger als bei Cablecom (228.30 Franken). Der Kunde kann nun zwar den Kombi-Rabatt nutzen, in dem er auf digital phone freecall und mediabox hd receiver wechselt. Im Endeffekt bezahlt der Kunde dann mit dem Rabatt tatsächlich 228.80 Franken und damit 50 Rappen mehr als bisher. Wer Internet und Festnetz von Sunrise bezieht sowie TV von Cablecom, bezahlt 159.60 Franken.

Beim Profil 3 handelt es sich um einen Freak, der ein grosses TV-Angebot , auch Sendungen aufzeichnen und von Sendungen in HD profitieren will. Swisscom ist mit 219.65 Franken ebenfalls billiger als Cablecom mit 233.30 Franken. Mit dem Kombi-Rabatt überholt Cablecom Swisscom, ist mit 214.80 Franken praktisch gleich teuer. Der Kombi-Rabatt reduziert die monatliche Rechnung lediglich um 8%.

Nicht verstanden wird vor allem, weil ich kritisiere, dass die Fremdsprachen-Pakete nicht rabattberechtigt sind. In der Schweiz leben viele Menschen, die fremdsprachige Programme ansehen wollen. Ausserdem ist Digital-TV gerade bei Personen, die fremdsprachige Programme ansehen, weit verbreitet. Ich gehe davon aus, dass mindestens ein Drittel aller Digital-TV-Kunden von Cablecom ein Fremdsprachen-Paket haben und damit nicht vom Kombi-Rabatt profitieren können.

Ich finde dies unfair, auch wenn ich selber ausschliesslich deutschsprachige TV-Programme ansehe.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte von comparis.ch

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Neues Optima überzeugt nicht

Das beliebte Optima-Abo von Orange wurde überarbeitet (siehe auch Medienmitteilung). Die wichtigsten Neuerungen: Neu gibt es nur noch drei Abostufen statt bisher sechs. Doch nun dürfen Anrufe auf die drei Lieblingsnummern – mit denen man kostenlos telefonieren kann – auch auf Swisscom- und Sunrise-Handys gehen. Dafür dürfen die Optima-Kunden neu nur noch 1000 Minuten – das sind aber immerhin 16 Stunden – im Monat mit den Lieblingsnummern-Menschen telefonieren.

Die Analyse des neuen Optima-Abos ist nicht einfach und deshalb kann ich hier nur eine grobe Einschätzung – aber durchaus allgemeine Faustregel – abgeben: Am wichtigsten ist, wie viele Anrufe man mit seinen drei Lieblingsnummern führt. Telefoniert man während mindestens vier von fünf Minuten mit seinen Lieblingsnummern, so schneidet Optima wahrscheinlich nicht schlecht ab. Insbesondere Prepaid-Angebote sind jedoch günstiger. Hat man jedoch mehr als drei Kollegen und führt man mehr als 20% der Gesprächsminuten mit ihnen, dürften wohl andere Angebote interessanter sein.

Bestehende Optima-Kunden dürften sich auch die Frage stellen, ob sie auf das neue Optima wechseln wollen. Meistens dürfte sich ein Wechsel nicht auszahlen. Ausser man telefoniert häufig mit einem Swisscom- oder Sunrise-Handy. Wechselt man nun auf das neue Optima, kann man diese Person neu kostenlos anrufen und muss damit nicht mehr die hohen Fremdnetz-Gebühren bezahlen. Damit kann man allerdings auch eine seiner drei bisherigen Lieblingsnummern nicht mehr erreichen.

Bei Orange Optima handelt es sich nicht einfach um ein Abo, deren Konditionen nun wieder mal verändert wird. Optima ist das beliebteste und weitverbreiteste Abo von Orange. Doch die Idee von Orange, ein Abo für die breite Masse zu sein, ist damit endgültig gescheitert. Im Jahr 2004 als „Abo mit Tarif-Automatik“ angekündigt, damit „die Kunden nicht mehr Abos und Tarife vergleichen müssen und automatisch – unabhängig vom Nutzungsverhalten – zum Besten Tarif telefonieren“.

Zum Zeitpunkt der Lancierung bot Orange ein sehr attraktives Produkt mit günstigen Preisen für die breite Masse an. Doch nach und nach wurde Optima ein mittelmässiges Produkt und andere, günstigere Angebote unterboten die Optima-Preise massiv. Und auch Orange lancierte ein Angebot nach dem anderen. Hiess es 2004 noch, dass es für die Kundinnen und Kunden Wichtigeres im Leben gäbe, als Mobilfunk-Abos und Tarife zu vergleichen, galt dies später nicht mehr. Der Kunde musste wieder mühsam selbst das günstigste Abo herauspicken. Oder man bleibt bei Optima und bezahlt Monat für Monat zu viel.

Es ist eigentlich auch nicht erstaunlich, dass die ursprüngliche Strategie nicht aufgehen konnte: Alle Mobilfunk-Anbieter profitieren davon, dass die Kunden mit älteren und teuren Abos telefonieren. Die günstigeren Tarife gelten meist nur für Neukunden und Kunden, die selbst hartnäckig nach den gleichen Konditionen fragen. Wenn man jedoch ein Produkt hat, mit dem viele Kunden telefonieren, verliert man bei Preissenkungen sehr viel Geld. Es ist interessanter, ein neues Produkt zu lancieren und den vielen Kunden, die mit dem bestehenden Angebot telefonieren, weiterhin die höheren Tarife zu verrechnen.

Orange setzt nun die Hoffnung auf die drei Lieblingsnummern: Für mich persönlich bleibt dies ein Marketing-Gag. Ich denke nicht, dass der Kunde nur mit drei Menschen kommunizieren will.

Ich finde es schade, dass es von Orange nun kein Produkt mehr für die breite Masse gibt. Wer bei Orange bleiben möchte, sollte sich als Wenigtelefonierer – trotz Einschränkungen – für Prima und als Vieltelefonierer für Maxima entscheiden. Personen, die extrem viel telefonieren, fahren unter Umständen mit Universa Unlimited günstiger. Doch von den Konkurrenten, insbesondere von Sunrise, gibt es günstigere Angebote als bei Orange. Und wer kein Problem mit einem Wechsel zu einem Prepaid-Angebot hat, fährt mit Billig-Prepaid-Angeboten z.B. von Migros, Coop oder Aldi meist weiterhin am günstigsten.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte von comparis.ch

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Preisvergleich für Geschäftskunden

In meiner Arbeit beschäftige ich mich zwar mit den Tarifen der Telekom-Anbieter für Privatkunden. Doch gelegentlich erhalte ich auch eine Anfrage, die Geschäftskunden betrifft. So hat mich vor einigen Tagen Cash angefragt, ob ich einen Preisvergleich für KMU-Handy-Abos erstellen könnte

Wie auch bei Privatkunden-Abos ist es bei Geschäftskunden-Abos schwierig, die Produkte zu verstehen. Teilweise fehlen sogar Infos zu den Preisen auf der Website. Ich habe das Gefühl, dass die Anbieter alles unternehmen, um möglichst viel Verwirrung zu stiften. Bei den Geschäftskunden-Angeboten dürfte dies sogar noch ausgeprägter sein. Ein solcher Preisvergleich ist sehr aufwändig und ich kann gut verstehen, dass die wenigsten Kunden hier die Preise vergleichen. Hier wären die Anbieter gefordert, endlich einfach verständlichere Produkte einzuführen.

Doch nun sind die Berechnungen fertig und diese wurden heute auf Cash veröffentlicht (online verfügbar). Das Resultat ist eindeutig: Sunrise ist stets mit Abstand am günstigsten, Swisscom ist in vier der fünf Profilen am teuersten und Orange ist meist im Mittelfeld. In einem Profil bezahlt der Kunde bei Swisscom immerhin 44% mehr für die gleiche Dienstleistung. Da frage ich mich, weshalb so wenig Kunden den Anbieter wechseln.

Cash hat die User gefragt, warum Swisscom weiterhin Marktführer bleibt. 42% sind der Meinung, dass der Preis nur ein Faktor ist und Sunrise beim Service nicht mithalten kann. 38% denken, dass die Schweizer zum Faul zum Wechseln sind und 15% gaben an, dass der Leidensdruck noch zuwenig gross ist.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte von comparis.ch

Red Bull: Kein Preiskampf

Gestern abend informierte Red Bull an einem Event in Zürich über die neuen Mobilfunk-Angebote. Der Energy-Drink-Pionier hat nach Österreich nun auch in der Schweiz ein Handy-Angebot. Ich habe vor einer Woche darüber in meinem Blog geschrieben.

Nun sind die Preise bekannt. Doch die Erwartung, dass Red Bull in der Schweiz die Handypreise ins Purzeln bringen wird, erfüllen sich nicht. Die Schweiz ist eben nicht Österreich. In Österreich sind die Handypreise massiv viel niedriger und damit auch das Red Bull-Angebot in Österreich viel günstiger.

Das Angebot nennt sich zwar "SimplyALL", also "einfach alles", doch die enthaltenen Inklusiv-Leistungen sind mager und für die meisten Kunden nicht ausreichend. Für 33 Franken pro Monat erhält man 33 Gesprächsminuten, 33 SMS und 33 Megabyte Datenübertragung. Die grössere Variante mit dem Namen "SimplyALL +" kostet 66 Franken und enthält 166 Gesprächsminuten, 33 SMS und 166 Megabyte Datenübertragung. Bei beiden Angeboten hat man unbeschränkt Zugang zum Red Bull-Portal und zu Red Bull-TV mit Bildern und Videos zu Extremsportarten.

Wir haben heute eine Medienmitteilung mit einem Preisvergleich verschickt (online verfügbar). Sunrise und Coop Mobile sind klar günstiger als Red Bull. Immerhin ist Red Bull günstiger als Swisscom.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte von comparis.ch

Montag, 26. Oktober 2009

Cablecom mit Kombi-Angebot

Heute gab die Cablecom die Lancierung eines Kombi-Angebotes bekannt (siehe auch Medienmitteilung der Cablecom). Wer Internet, Digital-TV und Telefonie von Cablecom nutzt, bezahlt keine Abo-Gebühr für das Abo mit der niedrigsten Abo-Gebühr. Dies zumindest unter gewissen Bedingungen.

Doch das Angebot ist nicht wirklich durchschaubar und sehr intransparent: So erhalten die Kunden, die mit digital phone - dem üblichen und weitverbreiteten Standard-Angebot für die Telefonie - telefonieren, keinen Rabatt. Die Kunden müssen zuerst auf das neue Light-Abo oder das teuere Freecall-Abo wechseln. Die meisten Kunden würden aber mit dem normalen Abo am Besten fahren, da das Light-Abo keine Gratis-Gespräche abends und am Wochenende beinhaltet, das Freecall-Abo dafür Gratis-Gespräche auch tagsüber ermöglicht. Wer wie viele Kunden tagsüber nie telefoniert, fährt mit dem ganz normalen Digital Phone-Angebot wesentlich günstiger.

Undurchsichtig ist das Ganze auch beim Internet und beim Digital-TV: Den gewöhnlichen Digital-TV-Receiver wird nicht akzeptiert. Man benötigt die überteuerten Digital-TV-Zwangsboxen für mindestens 15 Franken pro Monat. Auch das kostengünstige und für die meisten Kunden absolut ausreichenden Hispeed 2000-Internet-Zugang berechtigt nicht zu einem Rabatt.

Grundsätzlich finde ich es gut, wenn treue Kunden belohnt werden. Doch wenn Kunden insgesamt vier Dienstleistungen beziehen (wovon die wichtigste Dienstleistung - das Analog-TV - zu keinem Rabatt führt) und mit so einem lächerlichen Rabatt abgespiesen werden, ist das Ganze wenig kundenfreundlich. Dazu kommt, dass der Kunde einen Knebelvertrag unterschreiben muss, der sich jeweils um ein ganzes Jahr erneuert.

Dazu kommt, dass die Angebote von Cablecom trotz Kombi-Rabatt weiterhin nicht günstig sind. Durch die zahlreichen Einschränkungen ist der Rabatt zum Teil auch sehr gering. So zeigen meine Berechnungen, dass Kunden teilweise gerade von einem Rabatt von einem winzigen Franken profitieren. Dies weil die Kunden auf teurere Angebote wechseln müssen, um überhaupt von Kombi-Rabatt profitieren zu können. Dies ist mickrig, insbesondere wenn der Kunde im Monat über 200 Franken an Cablecom überweist. Das entspricht gerade einem Rabatt von weniger als einem halben Prozent.

Wer das Analog-TV, Digital-TV (HD-Recorder), Internet (10'000er-Abo) und Festnetz-Telefonie (Digital Phone Freecall) von Cablecom bezieht, bezahlt immerhin nur noch 101.45 Franken statt 126.45 Franken pro Monat. Das sind etwas weniger als 20% Rabatt. Nicht berücksichtigt ist in dieser Berechnung die anfallenden Gesprächsgebühren.

Ich finde das Kombi-Angebot der Cablecom schwach und fordere die Cablecom auf, das Angebot nachzubessern. Insbesondere da es preislich attraktivere Angebote z.B. von Sunrise auf dem Markt gibt.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte von comparis.ch

Dienstag, 20. Oktober 2009

RedBull mit Handy-Tarif

Im Herbst 2005 haben Migros und Coop den Mobilfunk-Markt aufgemischt. Mit M-Budget Mobile und Coop Mobile haben die beiden Händler günstige Prepaid-Tarife auf den Markt gebracht und damit einen Preisrutsch ausgelöst. In der Zwischenzeit hat lediglich Aldi als branchenfremder Anbieter noch einen eigenen Handy-Tarif auf den Markt gebracht. Und es dürfte eine Frage der Zeit sein, bis auch Lidl mobiles Telefonieren anbietet. Auch im Ausland bietet Lidl günstige Prepaid-Angebote an.

Wie der Blick heute online berichtet, will nun Red Bull in der Schweiz auch Handy-Angebote verkaufen. Über die Tarife ist allerdings noch nichts bekannt.

Red Bull bietet bereits in Österreich zwei Abos an: Mit "SimplyAll" zum Beispiel kann man für 19 Euro (ca. 30 Franken) im Monat während 1'000 Minuten in alle Netze telefonieren, 1'000 SMS und/oder MMS versenden und 100 MB versurfen. Ausserdem ist ein unlimitierter Zugang auf RedBull-TV enthalten.

Wer jetzt hofft, zu ähnlich günstigen Konditionen in der Schweiz mobil kommunizieren zu können, dürfte enttäuscht werden. Ein solches Abo mit diesen Konditionen wäre der absolute Hammer und dürfte das Tarife massiv zum Sinken bringen. Sunrise - gemäss Blick Netzpartner des Red Bull-Angebotes in der Schweiz - dürfte für die Netznutzung kaum so attraktive Konditionen bieten.

Zum Vergleich: Für die im österreichischen "SimplyAll" enthaltenen Dienstleistungen würde man in der Schweiz mindestens 141.50 Franken pro Monat bezahlen. Das sind immerhin fünf mal mehr. (Anmerkung: Unter der Annahme, dass der Kunde die 1000 Minuten in beliebige Netze telefoniert. Natürlich ist es bei allen Anbietern günstiger, wenn man 1000 Minuten nur mit einer Person telefoniert, die dazu noch im gleichen Netz telefoniert.)

Es bleibt spannend. Ich rechne jedoch nicht damit, dass Red Bull einen Preiskrieg auslösen wird. Ich bin zwar kein Marken-Experte, denke jedoch nicht, dass ein Billig-Angebot zur Positionierung des Energy-Drink-Anbieters passen würde. Immerhin steht in den Schweizer Läden neben dem Marken-Red-Bull für 1.75 Franken auch die günstigere Eigenmarke für etwa 90 Rappen. Ein Red Bull ist damit doppelt so teuer.

Im Handy-Bereich dürfte das Red Bull-Angebot meiner Einschätzung nach nicht doppelt so teuer sein wie die günstigsten Angebote. Lassen wir uns überraschen.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte von comparis.ch

Endlich: Cablecom überdenkt Boxenzwang

Ich gebe zu, dass der grösste Schweizer Kabelnetz-Anbieter Cablecom mich heute überrascht hat. Eric Tweter - Geschäftsführer der Cablecom - hat an den Bieler Kommunikationstagen Comdays einen Vortrag gehalten und dabei angekündigt, dass man die Abschaffung des Boxenzwangs prüfe. Auf der Website der Cablecom ist eine Kurzzusammenfassung des Referates aufgeschaltet:
Um dem Kundenwunsch nach freier Wahlmöglichkeit zu entsprechen, müssen Te­le­­kom­mu­ni­ka­tions­anbieter in erster Linie flexibel sein und eine bequeme Nut­zung ge­währleisten. Cablecom prüft deshalb die Einfüh­rung von Common Interface Modulen der neusten Generation, um die freie Wahl von Set-Top-Boxen zu gewährleisten.
Das heisst, dass die TV-Programme weiterhin verschlüsselt werden, der Kunde jedoch auf dem freien Markt eine kompatible Set-Top-Box seiner Wahl kaufen kann. Wichtig ist jedoch, dass die Box den entsprechenden Standard unterstützt. Auch TV-Geräte werden den entsprechende Standard unterstützen, so dass man dann keine zusätzliche Box mehr braucht.

Es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Andere Schweizer Kabelnetz-Anbieter machen dies bereits seit längerem. Ich bin trotzdem der Meinung, dass dies zu wenig weit geht. Das kostenlose Basis-Angebot - für das der Kunde in der Regel über die Nebenkosten immerhin 26.45 Franken im Monat bezahlt - sollte unverschlüsselt ausgestrahlt werden. Damit der Kunde wirklich die Box seiner Wahl einsetzen kann. Genau dies wäre die richtige, kundenfreundliche Lösung. Mal sehen, ob Cablecom in erster Linie auch so flexibel sein wird.

Anmerken möchte ich, dass Cablecom lediglich "prüfen" möchte, ob man diese Lösung einsetzen soll, aber derzeit noch nicht entschieden ist, ob es zu dieser Lösung kommen wird. Ich vermute, dass es sich auch um einen Test handelt, um zu sehen, wie die Öffentlichkeit auf diese Ankündigung reagiert. Oder meint es Cablecom tatsächlich ernst und will sich wirklich verbessern?

Aber offensichtlich hat der politische Druck - das Parlament befasst sich mit dem Verbot der Grundverschlüsselung - gewirkt und Cablecom setzt lieber auf eine Verschlüsselung mit freier Boxenwahl als ein Verbot der Grundverschlüsselung zu riskieren. Dies ist aus Sicht des Kabelriesen verständlich. Aus Sicht des Kunden ist diese Lösung mit dem CI nur für Pay-TV interessant, ansonsten gäbe es eigentlich zu unverschlüsselten TV-Programmen keine Alternative.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte von comparis.ch

Montag, 19. Oktober 2009

Endlich kommen Flatrates

Flatrates sind eigentlich eine sehr praktische Sache. Für einen bestimmten monatlich gleich bleibenden Betrag kann man eine Dienstleistung unbeschränkt nutzen. Für den Zugang ins Internet hat sich die Flatrate durchgesetzt. Egal wie lange und wohin man surft, man bezahlt lediglich den monatlichen Pauschalbetrag von meist etwa 50 Franken.

Im Handy-Bereich gab es bis vor kurzem keine echten Flatrates. Bereits seit fast fünf Jahren gibt es von Orange und Sunrise zwar Pseudo-Flatrates, doch unbeschränkt konnte man damit nur ins Festnetz und zu den Kunden telefonieren, die zufälligerweise über den gleichen Anbieter telefonieren. Es gibt sogar Angebote, die ein „Flat“ im Namen haben, aber mit Ausnahme der Anrufe ins eigene Netz musste jede Verbindung einzeln bezahlt werden.

Im August hat nun Swisscom die erste echte Flatrate in der Schweiz angekündigt: Für 169 Franken pro Monat sind beliebig viele Anrufe und SMS zu allen Schweizer Telefonnummern möglich (ausgenommen natürlich erhöht kostenpflichtige Mehrwertdienste-Nummern, aber dies sollte klar sein). Ebenfalls abgedeckt ist das Surfen im Inland. Lediglich für die Kommunikation mit dem Ausland und sowie im Ausland fallen zusätzliche Gebühren an.

Nun haben auch die Mitbewerber Sunrise und Orange reagiert. Sunrise wirbt bei „Sunrise Flat Relax“ für eine Flatrate von 95 Franken. Doch beim Abschluss des Vertrages gibt es nicht mal ein Handy. Wer ein Handy erhalten möchte, bezahlt nochmals 20 Franken pro Monat zusätzlich. Immerhin sind die Subventionen derzeit so hoch, dass dies meist ein attraktiver Deal ist. Für die 115 Franken kann man zwar echt unbeschränkt innerhalb der Schweiz telefonieren. Doch jedes einzelne SMS und jedes Megabyte (mobiles Internet) wird separat verrechnet. Immerhin können die Kunden die Surf-Option für 7.50 Franken pro Monat dazu buchen. Doch die darin enthaltenen 250 Megabyte sind für Vielnutzer viel zu mickrig. Für den Versand von SMS gibt es theoretisch ebenfalls eine Option, doch diese rechnet sich für die meisten Kunden nicht.

Orange nennt ihre Flatrate „Universa Unlimited“. Für 169 Franken – den Preis hat man von Swisscom kopiert – können die Kunden unbeschränkt ins Festnetz und auf Orange-Handys anrufen. Ausserdem sind 3'000 Minuten Gespräche in die Handynetze von Swisscom und Sunrise enthalten. Etwas komplizierter werden die SMS sowie Auslandsgespräche abgerechnet: Es gibt monatlich 500 Punkte und solange diese Punkte reichen, kann man damit entweder SMS versenden (1 SMS gleich 1 Punkt) bzw. in zahlreiche ausländische Netze (1 Minute gleich 1 Punkt) anrufen. Orange setzt klar auf Auslandsgespräche, immerhin können doch einige Gespräche ohne Aufpreis geführt werden.

In der Regel vereinfachen Flatrates einen Vergleich, da man lediglich die Monatsgebühr vergleichen müsste. Doch die Schweizer Anbieter haben ihre Flatrates so unterschiedlich gestaltet, dass es wesentlich komplexer ist. Ich habe natürlich die Angebote analysiert (und comparis.ch hat auch eine Medienmitteilung mit einem Vergleich veröffentlicht).

Grundsätzlich sind Flatrates ein Nischenprodukt. Nur etwa jeder neunte hat eine Telefonrechnung über 140 Franken. Für die grosse Masse der Kunden sind diese Angebote nichts.
Die meisten Kunden fahren mit Sunrise am günstigsten. Erst wer mehr als 2 Stunden pro Monat ins Ausland telefoniert (neben den zahlreichen Stunden Inlandsgesprächen) oder mehr als etwa 650 bis 700 Megabyte Daten überträgt, fährt mit Orange (Ausland) oder mit Orange bzw. Swisscom (Surfen) günstiger.
Wer mehr als 2 Stunden pro Monat ins Ausland telefoniert, bezahlt bei Orange am wenigsten. Dies natürlich nur, wenn man nebenbei auch innerhalb der Schweiz ständig mit dem Handy plaudert. Denn wer bis 10 Stunden im Monat mit dem M-Budget-Prepaid-Tarif sowohl innerhalb der Schweiz wie auch ins Ausland telefoniert, bezahlt weniger als mit Orange. (Aufgrund der relativ hohen Tarife von Lebara und Lycamobile für Anrufe innerhalb der Schweiz habe ich diese Anbieter nicht berücksichtigt und mich auf den Anbieter mit dem günstigsten Einheitstarif für Anrufe in die Schweiz und ins Ausland beschränkt. Je nach Nutzungsverhalten sind Lebara oder Lycamobile natürlich günstiger).

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte von comparis.ch

Dienstag, 29. September 2009

Keine Handy-Nummer für IQ-Test

Die Berner Zeitung hat vor kurzem über die Abzockerei bei einem IQ-Test geschrieben (Artikel online verfügbar). Ein Facebook-Freund, der den IQ-Test bereits gemacht hat, ködert zum IQ-Test. Der Kunde macht dann ein IQ-Test mit meist ganz einfachen Fragen und am Schluss wird noch nach der Handy-Nummer gefragt. Nach der Eingabe der Handy-Nummer wird man von mehreren kostenpflichtigen SMS zugespamt und es können Kosten von rund 60 Franken entstehen.

Wenn man die Handy-Nummer angeben muss und es nicht klar ist, weshalb der Anbieter diese Information benötigt, am Besten den gesamten Prozess abbrechen und nicht weiter klicken. Ebenso wenn man ohne erkennbaren Grund (wie z.B. eine Bestellung, die Anforderung von Offerten oder Prospekten) die Adresse angeben muss, um eine Dienstleistung nutzen zu können. In vielen Fällen tappt man in Kostenfallen, wenn man diese angibt.

Es ist noch nicht so bekannt, dass man im Internet die Handy-Nummer eingeben kann und dann kostenpflichtige SMS erhalten kann. Diese Situation ist auch absolut unbefriedigend und die Anbieter müssten die Kunden besser informieren. Ein weiterer Punkt ist, dass sich die Kunden – nach Ansicht der Anbieter – selbst mit dem Dienstleistungsanbieter auseinander setzen müssen.

Ich empfehle, auf jeden Fall penetrant darauf zu beharren, dass mein Mobilfunk-Anbieter den zu Unrecht belasteten Betrag von der Telefonrechnung abzieht und den Betrag nicht an den Dienstleistungsanbieter weiterleitet. Denn es wäre dann am Dienstleistungsanbieter, von mir den Betrag zurückzufordern. Doch leider denken die Schweizer Mobilfunk-Anbieter noch nicht so kundenfreundlich. Und die Kunden machen bei ihrem Anbieter noch zu wenig Druck.

Die Mobilfunk-Anbieter zeigen sich in der Regel kompromissbereit und reduzieren den Rechnungsbetrag, wenn man denn nur genügend nervt und genügend Druck macht.

Viele wissen auch nicht, dass sie diese Nachrichten aktiv abbestellen müssen. Die Hotline der Mobilfunk-Anbieter sind gerne behilflich. Falls die Nachrichten nicht abbestellt werden und weiterhin in der SMS-Inbox des Handys landen, fallen Kosten an. Dies selbst dann, wenn der Kunde das SMS gar nicht liest.

Zum Schluss möchte ich noch erwähnen, dass ich bekanntlich kein Jurist bin und deshalb auch keine Rechtsauskünfte erteilen kann.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte von comparis.ch

Option nur auf Bestellung

Am 2. September 2009 habe ich mich über die Kritik an der Praxis von Sunrise geäussert, den Kunden gleich die Surf-Option aufzuschalten. Konkret hat 20 Minuten damals in einem Artikel kritisiert, dass Sunrise die Surf-Option aufgeschaltet hat, ohne die Kunden zu fragen. Dies wurde als wenig kundenfreundlich bewertet, da sich die Kunden abmelden müssen, wenn Sie die Option nicht haben wollen.

Ich finde die Idee grundsätzlich sinnvoll, wenn die Anbieter den Kunden eine Option aufschalten, wenn denn der Kunde auch wirklich sparen kann. Doch wie ich bereits in meinem Blog vor gut einem Monat festgehalten habe, muss dies den Kunden gegenüber auch richtig kommuniziert werden. Dies ist meiner Meinung nach zumindest bei Sunrise nicht passiert. Und wichtig ist, dass der Kunde auch realisiert, dass er von der Option profitieren kann. Dies war anscheinend nicht der Fall, weil auch Kunden, die nur ein paar wenige Franken versurft haben, auf die Option migriert worden sind. Klar ist ein Kunde, der bisher 3 Franken bezahlt hat, nicht zufrieden, wenn er nun 7.50 Franken im Monat bezahlen soll. Wenn jedoch ein Kunde bisher 60 Franken bezahlt hat, hat er sicher nichts dagegen wenn er nun nur noch 7.50 Franken bezahlen muss.

Die neue Regelung ist daher ein Rückschritt und wesentlich kundenunfreundlicher als die bisherige Regelung. Auch wenn diese paradoxerweise auf Druck der Konsumentenschützer zustande gekommen ist. Sunrise schreibt denn auch: „Sunrise unterstreicht damit, dass ihr der Konsumentenschutz ein zentrales Anliegen ist. „ Es dürfte ziemlich einmalig sein, dass die Konsumentenschützer dagegen sind, dass die Kunden weniger bezahlen müssen.

Sunrise freut sich hingegen sich über die zusätzliche Einnahmen von Kunden, die auch in Zukunft mehr bezahlen als sie eigentlich müssten. Schade ist auch, dass sich Anbieter in Zukunft so kundenfreundliche Aktionen wohl zweimal überlegen werden und dann nicht realisieren.

Ich würde es gut finden, wenn sich Sunrise trotzdem eine weitere besser geplante Aktion plant. Wenn es Sunrise wirklich ein Anliegen ist, dass die Kunden nicht zu viel für den mobilen Internet-Zugang bezahlen, könnte Sunrise den Differenzbetrag zwischen 7.50 Franken pro Monat und dem vom Kunden für den Internet-Zugang bezahlten Betrag in Abzug bringen. Der Kunde würde dann auch nur maximal 7.50 Franken bezahlen. Wichtig ist, dass das ganze sehr transparent geschieht und offen kommuniziert wird. Der Anbieter könnte ja schreiben, dass nur 7.50 Franken verrechnet worden sind statt 64.50 Franken und dem Kunden auch gleich anbieten, auf Wunsch den höheren Betrag zu bezahlen.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte von comparis.ch

Montag, 28. September 2009

Wird Cablecom-Kundendienst endlich besser?

Seit fast 5 Monaten hat die Cablecom einen neuen Chef. Dies ist eine grosse Herausforderung, da der grösste Schweizer Kabelnetz-Betreiber bisher kaum an die Kunden gedacht hat. Der Kundendienst funktionierte sehr schlecht und die Produkte sind nicht viel besser gewesen. Ich war am Anfang skeptisch, als ein Amerikaner Chef der Cablecom geworden ist. Die grösste Herausforderung ist, den Laden auf Vordermann zu bringen und die Kundenprozesse zu verbessern.

Ein positiver – und für viele überraschender Aspekt – ist, dass der neue Cablecom-Geschäftsführer viel mehr mit Kunden, mit Kundendienstmitarbeitern und auch Journalisten spricht und sich um die Anliegen der Kunden kümmert. Ich kann noch nicht beurteilen, ob dies ein Ratschlag eines PR-Beraters gewesen ist, oder ob es die Cablecom mit der Fokussierung auf die Kunden ernst meint. Ich bin jedoch so zuversichtlich wie noch nie in den letzten Jahren, dass die Offensive diesmal ernst gemeint ist.

In diesem Zusammenhang möchte ich auch einige Aussagen, die Eric Tveter gegenüber dem Tages-Anzeiger (online verfügbar) in einem Interview gemacht hat, kommentieren. Das Interview ist bereits am 2. September 2009 erschienen, ich komme leider erst jetzt zum Kommentieren.

Gleich zu Beginn benutzt Eric Tveter sehr deutliche Worte und sagt, dass Cablecom in Zukunft die Versprechen halten sollen, vor allem auch im Kundendienst. Das Unternehmen will sowohl preislich wie technisch bessere Angebote machen als die Konkurrenz. Um die Probleme zu verbessern, werden das Topmanagement und weitere 200 Kadermitarbeiter sich regelmässig mit Kunden treffen und über die Probleme der Kunden mit Cablecom sprechen. Die Geschäftsleitung trifft sich neuerdings auch mit Kundendienstmitarbeitern, um die Probleme direkt an der Front zu erfahren.

Im Callcenter hat sich auch einiges geändert: Früher war wichtig, dass ein Mitarbeiter möglichst viele Anrufe pro Tag beantwortet hat. Wichtiger ist, dass die Mitarbeiter das Problem bereits im ersten Anlauf lösen. Auch die Tafel mit der Anzeige, wie viele Kunden in der Warteschlange warten, ist verschwunden. Eric Tveter sagt, dass es Aufgabe des Managements ist, dafür zu sorgen, dass es genügend Mitarbeiter im Callcenter hat.

Gemäss Eric Tveter ist der Kundendienst und die Servicequalität bereits besser geworden. Doch er sagt auch, dass es immer Dinge geben wird, die schieflaufen werden. Wichtig sei, wie Cablecom darauf reagiere. Zum Schluss kündigte er noch an, dass die Cablecom neue Bündelangebote lancieren wird.

Ich bin mit vielen Aussagen von Eric Tveter einverstanden. Ich fand das Interview sehr spannend und hoffe nicht, dass es sich nur um PR-Bla-Bal handelt, sondern wirklich ernst gemeint ist. Eine starke Konkurrenz zu Swisscom würde der Schweiz mehr als gut tun. Dies würde aber auch heissen, dass die Cablecom attraktiver werden muss. Der Preis für viele Dienstleistungen ist heute im Vergleich zu den Mitbewerbern viel zu hoch. Die Kunden erwarten, dass der Service einfach funktioniert.

Beeindruckt hat mich diese Aussagen, der ich voll zustimmen kann.
Wenn Probleme auf meinem Tisch landen, werden sie danach umgehend gelöst. Und das regt mich am meisten auf, dass etwas erst bei mir landen muss, bevor es erledigt wird. Das ist das Kernproblem: Alles, was bei mir landet, müsste eigentlich schon lange gelöst sein. Daran arbeiten wir jedoch.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte von comparis.ch

Schweizer Handy-Abos weiterhin zu teuer

Die Schweizerische Depeschenagentur hat über eine Studie der finnischen Behörde Ficora berichtet (abrufbar unter anderem auf Tagi-Online). Untersucht wurden die Abo-Tarife der jeweils drei grössten Anbieter in 19 Ländern Europas. Die Studie ist übrigens als PDF in englischer Sprache abrufbar.

Wenig erstaunlich ist, dass die Schweizer Anbieter sehr hohe Tarife verrechnen. Der Wenignutzer mit 150 Gesprächsminuten und 25 SMS pro Monat bezahlt in der Schweiz fast 39 Euro (etwa 60 Franken), so viel wie in keinem anderen untersuchten Land. In Island hingegen gibt es die gleiche Dienstleistung für weniger als 11 Euro (etwa 17 Franken). Obwohl es sich dabei um das Profil mit der kleinsten Nutzung handelt, handelt es sich um ein eher durchschnittliches Gesprächsverhalten. Viele Schweizer Kunden dürften sogar bedeutend weniger telefonieren.

Im Profil II telefoniert der Musterkunde während 300 Minuten und versendet 100 SMS. Der Schweizer bezahlt fast 70 Euro (über 100 Franken), der Engländer hingegen nur 17 Euro (etwa 26 Euro). Der Vieltelefonierer (Profil III) telefoniert während 1000 Minuten, verschickt 200 SMS und überträgt 50 Megabyte pro Monat: In der Schweiz kostet ihm dies etwa 133 Euro (etwa 200 Franken), in Luxemburg weniger als 35 Euro.

Wenn man sich die Berechnungsgrundlagen ansieht, fällt auf, dass die Grundlagen sogar äusserst Swisscom-freundlich sind. Im Profil I und II dauert ein Anruf im Schnitt 3 Minuten, im Profil III sogar 10 Minuten. Ausserdem sind bei Swisscom sehr viele On-net-Anrufe berücksichtigt – zumindest verstehe ich so die Erklärung (60% ist der Marktanteil von Swisscom, +15% zusätzlich und 25 % ins Festnetz = 81.25% On-net). Die Folge ist, dass der Minutenpreis damit beim Profil III auf 3 Rappen pro Minute sinkt – ein Minutenpreis, der kaum ein Kunde effektiv bezahlen dürfte. Und selbst durch diese für Swisscom äusserst vorteilhafte Berechnungsgrundlagen schneidet die Schweiz so schlecht ab und ist jeweils rund viermal so teuer wie das günstigste Land der 19 untersuchten europäischen Länder.

Leider sind die Tarife in der Schweiz immer noch so extrem hoch. Dies liegt sicherlich auch daran, dass die Kunden den Anbieter zu wenig unter Druck setzen und damit einen wirksamen Wettbewerb verhindern. Die Anbieter profitieren sehr gerne von dieser Ausgangslage und haben nichts dagegen, dass die Kunden freiwillig mehr als notwendig bezahlen

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte von comparis.ch

Dienstag, 15. September 2009

SMS Online-Banking geknackt

Online-Banking ist praktisch, kann aber auch gefährlich sein. Insbesondere wenn der Kunde nicht aufpasst und ausgetrickst wird, so dass Gauner die Zugangsdaten für das Online-Banking erhalten und damit Geld auf andere Konten überweisen können. Einige Schweizer Banken haben deshalb eine zusätzliche Sicherheitsstufe eingeführt und die Kunden erhalten ein Passwort via SMS oder erhalten die Zahlungsdaten per SMS, die sie bestätigen müssen. Der Tages-Anzeiger berichtete nun vor einigen Tagen, dass in Südafrika nun dieses zusätzliche Sicherheitssystem erstmals geknackt worden ist (Artikel ist online verfügbar).

Das Überwinden des Sicherheitssystem in Südafrika war nur möglich, weil ein Mitarbeiter des Mobilfunk-Anbieters Vodacom die SMS-Codes fürs E-Bankung abgefangen hat. Die Hacker erbeuteten Benutzernamen und Passwort anderweitig und konnten sich so auf Bankkonten zugreifen. Soweit die Information des Tages-Anzeigers.

Grundsätzlich ist es mit genügend Aufwand immer möglich, jedes System auszutricksen. Wenn eine Bank Zugangsdaten (z.B. die altmodische Streichlisten-Codes, die es nun auch per SMS gibt) per SMS schickt, so werden die Zugangsdaten auf einem System der Bank gespeichert, an ein SMS-Gateway übergeben (dort wieder gespeichert), von dort weiter ins Mobilfunk-Netz übergeben (und wieder gespeichert). Das Mobilfunk-Netz liefert das SMS dann an den entsprechenden Kunden aus. Rein theoretisch - und mit entsprechenden Aufwand - wäre es möglich, die SMS mitzulesen. Das Ganze dürfte jedoch nicht einfach werden, weil nur wenige Mitarbeiter überhaupt Zugriff auf so sensible Systeme haben dürften. Ich halte das Abfangen von SMS-Nachrichten jedoch für äusserst unwahrscheinlich, doch ein kleines Restrisiko bleibt. Der Tages-Anzeiger schreibt in seinem Artikel zwar, dass die SIM-Karten kopiert werden müsste, doch ich glaube nicht, dass dies notwendig ist, um SMS lesen zu können.

Ich gehe davon aus, dass die Kombination zwischen Internet und Mobilfunk sicher ist. Eine Schwachstelle ist, dass das SMS unverschlüsselt übertragen wird und damit - rein theoretisch - von Drittpersonen gelesen werden kann. Doch diese müssten zusätzlich auch noch an die anderen Zugangsdaten kommen.


Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte von comparis.ch

Montag, 14. September 2009

Glasfasernetze: Swisscom und Elektrizitätswerke

In den vergangenen Wochen gab es einige Medienmitteilungen von Swisscom betreffend Zusammenarbeiten beim Ausbau eines Glasfasernetzes direkt in die Wohnungen (sogenannte FTTH). So gab Swisscom die Zusammenarbeit mit dem Elektrizitätswerk der Gemeinde Pfyn, den St. Galler Stadtwerken und Service industriels de Lausanne bekannt.

Die Zusammenarbeit zwischen Swisscom und dem Elektrizitätswerk der Gemeinde Pfyn dürfte eher eine Alibi-Übung sein, mit der Swisscom die anderen Elektrizitätswerke unter Druck setzen möchte. Mir sagt zwar der Pfynwald im Wallis etwas (immerhin habe ich viele Jahre im Wallis gelebt), aber von der Thurgauer Gemeinde Pfyn habe ich bisher – ehrlich gesagt – noch nie etwas gehört. Ich habe mich mal auf der Website der Gemeinde schlau gemacht und so erfahren, dass die Gemeine gerade mal 1'850 Einwohner zählt. Immerhin kann Swisscom Erfahrungen beim Bau eines Glasfasernetzes in eher ländlichen Regionen sammeln.

In Lausanne ist es übrigens nur eine kleine Einigung: Die Service industriels de Lausanne und Swisscom arbeiten in einem Pilotprojekt zusammen und schliessen insgesamt 3'000 Haushalte an. Erst später soll entschieden werden, wie die Zusammenarbeit weitergehen soll. Ein schlauer Schachzug vom Lausanner Anbieter, der auch Strom, Gas, Fernwärme und Kabel-TV anbietet: Die Lausanner haben noch Zeit zum Verhandeln. Man wird sehen, ob es dann eine Einigung zum Ausbau der übrigen Haushalte geben wird.

Eine echte Einigung wurde hingegen in St. Gallen erzielt: Swisscom und die St. Galler Stadtwerke bauen gemeinsam ein Kabelnetz auf. Swisscom bezahlt den Stadtwerken einen nicht genannten Betrag an die Investitionen und hat im Gegenzug das Nutzungsrecht für 2 der 4 verlegten Fasern für die Dauer von 30 Jahren mit der Option auf eine Verlängerung. Swisscom investiert einmalig einen hohen Betrag - es dürfte etwas mehr als die Hälfte der Investitionen sein - und kann dann während 30 Jahren das Glasfaser-Netz nutzen, ohne den St. Galler Stadtwerken etwas für die Nutzung bezahlen zu müssen. Lediglich an den jährlichen Wartungsarbeiten beteiligt sich Swisscom.

Swisscom betont, dass dieses Modell einen diskriminierungsfreien Zugang und Wettbewerb auf Technologie- und Service-Ebene ermöglichen soll. Dies tönt sich zwar auf den Powerpoint-Folien der Swisscom sehr gut, doch ich habe erhebliche Zweifel daran. Als erstes kostet das Glasfaser-Netz etwa 20 bis 60% mehr, weil wegen Swisscom vier statt nur einer Faser verlegt wird. Diese massiven Mehrkosten werden auf die Kunden überwälzt werden. Bei den St. Galler Stadtwerke haben erhebliche Kosten und können daher den Service-Providern nicht so günstig anbieten, wie sie es mit nur einer Faser machen könnten. Davon dürfte wiederum Swisscom profitieren, die ein starkes Interesse an hohen Preisen hat, um die längst abgeschriebenen Kupferleitungen nicht zu stark zu konkurrenzieren.

Ein weiterer Punkt ist, dass Swisscom traditionellerweise mehr als die Hälfte des Marktes beherrscht und daher günstigere Konditionen als die St. Galler Stadtwerke hat. Dies trifft zu, falls der Marktanteil von Swisscom im St. Galler Glasfaser-Netz höher ist, als die Kostenbeteiligung der Swisscom am Netz. Wenn Swisscom mehr Kunden hat, reduzieren sich die Kosten pro Anschluss und Swisscom bezahlt weniger pro benutzten Anschluss als die St. Galler Stadtwerke. Damit werden die St. Galler Stadtwerke und deren Kunden diskriminiert und subventionieren damit die Swisscom. Die Stadtwerke müssen den Service-Providern höhere Preise verrechnen und die Service-Provider müssen die höheren Konditionen wiederum an die Kunden weitergeben. Falls die Tarife so hoch sind, dass die Service-Provider so hohe Tarife verlangen, dass die Kunden nicht auf das Glasfasernetz wechselt, so könnten die Stadtwerke sogar Verlust machen und die St. Galler Einwohner müssten diese Verluste übernehmen.

Swisscom könnte zwar den Service Providern günstigere Tarife verrechnen, doch dies dürfte sie nicht tun. Denn Swisscom hat ein Interesse daran, dass die Kunden direkt bei Swisscom kaufen. Es ist richtig, dass Swisscom versucht, Kunden zu gewinnen. Doch es zeigt einmal mehr, dass es falsch ist, wenn Swisscom sowohl im Besitz des Netzes ist bzw. ein sehr langfristiges Nutzungsrecht hat. Das Ganze dürfte dazu führen, dass wir in Zukunft auch beim Glasfaser-Netz da sind, wo wir heute bei ADSL sind: Swisscom beherrscht den Markt und für Service-Provider ist ADSL ein Verlustgeschäft. Die Kunden bezahlen sehr hohe Tarife für Internet und erhalten eine sehr schlechte Leistung - auch im internationalen Vergleich.

In anderen Branchen, wo es ebenfalls eigene Netz-Infrastruktur braucht, ist es übrigens auch üblich, dass man nur einmal baut und den anderen Anbietern die Infrastruktur gegen Entgelt zur Verfügung stellt. Dies ist neben der Telekommunikation z.B. bei der Stromübertragung und beim Eisenbahnverkehr international üblich. Es käme niemand auf die Idee, 4 oder 8 Stromleitungen ins Haus zu ziehen, nur weil der Kunde die Auswahl aus mehreren Elektrizitätswerken hat (ich weiss, ist in der Schweiz noch Zukunftsmusik).

Ich glaube, die St. Galler werden die Zusammenarbeit mit Swisscom in Zukunft noch bereuen. Interessant ist auch, wie andere Städte mit Swisscom zusammenarbeiten werden, insbesondere die Elektrizitätswerke Zürich EWZ.

Was denken Sie zum Bau der Glasfaser-Netze durch Swisscom und die Zusammenarbeit zwischen Swisscom und den St. Galler Stadtwerken? Schreiben Sie einen Kommentar!

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte von comparis.ch

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