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Donnerstag, 30. Juni 2011

Aus für 20 Minuten-Handy

Im letzten Herbst lancierten 20 Minuten und Sunrise ein eigenes Mobilfunk-Angebot. Nun haben die beiden Partner entschieden, das Angebot einzustellen. „Grund ist die unter den Erwartungen liegende Geschäftsentwicklung“, teilten die beiden Unternehmen mit. Die bestehenden Kunden und Abos laufen zu den bisherigen Konditionen weiter.

In der Schweiz haben Swisscom, Orange sowie Sunrise eine Mobilfunkkonzession und betreiben ein schweizweites Handy-Netz. Auch andere Anbieter wollen Mobilfunk-Dienstleistungen anbieten und arbeiten mit einem der drei Netzbetreiber zusammen. Am häufigsten arbeiten die Partner so zusammen: Der Netzbetreiber erstellt ein Produkt, übernimmt Abrechnung und Kundendienst. Der externe Partner stellt seine eingespielte Marke – und bei Partnern aus dem Detailhandel das Verkaufsstellennetz – zur Verfügung. Die Einzelheiten der Deals sind nicht bekannt, doch in der Regel dürfte der Netzbetreiber dem Partner eine Provision bezahlen sowie einzelne Dienstleistungen abgelten. In der Schweiz haben die Netzbetreiber solche Partnerschaften mit den Einzelhändlern Migros, Coop, Aldi und Valora (Kiosk), mit dem Getränke-Konzern Red Bull, dem TV-Sender MTV und bisher auch mit der Gratis-Zeitung 20 Minuten. Bereits eingestellt wurden auch entsprechende Angebote von Mobilezone und Cablecom.

Ende 2009 (neuere Zahlen gibt es noch nicht) nutzen 4.9% aller Schweizer Mobilfunk-Kunden ein Handy-Angebot von M-Budget, 2.5% eines von Coop. Alle anderen Kooperations-Angebote kamen zusammen weniger als 0.4% Marktanteil. Migros und Coop sind meiner Meinung nach auch optimale Partner, da wohl jeder Schweizer regelmässig in deren Geschäfte einkaufen. Ausserdem ist M-Budget von Migros eine starke Marke, die Swisscom nutzen kann. Die einzige Alternative für Swisscom wäre gewesen, eine eigene Billigmarke aufzubauen. Denn unter der Hauptmarke „Swisscom“ hätte Swisscom kaum als Discounter auftreten können. Ausserdem wäre dies kostspielig gewesen und ausserdem risikoreich. Da ist die Zusammenarbeit zwischen Swisscom und Migros für beide Seiten interessanter. Die Zahlen bestätigen dies. Auch Coop und Orange ist eine sinnvolle Zusammenarbeit, mit der zusätzliche Kunden erreicht werden können.

Auch die Kunden haben vom Markteintritt von Migros, Coop und Aldi profitiert. Denn die Preise für Prepaid-Kunden kamen dadurch mehrfach ins Rutschen. Doch nun sind die Preise leider seit fast vier Jahren unverändert.

Grosse Fragezeichen setze ich jedoch bei anderen Partnerschaften: Weshalb sollte ein Energy-Drink-Hersteller wie Red Bull mit einem eigenen Handy-Angebot erfolgreich sein? Ich bin zwar kein Marketing-Fachmann, aber mir fehlt der Glaube, dass dies eine sinnvolle Kooperation ist. Weshalb soll jemand, der gerne Energy-Drinks trinkt, auch über diesen Anbieter telefonieren wollen? Dazu kommt, dass Red Bull – anders als die Detaillhändler – nicht über eigene Verkaufsstellen verfügt.

Eine ähnliche Situation gab es bei 20 Minuten Mobile: Weshalb soll jemand, der die Gratis-Zeitung gerne liest, auch mit 20 Minuten telefonieren? Die potentiellen Kunden konnten dies wohl auch nicht verstehen und die Erwartungen von 20 Minuten wurden nicht erfüllt.

Was denken Sie zu den Handy-Angeboten, die von Nicht-Netzbetreibern vermarktet werden?

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telecom-Experte von comparis.ch

Dienstag, 2. November 2010

Schweizer bezahlen 150 Millionen zuviel

Gestern hat die Gratis-Zeitung 20 Minuten darüber berichtet, dass die Schweizer jährlich 150 Millionen Franken Gebühren für den Kabelanschluss bezahlen, obwohl sie diesen gar nicht benutzen (Artikel ist auch online verfügbar).

Die meisten Kunden empfangen ihre TV-Programme über den Kabelanschluss z.B. von Cablecom oder einem regionalen Anbieter, aber inzwischen gibt es auch Alternativen. So steigt die Zahl der Kunden, die über ihren Festnetz-Anschluss von Swisscom fernsehen, rasant an. Inzwischen dürften bereits rund 400'000 Haushalte Swisscom-TV nutzen. Andere Alternativen sind der Empfang über Satellit oder – vor allem in Grenzregionen, im Wallis und im Graubünden – über DVB-T über eine normale Antenne. Und schliesslich gibt es noch die Personen, die keinen TV mehr haben und höchstens über Zattoo mal eine Sendung sehen.

Wer nicht über einen Zweitfernseher weiterhin über den Kabelanschluss Programme sehen möchte und ansonsten über eine alternative Technologie die TV-Programme empfängt, benötigt keinen Kabelanschluss mehr. Doch viele Kundinnen und Kunden wissen gar nicht, dass Sie weiterhin Monat für Monat eine Gebühr für den nicht mehr benutzten Kabelanschluss bezahlen. Denn als Mieter bezahlt man diese Gebühr (zwischen etwa 100 und 325 Franken im Jahr, je nach Anbieter) in der Regel mit der Nebenkosten-Abrechnung zusammen mit den Kosten für Warmwasser, Heizung und Lift. Ich habe bereits mehrfach darauf aufmerksam gemacht.

Man kann es nicht oft genug sagen: Wenn man den Kabelnetz-Anschluss nicht mehr benötigt, dann kann man diesen kündigen und muss diese Gebühr in Zukunft nicht mehr bezahlen.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telecom-Experte von comparis.ch

Mittwoch, 2. September 2009

Sunrise: Surf-Option gleich für alle?

Interessantes heute in der Gratiszeitung 20 Minuten. Sunrise migriert Handy-Kunden automatisch auf die Surf-Option und verschickt dieses SMS:
Mobiles Internet kann je nach Nutzung hohe Kosten verursachen. Nun nicht mehr! Wir haben für Sie die Sparoption Sunrise surf aktiviert. Testen Sie diese 1 Monat lang kostenlos. Danach gibt's Sunrise surf mit 250 MB für nur CHF 7.50/Monat, jedes weitere MB für CHF 0.10 (in der Schweiz). Abmeldung mit SURF STOP an 5522.
Kritisiert wird im 20 Minuten-Artikel, dass der Kunde automatisch auf dieses Angebot migriert wird und er sich selbst abmelden muss, falls er diese Option nicht möchte. Für die Stiftung für Konsumentenschutz SKS ist dies eine typische Masche, schreibt 20 Minuten weiter.

Ich habe zuerst gedacht, dass da viel Aufsehen um nichts gemacht wird und ein Skandal hochgebauscht wird, der eigentlich gar keiner ist. Es gibt viele Kunden, die surfen eher selten im Internet, erhalten aber trotzdem für das Surfen im Internet eine Rechnung von 20 bis 80 Franken. Für diese Kunden ist dies ein interessantes Angebot, statt 20 bis 80 Franken bezahlen sie nur noch 7.50 Franken im Monat. Der Versand an Kunden, die meist mehr als 1.5 Megabyte pro Monat übertragen haben, finde ich eine gute Sache. Diese Kunden können viel Geld sparen und es ist für den Kunden sicher interessant, wenn Sunrise automatisch auf den günstigeren Tarif umstellt. Eventuell hätte man die Umstellung noch genauer erklären müssen. Ich finde, man muss unbedingt mehr Transparenz schaffen und dem Kunden individuell ausrechnen, wieviel er in der Vergangenheit für Datenverkehr bezahlt hat.

Ein wichtiger Punkt ist, welche Kunden automatisch auf die "Sunrise Surf"-Option migriert worden sind. Ich habe also mal bei Sunrise nach den Kriterien gefragt. Doch Sunrise schweigt und will sich dazu nicht genauer äussern. Sunrise will weder die Kriterien bekannt geben, noch sagen, ob Kunden, die regelmässig für weniger als 7.50 Franken pro Monat im Internet surfen, die SMS ebenfalls erhalten haben.

Gleichzeitig sagt Sunrise, dass nur Kunden diese SMS erhalten haben sollen, die durch die Option profitieren. Eine solche Aussage ist äusserst seltsam und lässt bei mir alle Alarmglocken klingeln: Denn entweder haben nur Kunden diese SMS erhalten, die durch die Option profitieren und dann haben diese Kunden pro Monat mehr als 7.50 Franken für das Mobile Internet ausgegeben. Oder aber auch Kunden, die für weniger als 7.50 Franken im Monat im Internet gesurft haben, haben diese SMS erhalten, würden dann aber nicht von der Option profitieren.

Ich kann diese dilettantische Kommunikationspolitik von Sunrise schlicht nicht nachvollziehen und bin überzeugt, dass Sunrise hier etwas verstecken will. Denn hier hätte Sunrise die Möglichkeit gehabt, auch gegenüber den Medien (also 20 Minuten) und SKS gekonnt zu kontern. Mit einem Argument "Wir haben Kunden angeschrieben, die mehr als 20 Franken pro Monat fürs Surfen ausgegeben haben. Der Kunde bezahlt in Zukunft nur noch 7.50 Franken statt mehr als 20 Franken. Wer aber freiwillig mehr bezahlen möchte, kann sich natürlich gerne wieder abmelden." Mit einer solchen Kommunikation hätte man die Kritik im Keim ersticken können. Wie gesagt, kenne ich die Kriterien nicht und damit ist auch die Grenze von 20 Franken willkürlich als Beispiel genannt. Hätte ich die Kriterien für das Mailing bestimmt, so hätte ich die Grenze um die 20 Franken pro Monat festgelegt.

Gerade aufgrund der Tatsache, dass Sunrise nicht gekontert hat, ist für mich ein klares Indiz, dass Sunrise tatsächlich versucht, einfach mal vielen Kunden diese Surf-Option anzudrehen, egal ob sie von der Surf-Option profitieren oder nicht. 7.50 Franken pro Monat sind schliesslich ein interessanter Zusatzverdienst. Auch im Forum von 20 Minuten melden sich Kunden, die sagen, dass Sie nie im Internet surfen und trotzdem diese SMS erhalten haben. Es kann also sein, dass etwas nicht stimmt bei Sunrise. Wer hat die SMS auch erhalten, obwohl er fast nie im Internet surft. Dann bitte melden!

Grundsätzlich ist eine solche Option eine gute Sache. Auch die automatisch Migration finde ich nicht schlecht, wenn der Kunde klar davon profitieren kann. Doch Sunrise scheint einmal mehr Probleme mit der Kommunikation mit dem Kunden zu haben. Ebenfalls erwähnen möchte ich, dass Handy-Funktionen wie Landkarten natürlich auch Daten übertragen können. Oftmals weiss dies der Kunde jedoch nicht.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte von comparis.ch

Dienstag, 30. Juni 2009

Club der unzufriedenen Cablecom-Kunden

20 Minuten berichtete darüber, dass Tessiner Cablecom Opfer nun den Club "Associazione Vittime Cablecom" gründen (Beitrag ist online abrufbar).
Wie in der ganzen Schweiz treiben fehlende TV-Kanäle und schlechter Kundendienst bei Cablecom auch im Tessin die Kunden an den Rand der Verzweiflung. Viele fühlen sich alleine im Kampf gegen den Telekomanbieter völlig machtlos. Deshalb haben in Lugano-Paradiso Cablecom-Opfer den Verein «Associazione Vittime Cablecom» gegründet.
Als Cablecom würde ich mir Gedanken machen, wie lange man die Anliegen der Kunden noch so konsequent ignorieren kann...... (vielleicht braucht es dazu noch etwas mehr Wettbewerb und mehr Kunden, die von Cablecom wegwechseln, bis in der Chefetage der Cablecom an die Kunden denkt).

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte von comparis.ch

Donnerstag, 25. Juni 2009

Sunrise: Swisscom verteilt Dumping-Geschenke

Am Montag erschien in der Gratis-Zeitung 20 Minuten ein Artikel unter dem Titel "Sunrise wirft Swisscom Dumping-Geschenke vor" (Artikel online abrufbar). Sunrise nervt sicht gemäss 20 Minuten darüber, dass Swisscom abgesprungenen Kunden Gesprächsminuten im Wert von 3600 Franken schenkt. Sunrise überprüft zudem eine Klage wegen Preisdumping.

Es ist unbestritten, dass der Wettbewerb im Schweizer Telekom-Markt zu wenig spielt und Swisscom von sehr guten Rahmenbedingungen profitiert. Bei diesem von Sunrise kritisierten Werbemailing sehe ich jedoch das Problem nicht. Swisscom macht ein Werbemailing - wie dies auch andere Anbieter regelmässig machen - und will abgesprungene Kunden, die seit 12 Monaten nicht mehr mit Swisscom telefonieren zurückgewinnen.

Konkret kann der Kunde aus folgenden Prämien auswählen:
  • 10'000 Superpunkte von Coop
  • ein bestimmtes Festnetz-Telefon
  • ein Sony Ericsson-Einsteiger-Handy mit Natel easy-Prepaid-Angebot
  • während einem Jahr abends nach 17.00 Uhr und am Wochenende kostenlos innerhalb des Festnetzes telefonieren
Die ersten drei Prämien haben einen offiziellen Wert zwischen etwa 80 und 150 Franken. Mich reissen diese Prämien nicht vom Hocker. Ich habe bereits einen riesigen Berg für mich wertloser und nicht brauchbarer Coop-Superpunkte. Ich bin weder an diesem Lifestyle-Staubfänger-Telefon noch an einem Einsteiger-Handy mit überteuerter Prepaid-Karte interessiert.

Gestört hat sich Sunrise vor allem an den Gratis-Telefonaten. Ich finde die Reaktion von Sunrise jedoch massiv übertrieben. Denn um mit den Gratis-Gesprächen auf die im Artikel erwähnten 3'600 Franken im Jahr zu kommen, muss der Kunde pro Monat rund 100 Stunden telefonieren. Die wenigsten Kunden dürften so viel telefonieren. Und wer tatsächlich soviel telefoniert, kann bei Swisscom wie auch bei Sunrise ein Kombi-Produkt mit ADSL telefonieren und unbegrenzt innerhalb des Schweizer Festnetzes telefonieren. Inklusive aller notwendigen Grundgebühren kostet dies weniger als 100 Franken pro Monat.

Stossender könnte sein, dass gemäss Sunrise gezielt Tele2-Kunden (Sunrise hat vor kurzem ja Tele2 übernommen) angeschrieben haben soll. Swisscom sagt hingegen, dass es entgegen den Behauptungen von Sunrise keine Beschränkung auf Tele2 Kunden gab und dies rechtlich obendrein nicht zulässig wäre.

Ich persönlich bin der Meinung, dass es sich um ein legitimes Angebot von Swisscom handelt, mit dem Swisscom versucht, Kunden zurück zu gewinnen. Ich persönlich würde mich von einem solchen Angebot nicht angesprochen fühlen, weil 1. der Rabatt lächerlich gering ist, 2. die Preise der Swisscom zu hoch sind, 3. der in meiner Wohnung erhältlich Swisscom-ADSL-Anschluss zu langsam und 4. ich beim Wechsel zu Swisscom nicht mal meine Telefonnummer behalten könnte. Ausserdem habe ich schlechte Erfahrungen mit dem Kundendienst von Swisscom gemacht. Ich habe - als ehemaliger Swisscom-Kunde - dieses Angebot nicht erhalten. Vielleicht, weil ich kein Tele2-Kunde gewesen bin? Wir werden es wohl nie erfahren?

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte von comparis.ch

Montag, 20. April 2009

Schweizer Handy-Tarife massiv ueberteuert

Für 20 Minuten habe ich vor kurzem einen Tarifvergleich erstellt. In Österreich bietet der Mobilfunk-Anbieter Orange "Team Orange 25" an. Für 25 Euro pro Monat kann während 1000 Minuten in alle österreichischen Netze telefoniert werden. Für weitere 10 Euro pro Monat gibt es 1000 SMS und für 5 Euro sind 100 Megabyte Datenvolumen inklusive. Für 40 Euro pro Monat - das sind etwas über 60 Franken pro Monat - gibt es ein attraktives Paket, das für die meisten Kunden absolut ausreichen düfte. Für 20 Minuten habe ich berechnet, wieviel ein vergleichbares Produkt in der Schweiz kostet.

Die Unterschiede sind massiv und zeigen, dass die Schweizer massiv draufzahlen. Sunrise verrechnet für die 1000 Minuten, die 1000 SMS und allerdings 250 MB Datenvolumen 249.85 Franken pro Monat. Das ist viermal mehr als Orange in Österreich.

Orange Schweiz verrechnet mit dem "Maxima"-Abo 379.30 Franken pro Monat und Swisscom ist nochmals teurer: Ganze 458.60 Franken pro Monat verlangt Swisscom mit Natel Pro Liberty. Mehr als siebenmal so viel wie Orange in Österreich. Für den Preisvergleich wurde übrigens das jeweils günstigste Angebot von Swisscom, Sunrise und Orange in der Schweiz berücksichtigt.

Orange begründete gegenüber 20 Minuten, weshalb Orange Schweiz so teuer ist. Verwirrender kann die Aussage nicht sein:
Orange-Pressesprecherin Therese Wenger betonte, dass «im Gegensatz zu den Nachbar- und EU-Ländern Orange in der Schweiz bei der Erbringung ihrer Dienstleistungen höhere Kosten entstehen, zum Beispiel durch komplexes, föderatives Baurechtsverfahren beim Netzausbau, zehnfach strengere Grenzwerte bei Mobilfunkanlagen, Anforderungen an die Netzqualität, die Topografie, massiv stärker vergünstigte Mobiltelefone und nicht den Marktanteilen entsprechende Asymmetrie der Terminierungsgebühren.» Berücksichtigt man die unterschiedlichen Voraussetzungen, würden also die Schweizer Mobilfunktarife im europäischen Durchschnitt liegen. Alles klar?
Obwohl ich mich tagtäglich mit Mobilfunk-Tarifen beschäftige, habe ich ehrlich Mühe, diese Antwort zu verstehen. Das es in den Gemeinden unterschiedliche Bauverordnungen gibt, dürfte wohl kaum zu diesen massiven Unterschieden führen. Auch Österreich hat Berge und da fragt man sich, wie sehr sich die Topografie von Österreich mit denjenigen der Schweiz unterscheidet. Vergünstigte Handys gibt es auch in Österreich. Im Gegensatz zur Schweiz sind die Terminierungsgebühren in Österreich reguliert und die Anbieter können keine Fantasiepreise wie in der Schweiz verrechnen. Auch die höheren Grenzwerte dürfte nicht zu so massiv höheren Preisen führen. Denn an vielen Orten braucht es mehr Antennen, weil einfach sehr viele Kunden inzwischen mit dem Handy kommunizieren und dafür entsprechende Kapazitäten notwendig sind.

Und auch Swisscom kommt zu Wort:
«In Österreich ist der Markt sehr anders strukturiert als bei uns. Bei unseren Nachbarn sind eine recht hohe Ausprägung des Mobilfunkmarktes mit hohen Bandbreiten und zum Teil sehr günstigen Preisen zu sehen. In der Schweiz hingegen legen die Konsumenten ein sehr hohes Gewicht auf schnelle ADSL-Anbindungen und eine mobile Breitband-Ergänzung via HSPA.»
Der Markt ist anders strukturiert und die Kunden profitieren vom Wettbewerb. Die Anbieter wiederum müssen attraktive Angebote auf den Markt bringen, um neue Kunden zu gewinnen und bestehende Kunden zu halten. Was schnelle ADSL-Anbindungen mit den Mobilfunk-Tarifen zu tun hat, ist eine andere Frage und für mich nicht nachvollziehbar. Aber auch bei ADSL ist Österreich massiv günstiger, wie ein von mir erstellter Vergleich für den Kassensturz vor kurzem gezeigt hat.

Interessant übrigens auch die Kommentare auf 20 Minuten online:
Hier werden Tatsachen offensichtlich völlig verfälscht.Wäre Swisscom wirklich 7x teurer als Orange Austria bzw. 2x teurer als Sunrise, wären dann 70% der Schweizer Mobilteilnehmer bei Swisscom?
Die Höhe der Tarife hat grundsätzlich nichts mit dem Marktanteil zu tun. Erst wenn die Kunden aufgrund des Preises den Anbieter wechseln würde, würde Druck auf den Anbieter kommen und die Preise sinken.
Im Ausland ist z.B. ADSL billiger, dafür kommt der Speed bei vielen Anbietern kaum über 10-20% von dem was beworben wird. Bei uns in der CH sieht das schon besser aus.
In der Schweiz surft weniger als jeder zweiter Kunde mit der versprochenden Geschwindigkeit. Und auch in der Schweiz gibt es viele Kunden, die surfen nur noch mit 600 KBit/s im Internet, das sind 12% der üblichen 5000 KBit/s.
Solange ich innerhalb der Swisscom telefoniere, sind die Preise okay. Wenn ich aber Kollegen anrufe, die bei Sunrise oder Orange, wirds schnell verdammt teuer.
Ja, das ist in Österreich anders. Für die 25 Euro kann ich 1000 Minuten in alle österreichischen Netze telefonieren. Die Strategie von Swisscom ist klar: Man will damit möglichst viele Kunden bei sich behalten, weil die Kunden wissen, dass die Kollegen ansonsten mehr für das Telefonieren bezahlen müssen.
aber wie kommen die bei sunrise auf 249.85.. Flat max 75.-( sunrise Mobile und CH-Festnetz unlimitiert. // Message option Fr.19/1000sms und 250MB sind sowieso schon inklusive im flat max.. also macht das total fr 94.-
Weil die Kunden nicht nur auf Sunrise-Handys und ins Festnetz anrufen und diese zusätzlichen Minuten schön ins Geld gehen. Natürlich ist die 19 Franken-Option für 1000 SMS berücksichtigt.
Die Telcos erfinden absichtlich lustige Abos, um direkte Vergleiche zu verunmöglichen. Dass wir aber im besten Fall vier Mal so viel wie die Österreicher bezahlen müssen, geht auf keine Kuhhaut, das ist doch Abzocke pur.
Volle Zustimmung. Mit komplexen und schwerverständlichen Tarifen wollen die Anbieter die Kunden verwirren, so dass diese weiterhin viel zu viel bezahlen.
in der schweiz gibt es doch auch tonnenweise 7.- abos mit 1000sms etc.... wurden diese berücksichtigt?
Bitte melden. Mir ist kein Abo bekannt, wo ich für 7 Franken 1000 SMS versenden kann? Tipps sind herzlich willkommen.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte von comparis.ch

Montag, 30. März 2009

Achtung Offenes WLAN

20 Minuten hat vor kurzem einen interessanten Service-Artikel unter dem Titel "Die Gefahr lauert im WLAN" veröffentlicht (Artikel online verfügbar).

Der Artikel enthält zwar nichts neues, aber vielen Nutzern sind die Gefahren eines offenen WLAN-Zugangs nicht bewusst.

Der Artikel beginnt mit folgendem Satz:

WLAN-Besitzer, die ihren Hotspot nicht mit einem Passwort schützen, dürfen sich nicht wundern, wenn plötzlich die Polizei im Haus steht und die Bude auf den Kopf stellt.
Der Einstieg ist zwar plakativ, aber durchaus denkbar. Denn es ist anzunehmen, dass für kriminelle Tätigkeiten im Internet eher ein offener, anonymer Internet-Zugang benutzt wird als der Internet-Zugang zu Hause oder am Arbeitsplatz. Denn anhand von IP-Adressen sind diese Aktivitäten in der Regel einfach rückverfolgbar.

20 Minuten hat den bekannten Informatik-Rechtsexperte David Rosenthal befragt. Nach seiner Aussage ist die Nutzung von fremden WLAN-Hotspots in der Schweiz zulässig, sofern keine Zugangssperre überwunden worden ist. Auch der Berner Rechtsanwalt Max Berger schrieb in seiner juristischen Fachpublikation, dass das Surfen auf fremden ungesicherten Drahtlosnetzwerken nicht sanktioniert werden kann.

David Rosenthal erklärte gegenüber 20 Minuten, dass der Anbieter eines offenen WLAN-Netzes theoretisch strafrechtlich belangt werden könne, falls das WLAN-Netzwerk für kriminelle Aktivitäten missbraucht worden und ausserdem ein fahrlässiges Verhalten des Netzbesitzers vorliege. Dies dürfte allerdings in der Praxis eher selten der Fall sein, räumt David Rosenthal ein.

Um Ärger zu vermeiden, kann es sicherlich nicht schaden, das WLAN abzusichern oder den Computer über Ethernet-Kabel ans Internet anzuschliessen.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte von comparis.ch

Montag, 16. Februar 2009

Problem: Handy im Zug

Viele Pendler wissen längst, dass Telefonieren mit dem Handy im Zug mühsam sein kann. Ständig unterbricht die Verbindung. Kein Wunder, dass die Pendlerzeitung 20 Minuten das Thema vor kurzem online aufgegriffen hat (Artikel ist online verfügbar).

Swisscom argumentiert, dass die Funkverbindung auf den viel befahrenen Strecken lückenlos seien, aber nicht genügend Kapazitäten zur Verfügung stünden. Als weiterer Grund für die Probleme wird angegeben, dass durch moderne Handys wie dem iPhone das Datenvolumen massiv noch oben geschnellt ist. Es stellt sich bei mir allerdings die Frage, weshalb Swisscom die Kapazitäten der Antennen nicht erhöht. Für das iPhone könnte man auch WLAN-Antennen im Zug einbauen und die Internet-Verbindungen damit über eine andere Infrastruktur abdecken.

Ein Punkt, der im Artikel nicht angesprochen worden ist, aber demnoch auch wesentlich ist: Bei jeder neuen Verbindung wird erneut der Stundentarif von 70 Rappen neu verrechnet. Statt 70 Rappen kann damit ein Gespräch schnell mal 3 Franken kosten. Hier sollte Swisscom nur ein Gespräch verrechnen, wenn aus technischen Gründen die Verbindung ständig unterbrochen wird.

20 Minuten rät, im Zug vorne zu sitzen. Dieser Tipp ist sicherlich nicht schlecht, da es vorne in der Regel auch meistens mehr freie Plätze hat. Doch wenn die 1. Klasse vorne ist, dürfte man als 2. Klasse-Passagier nicht einfach dort Platz nehmen. Dieser Tipp ist also nicht ganz alltagstauglich.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte www.comparis.ch

Donnerstag, 3. Juli 2008

iPhone: Lieferengpass oder nicht?

Am Dienstag veröffentlichte Swisscom die Konditionen für das iPhone (siehe Blogbeitrag).

Die Gratis-Zeitung .ch berichtet in ihrer heutigen Printausgabe, dass es zu einem Lieferengpass bei den iPhones kommen wird. Basis für diese Aussage ist die Absage des geplannten iPhone-Mitternachtsverkaufs durch Dataquest. Dave Gleixner, Filialleiter von Dataquest (beim Bahnhofplatz) sagt gemäss .ch aufgeregt: «Was wir bekommen, wird die Nachfrage nie und nimmer decken».

20 Minuten schreibt, dass es zu einem Lieferengpass kommen wird. Gleichzeitig wird ein anonymer Informant zitiert, dass Swisscom und Orange zusammen 25'000 iPhones erhalten haben.

Diese beiden Informationen passen so nicht zusammen. Wenn denn die Information stimmen sollte, dass Swisscom und Orange zusammen 25'000 iPhones erhalten haben, dann ist ein Lieferengpass unwahrscheinlich. Das iPhone ist zwar ein tolles und unkonventionelles Gerät, aber der Hype ums iPhone wird meiner Meinung nach überschätzt. Wenn innerhalb einiger Minuten, Tage oder Stunden wirklich 25'000 iPhone verkauft werden können, wäre dies ein sensationeller Erfolg.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
www.comparis.ch

Donnerstag, 24. April 2008

Strassenlampe über SMS einschalten

In der Gratis-Zeitung 20 Minuten gab es einen interessanten Artikel: In Adliswil soll man in Zukunft nachts die Strassenlampen über ein SMS einschalten lassen. Nach dem Versand einer SMS mit dem Strassennamen soll die Strassenlampe während 15 Minuten leuchten. Dies ist zumindest der Vorschlag eines Gemeinderates.

Dieses Beispiel zeigt, dass mit SMS vielseitige Dienstleistungen denkbar sind.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
www.comparis.ch

Mittwoch, 19. März 2008

Wohl kein Handy-TV zur Euro Fussball-EM

Wie 20 Minuten berichtet, haben Elektrosmog-Betroffene mit Einsprachen erreicht, dass Swisscom wichtige für den Aufbau von Handy-TV notwendige Antennen nicht bauen kann. Konkret hat die IG Gigaherz eine Einsprache gegen die Handy-TV-Antennen (DVB-H) von Swisscom auf dem Uetliberg bei Zürich und Ulmizberg bei Bern erhoben. Die Gerichte haben entschieden, dass die aufschiebene Wirkung entzogen worden ist. Das bedeutet, dass wohl erst nach einem Bundesgerichts-Urteil gebaut werden darf. Und ein solches Verfahren kann jahrelang dauern.

20 Minuten schreibt aber auch, dass es Swisscom unter Umständen gelingen könnte, den Baustopp aufzuheben.

Wie es also aussieht, wird es wohl nichts mit Handy-TV zur Fussball-EM. Allerdings ist DVB-T - das bereits sendet - eine attraktivere Technologie und es sind auch bereits erste Handy angekündigt, die DVB-T empfangen können. Für die Mobilfunkanbieter ist DVB-T natürlich weniger interessant, da die Programme unverschlüsselt ausgestrahlt werden und die Anbieter dadurch von den Kunden nichts verlangen können. Jetzt muss man nur noch DVB-T ausbauen und neben den paar SRG-Sendern einige weitere Programme aufschalten.

Übrigens scheint Handy-TV bei den Kunden kein Thema zu sein. Bei einer nicht repräsentativen Umfrage von 20 Minuten Online sagten 91% der antwortenden, dass sie den Service nicht nutzen werden.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
www.comparis.ch