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Mittwoch, 19. Januar 2011

Plötzlich kostet der Gratis-Anruf ins Festnetz

Swisscom läutet einen neuen Trend ein: Anrufe auf Festnetz-Anschlüsse, die bei anderen Anbietern geschaltet sind, werden zu horrenden Tarifen verrechnet. Bereits beim Vivo Casa ist dies der Fall. Und nun auch noch bei den neuen Jugend-Angeboten, die verglichen mit den bisherigen Angeboten für Jugendliche klar schlechter geworden sind.

Und wenn Swisscom auf Twitter schreibt
Bei Anrufen in fremde Netze entstehen Swisscom höhere Kosten, als bei Anrufen ins eigene. Deshalb unterscheiden sich die Tarife
ist dies schlichtweg gelogen – Ja, ich verwende absichtlich dieses heftige Wort.

Bei einem Anruf auf Sunrise- und Cablecom-Festnetzanschlüsse muss Swisscom ungefähr einen Rappen an Sunrise bzw. Cablecom bezahlen. Erstens sind die Selbstkosten für Anrufe auf das Swisscom-Mobilfunknetz wesentlich höher (wenn auch die genauen Zahlen geheim sind). Zweitens entstehen Swisscom für das Weiterleiten (terminieren) von Anrufen ins Festnetz von Swisscom ebenfalls Kosten, die aufgrund der regulierten Preise ebenfalls rund 1 Rappen pro Minute betragen. Das heisst, dass Swisscom keine höheren Kosten hat für Anrufe auf Sunrise- und Cablecom-Handys.

Wenn Swisscom wirklich den Kunden mehr verrechnen will für Dienstleistungen, die im Einkauf mehr kosten, dann müsste Swisscom konsequenterweise für Anrufe ins Festnetz (egal bei welchem Anbieter) am wenigsten verrechnen. Gespräche auf Swisscom-Handys müssten erheblich teurer sein und Anrufe auf Sunrise- und Orange-Handys nochmals teurer sein. Doch aus strategischen Gründen sind Anrufe auf Swisscom-Handys und ins Festnetz seit mehr als einem Jahrzehnt für Swisscom-Kunden gleich teuer.

Es geht um reine Strategie, die eigentlich die Wettbewerbskommission Weko auf den Plan rufen sollte. Denn damit will Swisscom verhindern, dass noch mehr Kunden von Swisscom wegwechseln (und bereits jetzt wechselt ja fast niemand von Swisscom weg). Auch wenn ich es nicht verstehen kann: Ich höre immer wieder, dass man bestimmt nicht von Swisscom weg will, weil Kollegen sonst mehr bezahlen müssen, wenn sie anrufen.

Das neue Angebot ist sehr schnell gekommen. Ich vermute, dass dies nur ein Testballon ist und Swisscom diese Anpassung auch anderen Preisplänen vornehmen möchte. Die Zeit hat diesmal nicht einmal mehr gereicht, einen Piepston einzurichten für Anrufe auf fremde Festnetz-Nummern. Es dürfte einige böse Überraschungen geben, wenn man plötzlich für die beworbenen Gratis-Anrufe ins Festnetz bezahlen muss.

Ich bin zwar grundsätzlich eher gegen eine übermässige Regulierung, doch hier müsste man eingreifen. Es ist eine Frechheit, wenn Swisscom mit Verbindungen zu Mitbewerbern viel höhere Margen hat als bei Verbindungen ins Swisscom-Netz. Der Preisunterschied zwischen Verbindungen ins Swisscom-Netz und in die Netze der Mitbewerber dürfte konsequenterweise nicht höher sein, als die Interkonnektionsgebühren für diese Verbindungen.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telecom-Experte von comparis.ch

Donnerstag, 9. Juli 2009

Amtlich: Teure Handy-Tarife

Gestern hat das Bundesamt für Kommunikation BAKOM das traditionelle Hintergrund-Mediengespräch in Biel durchgeführt. Ein Thema war auch ein internationaler Preisvergleich für Telekom-Dienstleistungen. Das Resultat: Mobilfunk ist in der Schweiz massiv teurer als der Durchschnitt der EU-Länder, beim Festnetz ist die Schweiz etwa gleich teuer (Inlandsgespräche) beziehungsweise massiv günstiger (Auslandsgespräche) der EU-Länder.

Ich werde in den nächsten Tagen noch etwas genauer auf den Vergleich eingehen.

Von verschiedenen Medien wurde ich nach den Gründen für die teuren Schweizer Handy-Tarife gefragt. Ein Interview erschien auf Newsnetz/Tages-Anzeiger Online (online abrufbar) und auch dem Radiosender DRS4 News gab ich ein Interview. Meiner Meinung nach sind die Tarife in der Schweiz auch so hoch, weil die Kunden zu wenig den Anbieter wechseln. Die alternativen Anbieter könnten die Preise noch mehr senken, da sie damit jedoch kaum neue Kunden gewinnen würden, würde sich eine Preissenkung jedoch nicht rechnen.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte von comparis.ch

Sonntag, 17. Mai 2009

Tagi: Schlechter Cablecom-Kundendienst ist Absicht

Der Tages-Anzeiger hat am 14. Mai 2009 einen Artikel unter dem Titel "Cablecom: Keine Besserung in Sicht" veröffentlicht. Der gleiche Artikel ist unter dem Titel "Warum der Cablecom-Service nicht besser wird" auch online verfügbar.

Der Tagi glaubt, dass Cablecom ein grosses Potential gehabt hätte, eine zweite Swisscom zu werden. Die Cablecom hat ein eigenes Netz, arbeitet sehr profitabel und wurde bisher nicht stattlich reguliert. Doch stattdessen - so moniert der Tages-Anzeiger - sei die Cablecom heute das wohl unbeliebteste Unternehmen der Schweiz und spiele nur noch eine Nebenrolle auf den Schweizer Telecom-Markt. Das Unternehmen verspielte fahrlässig jegliche Sympathien und nicht mal als Arbeitgeber sei sie noch attraktiv, weil niemand an jeder Party neue Klagen seiner Mitmenschen anhören möchte.

Dann allerdings der Hammer, der Tagi schreibt wörtlich:
Hinter dem miserablen Kundendienst steckt allerdings nicht etwa Unvermögen oder Pech, sondern Absicht.
Keiner der zahlreichen Cablecom-Besitzer in den letzten zehn Jahre soll eine Vision für die Cablecom gehabt haben. Es soll niemand bereit gewesen sein, auch nur einen einzigen Franken in den Kundendienst zu investieren. Im Bereich Fernsehen hatte Cablecom ein Monopol. Die Cablecom war eine Milchkuh, die die Besitzer melken konnte. Damit die Cablecom weiterhin viel Geld an den Mutterkonzern Liberty Global abliefern kann, werden Mitarbeiter abgebaut und die Preise erhöht. Inzwischen soll auch Cablecom-intern ein Strategie-Wechsel gefordert werden: Weg vom kurzfristigen Melken zu einer langfristigen Strategie.

Hier noch das Schlussfazit im Tages-Anzeiger-Artikel:
Für die Schweizer Kunden bedeutet das, dass sich der Kundendienst auf absehbare Zeit nicht verbessert. Und für die Cablecom bedeutet das, dass sie weiterhin an Bedeutung verliert.
Ich persönlich kann dieser Analyse ohne Einschränkungen voll zustimmen. Der Cablecom ist der Kunde völlig egal. Nach der neuesten Preiserhöhung der Cablecom ist ein Wechsel zu Swisscom durchaus - auch kostenmässig - sinnvoll: Swisscom und Cablecom sind für das Telefonieren und für Internet gleich teuer, für das TV-Angebot ist die Swisscom sogar günstiger als die Cablecom und bietet erst noch ein grösseres Angebot an.

Es ist an den Kunden, der Cablecom und ihrer Muttergesellschaft Liberty Global die rote Karte zu zeigen und den Anschluss zu kündigen und plompieren zu lassen. Wer unzufrieden ist mit dem Kundendienst und den Dienstleistungen und reagiert, bezahlt keine Gebühren mehr an die Cablecom. Dies ist wohl die einzige Sprache, die die Cablecom versteht. Wenn die Kunden in Scharen die Cablecom verlassen sollten und dies zu gewaltigen Reduktionen des Umsatzes führen wird, wird dies - früher oder später - auch im europäischen Hauptsitz in Amsterdam zur Kenntnis genommen werden müssen.

Konkurrent Sunrise ist zwar günstiger als Cablecom und Swisscom, kann aber kein TV-Angebot anbieten. Am günstigsten ist, für Internet und Telefonie zu Sunrise zu wechseln und eine Satellitenschüssel für den TV-Empfang zu installieren.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte von comparis.ch

Mittwoch, 2. Juli 2008

Swisscom, das iPhone und Logik von Produktenamen

Dass Telecom-Anbieter - wie auch Handy-Hersteller und Fernseh-Verkäufer - gerne wenig bis gar nicht verständliche Produktebezeichnungen verwenden, ist nichts neues. Die neuen Produktbezeichnungen von Swisscom ergeben mir keinen Sinn.

Früher hiessen die Abos einfach Natel, ergänzt mit einem meist sinnvollen Begriff:
Natel Easy
Natel Swiss
Natel International
Natel Private
Natel Business
Natel Budget

Das Telefonieren mit Natel easy (Prepaid) war ganz einfach, einfach SIM-Karte kaufen und ins Handy einlegen. Der Name macht also Sinn. Mit Natel Swiss konnten die Kunden zuerst nur innerhalb der Schweiz telefonieren, mit Natel International auch im Ausland. Diese Bezeichnungen machten also bis etwa 1999 Sinn. Private sprach Privatpersonen an, da das Telefonieren tagsüber massiv teurer war als das Telefonieren am Wochenende. Macht also auch Sinn. Die Annahme von Swisscom, dass Geschäftsleute mehr telefonieren und daher eher eine höhere Grundgebühr bezahlen und im Gegenzug kleinere Minutentarife erhalten, macht ebenfalls noch Sinn. Natel Budget macht weniger Sinn, die Grundgebühr war zum Zeitpunkt der Lancierung zwar 30 bis 40% niedriger als bei anderen Abos, aber die Gesamtkosten für Gelegenheits- und Vieltelefonierer sind alles andere als niedrig.

2005 ging Swisscom dann in die Offensive und legte die Liberty-Produkte mit Stundentarif auf. Die Produktenamen wurden bereits länger und machten nicht immer Sinn.
Natel Swiss Liberty
Natel Basic Liberty
Natel Easy Liberty

Zuerst Natel, dann eine Ergänzung und am Schluss Liberty als Kennzeichnung für den Stundentarif. Das war die Logik hinter den neuen Bezeichnungen. Bei Basic und Easy macht die Bezeichnung Sinn. Aber warum wählte man Swiss im Namen von Natel Swiss Liberty? Übrigens Jahre, nachdem die Natel Swiss-Kunden längstens auch international telefonieren können.

Dann kommen die Jugendangebote und zwischen der Ergänzung und Liberty wurde noch ein Xtra gequetscht:
Natel Swiss Xtra-Liberty
Natel Basic Xtra-Liberty
Natel Easy Xtra-Liberty


Dann kamen einige Produktmanager auf die Idee, eine Flatrate (zumindest für Anrufe ins Festnetz und auf Swisscom-Handys) einzuführen und haben noch ein Plus hinter die Bezeichnung gesetzt:
Natel Swiss Xtra-Liberty Plus

Die neuen iPhone-Preispläne (die übrigens auch Kunden ohne iPhone nutzen können) haben nun überhaupt keine Logik mehr. So heisst das Prepaid-Produkt:
Natel Easy Liberty Uno

Hinter der Bezeichnung des bestehenden Produkts wurde nun die Zahl eins auf italienisch - uno - eingefügt. Warum die Zahl eins? Meine Spekulation: Mit Uno will man auf den Tarif von einen Franken für ein Megabyte aufmerksam machen. Der zweite und dritte Begriff der Produktbezeichnung ist englisch, der vierte Begriff dann allerdings italienisch. Macht meiner Meinung nach wenig Sinn.

Bei den iPhone-Abos hat man die bisherige Logik über den Haufen geworfen. Bisher war zuerst Natel, dann eine Bezeichnung, dann Liberty und dann manchmal noch eine weitere Bezeichnung. Nun kommt zuerst Natel, dann Liberty und dann eine weitere Bezeichnung.
Natel Liberty Piccolo
Natel Liberty Mezzo
Natel Liberty Grande

Die Produkte orientieren sich an den normalen Liberty-Preisplänen, dies wird jedoch aus dem Namen nicht ersichtlich. Warum hätte man nicht auf ein iphone und ein iphone plus am Namen anfügen können. Piccolo, Mezzo und Grande beziehen sich hier wahrscheinlich auf das Datenvolumen. Wie Swisscom dies kommunizieren will, ist mir unklar.

Ich persönlich finde das Ganze verwirrend.

Liebe Grüsse




Ralf Beyeler
www.comparis.ch

Sonntag, 27. April 2008

Wenn Flatrate keine Flatrates sind - Oder der Irrsinn der Flatrates

Im April 2008 sind Internet-Flatrates ein grosses Thema in den deutschen Medien (z.B. auf Welt Online, in der TAZ, auf heise online, in der FAZ) . Zahlreiche Anbieter haben Kunden, die wirklich ohne Einschränkungen telefonieren, aus dem Vertrag geworfen.

Die Anbieter werben mit "unlimitiert telefonieren" oder "Telefonieren zum monatlichen Pauschalpreis". Mit solchen Sprüchen kann man Kunden gut gewinnen und zu einem Wechsel überreden. Nutzen die Kunden dann den beworbenen Service intensiv, so versucht der Anbieter, die Kunden wieder loszuwerden. Sofort heisst es, der Kunde missbrauche den Service.

Wenn nun jemand z.B. 50 Stunden im Monat mit der Familie im Ausland telefoniert, handelt es sich um einen Missbrauch. Bei den 50 Stunden handelt es sich übrigens nur um 8 Prozent der zur Verfügung stehenden Zeit. Der Kunde müsste also noch zwölfmal mehr telefonieren, um wirklich unlimitiert zu telefonieren.

Der ganze Marketing-Gag mit Flatrates ist eine grosse Frechheit. Wenn man eine Flatrate bucht, dann sollte man auch soviel telefonieren können wie man möchte. Ansonsten hat man keine Flatrate: Dann sollte der Anbieter auch nicht mehr mit einer Flatrate werben dürfen. Statt "unlimitiert telefonieren" heisst es dann eben "50 Stunden-Ins-Ausland telefonieren"-Paket. Dies wäre dann nur ehrlich und die Kunden wüssten, was sie wirklich kaufen.

Bereits im Januar habe ich zu den Flatrates eine Erklärung geschrieben, die ich an dieser Stelle wiederhole: Doch wer will überhaupt eine Flatrate? Die Flatrate ist vor allem für Kunden interessant, die bisher mehr bezahlt haben als die Kosten der Flatrate. Willkürlich angenommen eine Gesprächs-Flatrate kostet 100 Franken pro Monat. Wer bisher 500 Franken, 300 Franken, 120 Franken pro Monat ausgegeben hat, findet dies ein tolles Angebot. Aber was ist mit den vielen Kunden, die bisher 10, 20 oder 40 Franken ausgegeben haben. Für diese Kunden - und diese sind in der Mehrzahl - ist eine solche Flatrate uninteressant. Die Vieltelefonierer, die von der Flatrate wirklich profitieren, führen zu einer gewaltigen Reduktion des Umsatzes und auch des Gewinnes der Anbieter. Dazu kommt, dass die Gebühren, die Swisscom von den Alternativ-Anbietern verlangt, sich nicht ändern.

Das Anbieten einer solchen Flatrate kann nicht aufgehen und dann werden Klauseln eingeführt. Und wie die Erfahrungen im Ausland zeigen, gilt die Flatrate dann nur noch, wenn man z.B. 300 Minuten (das sind winzige 5 Stunden pro Monat) telefoniert. Aber dabei handelt es sich dann um keine Flatrate mehr.

Noch schwieriger wird die Ganze Situation, wenn man sich heute mal eine Festnetz-Rechnung ansieht. Das wirklich teure sind nicht die Anrufe innerhalb des Festnetzes, sondern Anrufe auf Handynetze. Also wäre es sinnvoll, auch Anrufe auf Handynetze in die Flatrate zu integrieren. Solange Swisscom, Orange und Sunrise weiterhin 20 bis 25 Rappen pro Minute von Festnetz-Anbietern verlangen, ist dies jedoch nicht wahrscheinlich und schlichtweg nicht bezahlbar.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
www.comparis.ch