Montag, 13. Dezember 2010
Nur 60 Glasfaser-Kunden!
Das Interessante aus meiner Sicht ist, dass Orange nur 60 Kunden für ihr Glasfaser-Angebot gewinnen konnte. Zwar ist ein Glasfaseranschluss erst bei relativ wenigen Haushalten überhaupt verfügbar, doch dass Orange nur so wenige Kunden gewonnen hat, erstaunt trotzdem. Da Orange von den Kunden einzig als Mobilfunk-Anbieter wahrgenommen wird, ist es allerdings auch nicht erstaunlich.
Wie die sda schreibt, ist die GGA Maur der erfolgreichste Anbieter auf dem Stadtzürcher Glasfasernetz, allerdings ohne Angabe der Kundenzahl.
Es zeigt jedoch auch, dass die Kunden eigentlich noch gar keine Glasfaseranschlüsse benötigen. Die Kunden lassen sich noch nicht von den Vorteilen eines Glasfaseranschlusses überzeugen. Die meisten Kunden wollen wohl auch bei Swisscom bleiben und so lange es halt noch kein Glasfaserangebot von Swisscom gibt (in den Haushalten, in denen ein ewz-Glasfaser liegt, ist das Swisscom-Angebot noch nicht verfügbar) wird man eben nicht auf das Glasfasernetz wechseln.
Wer bei Cablecom ist, bleibt noch bei Cablecom (und solange alles funktioniert, gibt es auch keinen Grund zum Wechseln. Erst wenn die Dienstleistung längere Zeit nicht mehr funktioniert oder es administrative Probleme gibt, dürften sich viele Kunden einen Wechsel überlegen). Wer beim dritten grossen Anbieter Sunrise ist, bezahlt wesentlich weniger als bei Swisscom oder Cablecom und wird sich ein Wechsel auf ein teureres Glasfaserangebot gut überlegen.
Die Glasfaser-Angebote auf dem ewz-Netz sind übrigens etwa gleich teuer wie die meisten heutigen Privatkunden-Angebote (auf dem Kupfer- und Koaxnetz) von Swisscom und Cablecom.
Doch obwohl die Kunden derzeit noch wenig Interesse an der neuen Technologie haben, ist es wichtig, dass man weiterhin investiert und weitere Glasfaser verlegt. Denn bereits in wenigen Jahren wird die Bandbreite nicht mehr ausreichen. Vor zehn Jahren war ADSL und Kabelinternet noch ein Fremdwort und ausser einigen Freaks konnte mit diesem Begriff niemand was anfangen. Man wählte sich stattdessen mit 40 bis 64 KBit/s ins Internet ein. Das häufigste Geschwindigkeit, mit der man sich heute ins Internet einwählt, beträgt 5'000 Kbit/s. Das ist rund 100mal mehr als vor zehn Jahren. Vor zehn Jahren hat man nicht glauben können, dass man nun 100mal schneller surft. Ob wir in 10 Jahren auch wieder 100mal schneller surfen, kann ich nicht einschätzen. Es ist jedoch sehr sicher, dass viele Kunden einen wesentlich schnelleren Internet-Anschluss wollen. Deshalb müssen wir jetzt in Glasfaserleitungen investieren.
Liebe Grüsse
Ralf Beyeler
Telekom-Experte von comparis.ch
Sonntag, 14. November 2010
Vergleich der Glasfaser-Angebote
Donnerstag, 20. Mai 2010
Bodenmann kritisiert Vier-Faser-Modell
Umso überraschender ist für mich, dass sich die Swisscom-Tochtergesellschaft Fastweb in Italien für ein Ein-Faser-Modell stark macht. Zusammen mit Wind und Vodafone will die Swisscom-Tochter 2.5 Milliarden Euro investieren und dann das Netz diskriminierungsfrei allen Anbietern zur Verfügung stellen.
Der frühere Parteipräsident der schweizerischen SP, Ex-Nationalrat und Ex-Staatsrat Peter Bodenmann nimmt das Thema in seiner Kolumne in der Weltwoche vom 11. Mai 2010 auf (teilweise online verfügbar).
So schreibt Peter Bodenmann unter anderem:
In der Schweiz will die Swisscom allen Regionen ihr – sowohl im Bau wie im Unterhalt – unsinnig teures Vierfaser-Modell aufs Auge drücken.
Die Parteien – allen voran die Sozialdemokraten samt deren Unterabteilung Konsumentenschutz – lassen sich von einem Heer von Lobbyisten an der Nase herumführen. Statt eines schnellen, kostengünstigen Glasfasernetzes wird absehbar eine zu teure Infrastruktur zu langsam nur in städtischen Zentren errichtet.Ich kann dem nichts mehr hinzufügen. Swisscom geht es mit dem unsinnigen Vier-Faser-Modell darum, das Monopol aus der Kuperkabelzeit in die Glasfaser-Zeit zu retten und die Konkurrenz zu behindern. Es wäre an der Politik, endlich zu erkennen, dass ein attraktives Glasfasernetz für die Zukunft des Wirtschaftsstandort Schweiz äusserst wichtig ist. Dementsprechend sollte man dafür sorgen, dass ein fairer Wettbewerb möglich sein wird. Stattdessen lässt man sich von Swisscom einseifen und lässt die Stromkunden das Glasfasernetz der Swisscom quer subventionieren.
Liebe Grüsse
Ralf Beyeler
Telekom-Experte von comparis.ch
Mittwoch, 3. Februar 2010
EWZ und Swisscom einigen sich
In Zürich soll ein Glasfaser-Netz mit vier Fasern gebaut werden. Eine Faser davon nutzt das EWZ, die diese Faser diskriminierungsfrei Telekom-Anbietern zur Verfügung stellen wird. Eine weitere Faser nutzt die Swisscom. Das ganze Netz soll 420 Millionen Franken kosten. Nicht bekannt ist die Aufteilung dieser Kosten zwischen Swisscom und dem EWZ. Aufgrund von Äusserungen kann jedoch davon ausgegangen werden, dass Swisscom mehr als die Hälfte bezahlen wird. Das Zürcher Stimmvolk wird über das Vierfaser-Glasfaser-Netz abstimmen können.
Ich finde es sehr schade, dass sich hier Swisscom durchsetzen konnte. Denn ein faires Einfaser-Modell mit nicht diskriminierenden Zugang für alle Provider wäre die wesentlich bessere Lösung gewesen. Das Vierfaser-Modell verursacht wesentlich höhere Kosten – je nach Quelle zwischen 10 und 50% mehr – und diese höheren Kosten wird sich auf den Preis auswirken, denn am Schluss die Endkunden bezahlen müssen. Es ist klar, dass Swisscom ein starkes Interesse hat, mit dem längst abgeschriebenen Kupfernetz weiterhin viel Geld zu verdienen. Deshalb möchte Swisscom das Glasfaser-Netz möglichst unattraktiv machen. Das Vierfaser ist ein schlauer Schachzug von Swisscom, der dazu führen wird, dass die Mitbewerber nicht so attraktive Angebote machen werden. Ich verstehe nicht, weshalb sich Swisscom mit diesem schwachsinnigen Modell durchsetzen konnte. Weshalb sieht niemand die Strategie der Swisscom?
Wenn man Swisscom und EWZ glaubt, sollen die Stadtzürcher Einwohner der grosse Gewinner sein. Ich glaube nicht daran, der Kunde dürfte auch in Zukunft in der Schweiz wesentlich mehr für den Internet-Zugang bezahlen als in anderen europäischen Ländern und dabei wie bisher erst noch eine unterdurchschnittlich schlechte Leistung erhalten. Und Swisscom ist der ganz grosse Sieger und kann weiterhin massiv überhöhte Preise verlangen und damit sehr gut verdienen – die Marge von Swisscom ist überdurchschnittlich hoch.
An der Medienkonferenz machte Swisscom-Chef Carsten Schloter die Aussage, dass man erwartet, dass die Kunden bereit sind, 15% mehr als bisher für den Glasfaser-Anschluss zu bezahlen. Ich weiss nicht, ob die Kunden dazu wirklich bereit sind. Doch ich bezweifle dies stark.
Ich befürchte sehr, dass die Swisscom das EWZ über den Tisch gezogen hat. Wichtig ist, dass das EWZ nicht die Swisscom subventionieren wird. Immerhin hat das Stimmvolk das letzte Wort. Dies wird dazu führen müssen, dass noch einige Daten zum Deal bekannt gegeben werden. Denn das Volk wird kaum über eine Vorlage abstimmen können, ohne genauere Infos. In einem Punkt konnte sich das EWZ durchsetzen: In Zukunft übernimmt der Netzbetreiber die Kosten für die Verkabelung innerhalb des Hauses. Swisscom wollte dies auf die Hauseigentümer abwälzen – ich vermute, um die Verbreitung von Glasfaser-Leitungen zu behindern. Heute hat Swisscom gar bekannt gegeben, dass man dieses Modell in der ganzen Schweiz anwenden möchte.
Es ist schade, dass wieder niemand an die Kunden denkt. Mit dem Vierfaser-Modell können wir wahrscheinlich attraktive Angebote für die nächsten 30 Jahre komplett abschreiben.
Liebe Grüsse
Ralf Beyeler
Telekom-Experte von comparis.ch
Sonntag, 22. November 2009
Wer soll Glasfasernetz bezahlen?
Bereits der erste Satz des Artikels lässt aufhorchen:
Schweizer Kunden müssten bereit sein, für Glasfaser-Telekomleistungen rund 60 Prozent mehr zu bezahlen als heute.Dazu kann ich nur sagen: Keine Chance. Die meisten Kunden sind nicht bereit, mehr als die heutigen Preise zu akzeptieren. Ein paar wenige Kunden haben bereits heute schnellere Geschwindigkeiten und sind bereit, ein paar Franken mehr im Monat zu bezahlen. Auch ich gehöre dazu, doch ich habe mir ein preisgünstiges Angebot ausgewählt und bezahle trotz der fast dreimal so schnellen Geschwindigkeit weniger als die meisten anderen Kunden. Man muss sich bewusst sein, dass es ein paar wenige Freaks betrifft, die einen schnelleren Internet-Zugang wollen.
Ich bin fest davon überzeugt, dass Kunden nicht bereit sein, für den Glasfaseranschluss einen Aufpreis zu bezahlen.
Nur dann werden sich die Investitionen in die teure neue Telekom-Infrastruktur jemals rechnen.Dies ist eine sehr mutige Aussage, denn niemand weiss, wie sich die Kunden in fünf bis zehn Jahren verhalten werden. Genauso weiss man nicht, wie teuer der Ausbau der Glasfasernetze in einigen Jahren sein wird. Man kann davon ausgehen, dass die Kosten für den Ausbau durch moderne Technologien niedriger werden.
Die Aussagen im Handelszeitung-Artikel beziehen sich auf eine Studie der Beratungsfirma Bain, die im Auftrag der Cablecom-Muttergesellschaft Liberty Global erstellt worden ist. Die Studie berücksichtigt die Situation in Westeuropa inklusive der Schweiz.
Die Studie warnt davor, das Thema «Breitband-Zugang» insbesondere von politischer Seite derart zu forcieren, dass an den effektiven Kundenbedürfnissen und betriebswirtschaftlichen Break-even-Überlegungen vorbeigeplant werde.Das Problem ist, dass heute niemand weiss, wie das Kundenbedürfniss in fünf oder zehn Jahren aussehen wird. Dies ist angesichts der Lebensdauer von mindestens 30 Jahren für eine Glasfaser auch nicht möglich. Man kann nur aufgrund der Erfahrungen der Vergangenheit abschätzen, wie sich der Markt entwickeln könnte.
Vor zehn Jahren surften die meisten Kunden mit 40 bis 64 Kbit/s durch das Internet, heute sind 5'000 Kbit/s weit verbreitet. Hätte mir vor zehn Jahren jemand gesagt, dass man heute etwa hundert mal schneller surft, hätte ich ihn glatt ausgelacht. Ich habe nicht erwartet, dass heute alle so schnell surfen. Niemand kann sagen, ob in zehn Jahren 100 Mbit/s – das wären 20mal mehr als heute – für die meisten Kunden völlig ausreichen. Oder ob es hundert mal mehr – also 500 Mbit/s – sein werden.
Die Anbieter gehen ein unternehmerisches Risiko ein. Ich denke, dass Swisscom wie auch die Energiewerke, die in Glasfaseranschlüsse investieren, sich über das Risiko bewusst sind. Als das Mobilfunk-Netz vor Jahren aufgebaut worden ist, wusste auch niemand, ob sich das Ganze jemals rechnen wird. Heute werden mit der Handynutzung Milliardengewinne gemacht. Oder das Beispiel SMS: Als SMS eingeführt worden ist, konnte sich niemand vorstellen, dass die Kunden eines Tages so viele SMS versenden werden. Auch die Energiewerke sind sich langfristige Entscheidungen gewohnt: Der Bau von Kraftwerken ist nicht billig und niemand kann sagen, ob der Strom des Kraftwerkes auch in 30 Jahre noch gebraucht wird oder ob es bis dann längst eine günstigere Möglichkeit gibt.
Was wäre die Alternative zum unternehmerischen Risiko: Swisscom will auch in Zukunft Telekom-Dienstleistungen anbieten und muss rechtzeitig die Infrastruktur ausbauen. Ansonsten läuft Swisscom Gefahr, dass sie Kunden an Konkurrenten verlieren werden. Und dies will Swisscom verhindern und investiert deshalb in Glasfasernetze.
Interessant sind die Schlussfolgerungen allemal. Konkret rechnen die Bain-Spezialisten vor, dass sich die hohen Investitionen in die neue Infrastrukturgeneration innert nützlicher Frist kaum einspielen lassen. Selbst wenn die Nachfrage nach Glasfasern auf 100% steigen würde, müssten die Preise für die Kunden um rund 60% in die Höhe gehen, damit sich die Glasfaserinvestitionen innerhalb von fünf Jahren bezahlt machen.Ich finde diese Aussagen höchst unseriös. Kein Unternehmen, dass in Glasfaser investiert, wird damit rechnen, dass die Investitionen bereits nach fünf Jahren abbezahlt sind. Hätte man vor 20, 50 oder 80 Jahren beim Verlegen von Kupferleitungen auch damit gerechnet, dass die Investitionen innert fünf Jahren amortisiert wären, würden wir heute noch mit Rauchzeichen kommunizieren. Man hätte nie Telefonleitungen verlegen dürfen. Als die Telefonleitungen vor Jahrzehnten verlegt worden sind, hat sich niemand vorstellen können, welche Übertragungsleistungen diese Kabel im Jahr 2009 erbringen werden.
Ich persönlich halte eher 15 oder 20 Jahre für eine nützliche Frist, um die Investitionen amortisieren zu können. Immerhin wird das heute verlegte Glasfaserkabel mindestens 30 Jahre funktionieren, wahrscheinlich noch viel länger. Ich gehe davon aus, dass in 5, 10, 15 oder 20 Jahren die Leistungen des normalen Telefonkabel wie auch das Kabel-TV-Kabel für alle Kunden zu wenig leistungsfähig ist. Nicht abschätzen kann ich, wann wir soweit sind, dass die Kapazitäten der heutigen Kabel nicht mehr ausreichen.
Swisscom-Sprecher Sepp Huber erklärt: «Kunden sind nur bereit mehr zu bezahlen, wenn über Glasfasern auch mehr Leistung, zusätzliche Angebote oder mehr Komfort offeriert wird. Bezieht der Kunde die gleiche Leistung statt auf Kupfer via Glasfaser, so bleibt auch der Preis gleich.»Ich gehe sogar noch weiter. Die Mehrheit der Kunden ist nicht bereit, mehr als die rund 75 Franken (ADSL und Festnetz-Anschluss zusammen) pro Monat zu bezahlen, die heute üblich sind. Der Anteil der Kunden, die diesen Preis zu hoch finden, nimmt zudem zu. Es sind zwar erst vergleichsweise wenige Kunden, doch Sunrise konnte bereits über 100'000 Kunden gewinnen, die für ihren Festnetz- und Internet-Anschluss nur 30 bis 59 Franken pro Monat bezahlen. Und ich glaube nicht, dass diese Kunden bereit sind, mehr für den Anschluss zu bezahlen.
Wie viel Kunden dereinst wirklich zahlen müssen, ist also noch völlig offen - wohl über 100 Fr. pro Monat.Mit solchen Preisen werden Glasfaseranschlüsse ein Nischenmarkt bleiben. Ich gehe davon aus, dass etwa das heutige Preisniveau erreicht wird. Eher unwahrscheinlich dürfte sein, dass die Preise massiv darunter liegen werden.
«Die nächsten fünf Jahre brauchen Privatkunden allerhöchstens Bandbreiten von rund 100 MBit/s», prognostiziert Schädler (Bain). Um diese Bandbreite zu erreichen, würden die Koaxialkabel der Kabelnetzbetreiber reichen. Für eine Mehrheit der Kunden reichten gar 50 MBit/s, sagt Schädler (siehe Grafik). «Und das ist mit den bisherigen Kupferkabeln machbar.»Solange nur ganz wenige Kunden mit so hohen Geschwindigkeiten durchs Internet surfen, reichen die Koaxialkabel der Kabelnetzbetreiber tatsächlich völlig aus. Doch sobald solche Geschwindigkeiten für die meisten Kunden üblich sind, reicht die Kapazität der Kabelnetzbetreiber nirgends hin. Die heutigen Kupferkabel sind bereits heute am Anschlag: Bereits heute surfen rund die Hälfte aller Kunden mit einem 5000er-Internet-Zugang der Swisscom (und anderer Anbieter bei Angeboten, die auf dem Wiederverkaufsangebot (BBCS) der Swisscom basieren), die über die veraltete ADSL-Technologie angeschlossen sind, nicht mit der bezahlten Geschwindigkeit. Mit VDSL können heute etwa 80% der Haushalte mit einer Geschwindigkeit von 8 Mbit/s erreicht werden. Mit ADSL2+ dürften auch etwa drei Viertel aller erschlossenen Haushalte eine Geschwindigkeit von rund 8 Mbit/s erreichen. Die 50 Mbit/s dürften nur erreicht, wenn die Kupferleitung sehr kurz ist. Mit ist eine solche Aussage rätselhaft.
Ich glaube, dass diese Studie nur erstellt worden ist, damit die Kabelnetzbetreiber gegen die Glasfasernetze Stimmung machen können. Für die nächsten zwei bis fünf Jahren dürften die Kabelnetzbetreiber am meisten profitieren, wenn es zu Verzögerungen beim Ausbau der Glasfasernetze kommen würde. Doch dies wäre für den Wettbewerb sehr schlecht.
Liebe Grüsse
Ralf Beyeler
Telekom-Experte von comparis.ch
Montag, 14. September 2009
Glasfasernetze: Swisscom und Elektrizitätswerke
Die Zusammenarbeit zwischen Swisscom und dem Elektrizitätswerk der Gemeinde Pfyn dürfte eher eine Alibi-Übung sein, mit der Swisscom die anderen Elektrizitätswerke unter Druck setzen möchte. Mir sagt zwar der Pfynwald im Wallis etwas (immerhin habe ich viele Jahre im Wallis gelebt), aber von der Thurgauer Gemeinde Pfyn habe ich bisher – ehrlich gesagt – noch nie etwas gehört. Ich habe mich mal auf der Website der Gemeinde schlau gemacht und so erfahren, dass die Gemeine gerade mal 1'850 Einwohner zählt. Immerhin kann Swisscom Erfahrungen beim Bau eines Glasfasernetzes in eher ländlichen Regionen sammeln.
In Lausanne ist es übrigens nur eine kleine Einigung: Die Service industriels de Lausanne und Swisscom arbeiten in einem Pilotprojekt zusammen und schliessen insgesamt 3'000 Haushalte an. Erst später soll entschieden werden, wie die Zusammenarbeit weitergehen soll. Ein schlauer Schachzug vom Lausanner Anbieter, der auch Strom, Gas, Fernwärme und Kabel-TV anbietet: Die Lausanner haben noch Zeit zum Verhandeln. Man wird sehen, ob es dann eine Einigung zum Ausbau der übrigen Haushalte geben wird.
Eine echte Einigung wurde hingegen in St. Gallen erzielt: Swisscom und die St. Galler Stadtwerke bauen gemeinsam ein Kabelnetz auf. Swisscom bezahlt den Stadtwerken einen nicht genannten Betrag an die Investitionen und hat im Gegenzug das Nutzungsrecht für 2 der 4 verlegten Fasern für die Dauer von 30 Jahren mit der Option auf eine Verlängerung. Swisscom investiert einmalig einen hohen Betrag - es dürfte etwas mehr als die Hälfte der Investitionen sein - und kann dann während 30 Jahren das Glasfaser-Netz nutzen, ohne den St. Galler Stadtwerken etwas für die Nutzung bezahlen zu müssen. Lediglich an den jährlichen Wartungsarbeiten beteiligt sich Swisscom.
Swisscom betont, dass dieses Modell einen diskriminierungsfreien Zugang und Wettbewerb auf Technologie- und Service-Ebene ermöglichen soll. Dies tönt sich zwar auf den Powerpoint-Folien der Swisscom sehr gut, doch ich habe erhebliche Zweifel daran. Als erstes kostet das Glasfaser-Netz etwa 20 bis 60% mehr, weil wegen Swisscom vier statt nur einer Faser verlegt wird. Diese massiven Mehrkosten werden auf die Kunden überwälzt werden. Bei den St. Galler Stadtwerke haben erhebliche Kosten und können daher den Service-Providern nicht so günstig anbieten, wie sie es mit nur einer Faser machen könnten. Davon dürfte wiederum Swisscom profitieren, die ein starkes Interesse an hohen Preisen hat, um die längst abgeschriebenen Kupferleitungen nicht zu stark zu konkurrenzieren.
Ein weiterer Punkt ist, dass Swisscom traditionellerweise mehr als die Hälfte des Marktes beherrscht und daher günstigere Konditionen als die St. Galler Stadtwerke hat. Dies trifft zu, falls der Marktanteil von Swisscom im St. Galler Glasfaser-Netz höher ist, als die Kostenbeteiligung der Swisscom am Netz. Wenn Swisscom mehr Kunden hat, reduzieren sich die Kosten pro Anschluss und Swisscom bezahlt weniger pro benutzten Anschluss als die St. Galler Stadtwerke. Damit werden die St. Galler Stadtwerke und deren Kunden diskriminiert und subventionieren damit die Swisscom. Die Stadtwerke müssen den Service-Providern höhere Preise verrechnen und die Service-Provider müssen die höheren Konditionen wiederum an die Kunden weitergeben. Falls die Tarife so hoch sind, dass die Service-Provider so hohe Tarife verlangen, dass die Kunden nicht auf das Glasfasernetz wechselt, so könnten die Stadtwerke sogar Verlust machen und die St. Galler Einwohner müssten diese Verluste übernehmen.
Swisscom könnte zwar den Service Providern günstigere Tarife verrechnen, doch dies dürfte sie nicht tun. Denn Swisscom hat ein Interesse daran, dass die Kunden direkt bei Swisscom kaufen. Es ist richtig, dass Swisscom versucht, Kunden zu gewinnen. Doch es zeigt einmal mehr, dass es falsch ist, wenn Swisscom sowohl im Besitz des Netzes ist bzw. ein sehr langfristiges Nutzungsrecht hat. Das Ganze dürfte dazu führen, dass wir in Zukunft auch beim Glasfaser-Netz da sind, wo wir heute bei ADSL sind: Swisscom beherrscht den Markt und für Service-Provider ist ADSL ein Verlustgeschäft. Die Kunden bezahlen sehr hohe Tarife für Internet und erhalten eine sehr schlechte Leistung - auch im internationalen Vergleich.
In anderen Branchen, wo es ebenfalls eigene Netz-Infrastruktur braucht, ist es übrigens auch üblich, dass man nur einmal baut und den anderen Anbietern die Infrastruktur gegen Entgelt zur Verfügung stellt. Dies ist neben der Telekommunikation z.B. bei der Stromübertragung und beim Eisenbahnverkehr international üblich. Es käme niemand auf die Idee, 4 oder 8 Stromleitungen ins Haus zu ziehen, nur weil der Kunde die Auswahl aus mehreren Elektrizitätswerken hat (ich weiss, ist in der Schweiz noch Zukunftsmusik).
Ich glaube, die St. Galler werden die Zusammenarbeit mit Swisscom in Zukunft noch bereuen. Interessant ist auch, wie andere Städte mit Swisscom zusammenarbeiten werden, insbesondere die Elektrizitätswerke Zürich EWZ.
Was denken Sie zum Bau der Glasfaser-Netze durch Swisscom und die Zusammenarbeit zwischen Swisscom und den St. Galler Stadtwerken? Schreiben Sie einen Kommentar!
Liebe Grüsse
Ralf Beyeler
Telekom-Experte von comparis.ch
Mittwoch, 22. Juli 2009
Einigung zwischen Swisscom und ewz?
Die Handelzeitung schrieb:
Die Swisscom gibt auch in Sachen Glasfasern den Takt vor. [...] Nach Informationen der «Handelszeitung» lenkt nun das EWZ ein. «Die Parteien sind sich einig, dass mehrere Fasern verlegt werden», sagt ein Gewährsmann. Bei den weiteren Verhandlungen gehe es noch um finanzielle und technische Details. Tatsächlich werden im Pilotprojekt im Stadtzürcher Enge-Quartier vom EWZ bereits mehrere Fasern gebaut. Eine der Fasern ist exklusiv für die Swisscom reserviert.
Klar ist auch, dass Swisscom versucht, massiv Druck aufzubauen. Doch es fällt auch auf, dass Swisscom im Glasfaser-Bereich nicht wirklich vorwärts kommt. Dies liegt auch im Interesse von Swisscom, die grundsätzlich gar kein Interesse an schnellen Glasfaser-Leitungen hat. Im Gegenteil: Schnelle Glasfaserverbindungen sind eine Gefahr für die lukrativen Gewinne aus dem Geschäft mit vor Jahrzehnten verlegten Kupferleitungen. Dies dürfte auch der einzige Grund sein, weshalb sich Swisscom - zumindest nach aussen - um ein Glasfaser-Netz bemüht, seit die Elektrizitätswerke Glasfaser-Netze bauen.
Ich gehe davon aus, dass noch überhaupt nichts klar ist im Zürcher EWZ-Netz. Alles andere wäre eine grosse Überraschung. Swisscom hat zwar mit der Freiburger Groupe-E (und dem Kanton Freiburg) und der Basler IWB eine Vereinbarung abgeschlossen. Doch die Details zu diesen Vereinbarungen sind noch nicht bekannt und es ist sehr wahrscheinlich, dass die Verhandlungen länger dauern als ursprünglich geplant. Es würde mich nicht überraschen, wenn diese Verhandlungen auch noch scheitern werden, denn über die kommerzielle Konditionen dürfte man sich bisher noch nicht geeinigt haben.
Ich halte eine Open-Access-Lösung für sehr wichtig: Alle Anbieter sollten zu den gleichen Konditionen Zugang zum Glasfaser-Netz erhalten. Und der Besitzer des Glasfaser-Netzes soll die Dienstleistungen nicht auch noch direkt an Endkunden anbieten (wie dies Swisscom macht). Nur so kann echter Wettbewerb entstehen und der Kunde von echt innovativen und kostengünstigen Dienstleistungen profitieren. Wenn ein Unternehmen unbedingt eine exklusive Faser will, dann soll sie diese erhalten können, die Zusatzkosten jedoch auch direkt beim Baubeginn bezahlen. Wichtig ist dann jedoch, dass die Swisscom dann auch die gleichen Gebühren an den Netzbesitzer bezahlt wie auch Alternativ-Anbieter wie Sunrise oder Orange.
Es dürfte in der nächsten Zeit noch spannend werden und es würde mich alles andere als überraschen, wenn Swisscom mit ihrer Strategie in nächster Zeit sogar Schiffbruch erleiden würde.
Liebe Grüsse
Ralf Beyeler
Telekom-Experte www.comparis.ch
Donnerstag, 9. Juli 2009
Cablecom ohne Glasfaser
Die Handelszeitung schreibt nämlich:
Der Satz birgt Zündstoff: «Cablecom wird bezüglich des Netzausbaus nicht mit den Elektrizitätswerken zusammenarbeiten.» Gesagt hat ihn Hans-Peter Nehmer, Kommunikationschef von Cablecom. Und er ergänzt selbstbewusst: «Wir verfügen nicht nur heute über das beste Netz, sondern auch im Jahre 2012 und darüber hinaus.»Nun, es ist nichts neues, dass Cablecom weiterhin auf das veraltete Kabelnetz setzt. Zwar hat man vor kurzem die Netzkapazität an einigen Orten ausgebaut.
Nun muss die Glasfasertechnologie in der Schweiz vorerst auf Cablecom verzichten. Die Kabelnetzbetreiberin baut vielmehr dieses und nächstes Jahr ihr eigenes Netz auf das sogenannte «Docsis 3» aus. Im Spätherbst lanciert sie «Fiber Power»-Dienste wie ultraschnelles Internet, HDTV, Video on demand und Fernsehen auf Abruf. Damit werden Bandbreiten von über 100 Mbit erreicht - was gemäss Cablecom selbst für Spitzennutzer die nächsten vier Jahre ausreichen wird.Die Frage ist, ob die 100 MBit/s in der Praxis auch wirklich erreicht werden. Ich hatte vor einem Jahr selbst mal auf das aktuell schnellste Produkt mit 25 MBit/s gewechselt und erhielt weniger als ein Drittel der bezahlten Leistung. Zahlreiche weitere Cablecom-Kunden surfen massiv zu langsam. Ich frage mich, wie Cablecom 100 MBit/s erreichen will, wenn Cablecom nicht mal in der Lage ist, 25 MBit/s durch die Leitungen zu bringen. Docsis 3 nutzt das Netz effizienter, demnoch ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass viele Kunden nicht die volle Geschwindigkeit erhalten werden.
«Unsere Breitbandkapazität bezieht sich dezidiert auf alle Internetdienste, da Fernsehen mit all seinen hochauflösenden Kanälen bei uns separat gesendet wird.» Daher könne man die Geschwindigkeiten, die das Cablecom-Netz erreiche, nicht eins zu eins mit den neuen Glasfasernetzen vergleichen. Dort würden alle Dienste gemeinsam übermittelt.Der Vergleich hinkt allerding gewaltig: Denn Cablecom muss zwingend alle TV-Programme übertragen, während bei Glasfasernetzen nur die Programme übertragen werden müssen, die der Kunde gerade sieht. Für den Kunden spielt folglich die unterschiedliche Technologie keine Rolle. Übrigens: Für "Catch-Up-TV" - also das zeitversetzte Ansehen von TV-Programmen, das Cablecom bald anbieten will - kommt die gleiche Technologie zum Einsatz wie bei den Glasfaser-Netzen. Die TV-Programme werden sowohl bei Cablecom wie bei Glasfasernetzen unabhängig vom Internet-Zugang übertragen. Denn die benötigte Bandbreite läuft ausserhalb des vom Kunden bezahlten Internet-Zugangs.
Eine Kooperation der Cablecom mit den EW komme auch aus grundsätzlichen Überlegungen nicht in Frage, so Nehmer. [...] Sollten in einigen Jahren dennoch Glasfaserlösungen nötig sein, werde Cablecom diese selbst realisieren.Ich denke nicht, dass die Cablecom ein Glasfasernetz bis in die Haushalte selbst realisieren wird. Im Artikel hiess es auch, dass der Ausbau des bestehenden Netzes mit rund 245 Franken pro Anschluss nur ein Zehntel eines Glasfaser-Anschlusses kostet. Die Strategie von UPC - der Muttergesellschaft von Cablecom - dürfte es sein, solange wie möglich noch möglichst viel Geld zu verdienen und nichts zu investieren. Denn das Netz von Cablecom ist heute viel zu leistungsschwach verglichen mit den leistungsfähigen Glasfasernetzen.
Liebe Grüsse
Ralf Beyeler
Telekom-Experte von comparis.ch
Montag, 18. Mai 2009
Professor Silvio Borner gegen Mehrfaser-Glasfaser-Modell
Gegenüber der Basler Zeitung BaZ erklärte Professor Silvio Borner:
«Besser ist es, die IWB baut das Netz alleine und bietet es nachher allen Anbietern an. So bleiben die Kosten in den städtischen Agglomerationen tiefer.»Ich bin gleicher Meinung wie Professor Silvio Borner. In der Konsequenz hiesse dies, dass Swisscom auf das umstrittene - und meiner Meinung nach komplett überflüssige - Mehrfaser-Modell verzichten muss. Eine Faser in alle Haushalte statt vier Fasern in alle Haushalte muss genügen. Die Swisscom kann dann wie auch alle anderen Anbieter bei der IWB zu diskriminierungsfreien und fairen Bedingungen einkaufen und es würde endlich mal ein fairer Wettbewerb herrschen, wenn wohl vorerst nur in Basel.
«Für das Emmental reichen die bestehenden Kupferkabel noch lange.»Mit dieser Aussage habe ich jedoch Mühe. Denn in den Randregionen erhalten viele Kunden immer noch Internet-Zugänge mit einer Geschwindigkeit von nur 600 KBit/s und auch die Mobilfunk-Netze sind meistens nur lausig ausgebaut und zu wenig leistungsfähig für schnelles Internet. Hier macht eine Glasfaser Sinn. Allerdings spricht meines Erachtens nichts dagegen, wenn der Internet-Zugang im Emmental etwas teurer ist. Schliesslich sind die Wohnungsmieten in der Regel auch tiefer. Und auch weitere Kosten unterscheiden sich je nach Wohnort.
Liebe Grüsse
Ralf Beyeler
Telekom-Experte von comparis.ch
Brauche ich Glasfaser?
Wie viel schneller ist Internet über Glasfaser? Brauche ich das überhaupt?Die Antwort auf die zweite Frage ist eigentlich: Nein. Die Geschwindigkeit eines normalen Internet-Zugangs (rund 5'000 KBit/s, oftmals auch langsamer) reicht völlig aus. Es kann trotzdem sinnvoll, einen Glasfaser-Anschluss zu nutzen, dazu später mehr.
Die Geschwindigkeit der heutigen Angebote von Swisscom, Orange und Sunrise in der Stadt Zürich beträgt in der Regel etwa 30'000 KBit/s (Es gibt auch noch schnellere Angebote). Das ist rund 6mal mehr als mit einem üblichen ADSL-Zugang. Da aber oftmals bei einem ADSL-Geschwindigkeit nur eine reduzierte Geschwindigkeit aufgeschaltet ist, kann Glasfaser allerdings auch 10mal oder 20mal schneller sein. Die Kapazität der Glasfaser selbst ist praktisch unbeschränkt, zu Beginn wird für die Anschlüsse in die Wohnungen eine Technologie eingesetzt werden, die Geschwindigkeiten von bis zu 100'000 KBit/s (oder 100 MBit/s) ermöglichen werden.
Eher langsam ist wie bisher die Geschwindigkeit für das Übertragen von Daten ins Internet. Wer also häufig Fotos, Videos oder Mails mit Präsentationen verschickt, wartet weiterhin und profitiert nicht gross von einer schnelleren Geschwindigkeit.
Ein schneller Glasfaser-Anschluss ist vor allem dann sinnvoll, wenn man bisher nur mit beschränkter Geschwindigkeit im Internet surfen konnte. Die Gebühren für einen Glasfaser-Anschluss sind etwa gleich hoch wie für einen normalen Anschluss. Doch in der Regel muss man alle Dienste beim gleichen Anbieter beziehen und daher erscheinen die Gebühren höher. Insbesondere wer Digital-TV mit HD-TV beziehen möchte, dürfte mit einem Glasfaser-Anschluss besser und günstiger fahren als mit den heutigen Lösungen. Dazu kommt, dass man von einer höheren Geschwindigkeit profitieren kann.
Liebe Grüsse
Ralf Beyeler
Telekom-Experte www.comparis.ch
Dienstag, 12. Mai 2009
(K) eine Einigung bei Glasfasern
Ich sehe auch nicht ein, weshalb man vier Glasfasern in eine Wohnung legen soll. Eine einzige Glasfaser reicht völlig aus, insbesondere da die Kapazität einer Glasfaser nahezu unendlich ist. Eine zusätzliche Glasfaser dürfte meines Erachtens nur dazu führen, dass Swisscom ihr Monopol weiter ausbauen kann. Denn die drei zusätzlichen Glasfasern dürften Mehrkosten von 30 oder gar 50 oder noch mehr Prozent verursachen, die am Schluss der Kunde bezahlen muss. Beste Voraussetzungen, damit Swisscom weiterhin massiv zu hohe Preise von den Kunden verlangen kann.
Am 03. Mai 2009 sagte der Chef der Eidgenössischen Kommunikationskommission ComCom in einem Interview der Sonntags-Zeitung:
Das Wichtigste ist: Das Mehrfasermodell wurde akzeptiert. Es wird also schweizweit mindestens zwei Fasern geben, und zwar auf der ganzen Strecke zwischen Steckdose und Ortszentrale.Diese Aussagen haben in der Branche grosses Erstaunen ausgelöst. Gemäss Personen, die an dem erwähnten Glasfaser-Gipfeltreffen der Telekom-CEOs dabei gewesen sind, sagen allerdings, dass es keine Einigung gegeben hat und sie von der Aussage von Marc Furrer überrascht gewesen sind. Swisscom hingegen spricht von einer Einigung.
Es wird allerdings auch klar, dass die Elektrizitätswerke zu einem Kompromiss bereit sind. Doch bei einem Kompromiss müssen sich mehrere Parteien einigen. Von einer Einigung könne jedoch noch lange keine Rede sein. Ich denke, dass alle Beteiligten - die Swisscom, die betroffenen Elektrizitätswerke und auch die Service-Provider wie Sunrise oder Orange - derzeit um eine für sie optimale Lösung werben und bisher noch gar nichts entschieden ist. Dafür spricht, dass zwar Swisscom sowohl mit der Freiburger wie auch mit den Basler Elektrizitätswerken eine Zusammenarbeit vereinbart hat. Die genauen Konditionen sind jedoch noch alles andere als klar. Es stellt sich die Frage, ob sich die Elektrizitätswerke und die Swisscom überhaupt einigen werden. Es würde auf jeden Fall nicht erstaunen, wenn die Partner wieder auseinander gehen und jeder für sich selbst bauen wird.
Ich bin davon überzeugt, dass der Internet-Zugang über Glasfaserleitungen schon bald weitverbreitet ist. Deshalb ist es wichtig, dass ein - und nicht vier - attraktives Glasfaser-Netz gebaut wird, dass von allen Anbietern wirklich diskriminierungfrei benutzt werden kann. Damit dies der Fall ist, darf der Netzbesitzer nicht auch gleichzeitig Angebote an Endkunden anbieten. Ansonsten haben wir die gleichen Probleme wie wir sie mit dem Telefonanschluss seit über 10 Jahren haben.
Es bleibt auf jeden Fall spannend und ich persönlich hoffe, dass das dubiose, unnötige und vor allem teure Vier-Faser-Modell bereits in Kürze Geschichte sein wird.
Liebe Grüsse
Ralf Beyeler
Telekom-Experte von comparis.ch
Donnerstag, 23. April 2009
Wer verdient an Glasfaser-Netzen?
Weil Swisscom auf ihr Vier-Fasern-Modell beharrt, entstehen erhebliche unnötige Mehrkosten. Zwar hat Swisscom mit den Elektrizitäswerken Absichtserklärungen unterschrieben, doch über die Konditionen herrscht wohl noch eine sehr grosse Unklarheit und es würde mich nicht überraschen, wenn einer der Deals noch platzen würde.
Für die Elektrizitätswerke wäre am sinnvollsten, wenn Swisscom die Mehrkosten für die drei zusätzlichen Fasern übernehmen würde und natürlich auch direkt bezahlen würde. Auch die Mietkosten für die Leitung dürfte noch für Diskussionen Anlass geben. Es ist meines Erachtens sehr wichtig, dass alle Anbieter die gleichen Konditionen bezahlen und kein Anbieter bevorzugt wird. Ich zweifle aber daran, dass dies wirklich gelingen wird.
Der oben erwähnte Artikel endet übrigens mit folgendem Satz:
Im Zentrum wird die Frage stehen, wie die Elektrizitätswerke mit ihren Glasfasernetzen Geld verdienen können – und nicht nur die Swisscom.Es ist wichtig, dass diese Hoffnung in Erfüllung gehen sollte.
Wichtig erscheint mir auch, dass den Kunden innovative Dienstleistungen zu günstigen Preisen zur Verfügung stehen werden. Wenn ich die derzeitigen Preise sehe, muss ich leider sagen, dass dies noch nicht der Fall ist.
Liebe Grüsse
Ralf Beyeler
Telekom-Experte von comparis.ch
Sonntag, 5. April 2009
Glasfaser-Angebote in der Stadt Zürich
Die Angebote von Orange (Orange Home) und Sunrise (Sunrise Home Combi) stehen Kunden zur Verfügung, bei denen bereits bis in die Wohnung eine Glasfaser des Elektrizitätswerk Zürich EWZ gelegt ist. Dies ist derzeit bei rund 10'000 Haushalten der Fall. Bis Ende Jahr sollen 15'000 bis 18'000 Haushalte angeschlossen sein. Das Glasfaser-Netz des EWZ ist ein offenes Netz und deshalb ist es wahrscheinlich, dass bereits in Kürze weitere Anbieter ebenfalls Services für Privatkunden auf diesem Netz anbieten werden.
Das Angebot von Swisscom ist in einigen hundert Haushalten verfügbar. Theoretisch handelt es sich auch biem Swisscom-Netz um ein offenes Glasfaser-Netz. Es ist jedoch fraglich, wie offen das Netz in der Praxis wirklich sein wird. Ein offener Punkt ist insbesondere, wie die Diskriminierung der anderen Provider durch Swisscom vermieden werden kann.
Die Angebote unterscheiden sich nicht gross: Das Paket eines Festnetz-Anschluss, eines Internet-Zugangs mit 30 MBit/s (oder 30'000 KBit/s) und einem TV-Angebot kostet bei Orange 107 Franken pro Monat und bei Sunrise 109 Franken pro Monat. Die Geschwindigkeit von 30 MBit/s gilt jedoch nur für den Downstream und nicht für den Upstream. Beim Upstream gibt es nur ein lausiges MBit/s. Orange-Mobilfunk-Kunden erhalten einen zusätzlichen Rabatt von 10 Franken, bezahlen also nur 97 Franken. Ausserdem ist es bei Orange möglich, auch nur Festnetz/Internet oder nur TV zu beziehen.
Swisscom bietet das Paket (Swisscom Home Standard) mit Festnetz-Anschluss, einem Internet-Zugangs mit 30 MBit/s und Bluewin-TV für 141.25 Franken an. Der Upstream ist mit 3 MBit/s dreimal so hoch wie beim Angebot von Orange und Sunrise. Ausserdem stehen mit Bluewin-TV 500 Filme auf Abruf und Sportevents für 1 Franken pro Spiel zur Verfügung. Anrufe innerhalb des Schweizer Festnetz sind übrigens kostenlos. Kunden, denen eine Downstream-Geschwindigkeit von 20 MBit/s ausreicht, erhalten ein reduziertes Paket für 113.25 Franken pro Monat.
Heute bezahlen die meisten Kunden für einen Festnetz-Anschluss, einen ADSL-Anschluss und den analogen Kabelanschluss von Cablecom übrigens rund 100 Franken pro Monat. Für ein paar wenige Franken mehr gibt es ein Paket mit wesentlich mehr Leistungen. Doch erst einige tausend Stadtzürcher Haushalte können überhaupt von diesem Angebot profitieren.
Ich persönlich bin etwas enttäuscht von diesen Angeboten und finde diese zu teuer. Ausserdem ist die Upstream-Geschwindigkeit viel zu niedrig. Hier will das ewz wohl nicht die eigenen Geschäftskunden-Angebote zu stark konkurrenzieren. Immerhin kosten bei Orange z.B. das Business-Angebot (auf dem ewz-Netz) mit 10 MBit/s Upstream rund 300 Franken pro Monat und das Business-Angebot mit 30 MBit/s Upstream kostet gar rund 800 Franken pro Monat.
Andernseits wollen die Anbieter im Moment wohl noch gar nicht zu billig sein. Denn jetzt geht es vor allem darum, Erfahrungen zu sammeln und deshalb haben die Anbieter wohl Angst, von zu vielen Kunden überrannt zu werden. Immerhin: Wer heute Digital-TV von Cablecom sieht, mit Kabelinternet oder ADSL durchs Internet surft und einen Telefonanschluss hat, dürfte mit den neuen Glasfaser-Angeboten günstiger fahren als beim Bezug der Digital-TV-Angebote von Cablecom.
Liebe Grüsse
Ralf Beyeler
Telekom-Experte www.comparis.ch
(Anmerkung: Die obligatorische Gebühr für die Urheberrechtsgebühren sind bei allen Preisangaben in diesem Beitrag enthalten, da die Kunden diese Gebühren zwingend bezahlen müssen, wenn sie TV über ein Kabel sehen. Bei Orange und Sunrise wird diese Gebühr dem Kunden nicht weiterverrechnet, während Swisscom, Cablecom und (alle?) Kabelnetz-Betreiber diese Gebühren dem Kunden zusätzlich belasten. Deshalb ist der Preis des Swisscom-Angebotes 2.25 Franken höher als von Swisscom kommuniziert).
Sonntag, 22. März 2009
Glasfasernetz: NZZ-Interview mit ewz-Messmann
Hier die wichtigsten Aussage kurz zusammengefasst:
- Die vom Volk bewilligten 200 Millionen Franken reichen für 50'000 Anschlüsse statt für nur 17'000 Anschlüsse. In den letzten Jahren hat die Glasfasertechnologie grosse Fortschritte und dadurch kann das ewz günstiger bauen, bzw. mit den gleichen Investitionen mehr Anschlüsse errichten.
- Grundsätzlich werden Liegenschaften mit mindestens 10 Wohnungen erschlossen, aber wenn in einer Strasse gebaut wird, kann es sein, dass zusätzlich auch Liegenschaften mit weniger Wohnungen erschlossen werden.
- Die Hausinstallation wird durch das ewz erstellt, weil das ewz will, dass die Gebäude-Installationen fachmännisch durchgeführt wird und am Schluss alle Diese wie schnelles Internet, HDTV etc. einwandfrei funktionieren kann.
- Das ewz baut jeweils in ganzen Strassenzügen und betreibt einen gewissen Aufwand, um die Gebäudeeigentümer zu begeistern.
- Derzeit sind einige hundert Endkunden auf dem ewz-Glasfasernetz aufgeschaltet. Da die Service-Profider jetzt mit Marketing-Kampagnen beginnen, dürfte sich diese Zahl bis Ende Jahr massiv erhöhen.
- Derzeit bauen Swisscom und ewz in der Stadt Zürich noch nicht am gleichen Ort, aber es ist eine Frage der Zeit, bis es zu einer Konfrontation kommen wird. Herr Messmann wirft der Swisscom auch unsaubere Methoden vor. So sagt die Swisscom gegenüber Gebäudebesitzern, sie kooperiere beim Glasfasernetz mit dem ewz, obwohl dies gar nicht stimmt. Die Swisscom würde dem ewz für eine Zusammenarbeit 120 Millione Franken anbieten. Doch dieser Vorschlag ist für das ewz nicht akzeptabel, da das ewz den diskriminierungsfreien Netzzugang für alle möchte. Ausserdem wäre es viel zu teuer, vier Glasfasern zu verlegen, von der dann jeweils nur eine einzige benutzt wird. Das ewz wird bereits zehn Provider auf ihren Netz haben und auch der Swisscom würde es offenstehen, Dienstleistungen anzubieten.
Liebe Grüsse
Ralf Beyeler
Telekom-Experte von comparis.ch
Sonntag, 8. Februar 2009
Kontroverse um ewz-Glasfaser-Netz
Das Ganze begann am Montag mit einem Interview des Tages-Anzeigers mit dem Chef der Schweizerischen Kommunikationskommission Comcom Marc Furrer (Interview online verfügbar). In diesem Interview sagte Furrer
Natürlich wäre es für das Stadtzürcher Elektrizitätswerk (EWZ) wunderbar, ein Monopolnetz zu haben. Aber das ist genau das, was wir verhindern wollen.
Wir wollen nicht, dass jemand mit Knebelverträgen ein Monopol zementiert. (auf die Frage: Das EWZ finanziert den Hauseigentümern die Verkabelung bis in die Wohnungen – was eigentlich unüblich ist – und sichert sich im Gegenzug für Jahrzehnte die Nutzungsrechte.)Der Tages-Anzeiger fasste das Interview kurz unter dem Titel "Glasfaserkrieg: Verträge des EWZ gesetzeswidrig?" an prominenter Stelle gross auf der erste Seite zusammen. Das ewz reagierte noch am Montag mit einer Medienmitteilung und konterte. Das ewz ist sich nicht bewusst, wodurch die mit den Hauseigentümern abgeschlossenen Verträge gesetzeswidrig sein sollen. Das ewz verteidigt nochmals sein Modell eines diskriminierungsfreien Zugangs für alle Anbieter.
Am Dienstag berichtete der Tages-Anzeiger dann über die Glasfaserstreit in verschiedenen Schweizer Städten. In einem Kasten zu diesem Artikel thematisierte der Tages-Anzeiger die umstrittenen Verträge zwischen dem ewz und den Hauseigentümern. Peter Messmann, Leiter des Telekom-Bereiches des ewz, kritisierte, dass er so happige Vorwürfe vom Telekom-Regulator aus der Zeitung erfahren müsse. Das ewz verkabelt die Häuser kostenlos. Im Gegenzug kann das ewz das Glasfaserkabel während 20 Jahren exklusiv nutzen. In den Verträgen gibt es auch eine Ausstiegsklausel: Die Hauseigentümer können auch vor Ablauf der 20 Jahre aussteigen, müssen jedoch bis zu 25'000 Franken pro Anschluss bezahlen. 3 Zürcher Immobilienorganisationen empfehlen ihren Mitgliedern, vorerst keine Verträge mehr abzuschliessen.
Am Mittwoch veröffentliche schliesslich die Neue Zürcher Zeitung NZZ ein Interview mit dem für das ewz zuständigen Stadtrat Andreas Türler (Interview online verfügbar). Der Stadtrat findet es befremdend, dass er die happige Kritik des obersten Regulators aus der Zeitung erfahren musste. Er spekulierte, dass diese Kritik gerade jetzt geäussert wurde, kurz vor der Abstimmung über das St. Galler Glasfasernetz. Der Stadtrat erklärte, dass das 4-Faser-Modell der Swisscom lediglich als Vorwand diene, damit Swisscom den Bau ihres eigenen Netzes von den Mitbewerbern subventionieren lassen kann. Das ewz hat das 120 Millionen Franken-Angebot der Swisscom abgelehnt. Andreas Türler erklärt, dass Swisscom damit das Endkunden-Monopol der Swisscom günstig ausbauen kann. Das wäre schlecht für den Wettbewerb gewesen.
Da Swisscom nicht nur ein Netz baut, sondern auch selbst Dienstleistungen anbietet, könne es nie zu echten Wettbewerb kommen. Das Interview ist auf jeden Fall lesenswert.
Die ganze Diskussion um das Glasfaser-Netz ist komplex. Die ideale Lösung gibt es nicht. Doch mich überzeugen die Argumente des ewz mehr. Denn das ewz bietet nicht selbst Internet-Dienstleistungen an, die Swisscom bietet diese Dienstleistungen selber an. Das ewz-Modell führt automatisch zu Wettbewerb während das Swisscom-Modell den Wettbewerb eher behindert. Wie sehen das Ganze bei ADSL, wo wir in der Schweiz ein relativ schlechtes Angebot zu massiv überrissenen Preisen haben. Da die Swisscom sowohl den Endkundenpreis wie auch den Einkaufspreis der Mitbewerber selbst bestimmen kann, konnte der Wettbewerb bisher nicht spielen. Extrem hohe Preise für niedrige Bandbreiten waren die Folge. Wir sollten alles tun, um eine solche Situation beim Glasfasernetz zu verhindern.
Liebe Grüsse
Ralf Beyeler
Telekom-Experte www.comparis.ch
Sonntag, 14. Dezember 2008
Woche der Glasfaser-Diskussion
Ausgerechnet Swisscom sprach sich für den freien Wettbewerb zwischen den Anbietern aus. Allerdings definiert Swisscom freier Wettbewerb so, dass die Elektrizitätswerke neben ihrem eigenen Kabel auch gleich noch ein Kabel für die Mitbewerber Swisscom einziehen sollen. Ich habe ein wenig Mühe, zu glauben, dass ausgerechnet Swisscom für freien Wettbewerb sorgen soll. Immerhin hat Swisscom jahrelang gegen die Entbündelung der letzten Meile gekämpft und den den alternativen Anbietern sehr hohe Preise für den ADSL-Monopolservice verrechnet. (Die Wettbewerbskommission kündigte Swisscom gegenüber bereits eine Busse von 237 Millionen Franken an - allerdings hat die Wettbewerbskommission den Entscheid noch nicht gefallen und die Swisscom kann nach einem Entscheid dagegen selbstverständlich noch Rechtsmittel einlegen.) Zudem sind die Kosten für den ADSL-Internet-Zugang in der Schweiz sehr hoch.
Auch die Elektrizitätswerke sprechen sich für einen freien Wettbewerb aus. Doch die EWs wollen nur ein einziges Glasfaser verlegen und der Internet-Zugang an Service-Provider weiterverkaufen. Gemäss Swisscom ist dies wenig sinnvoll: Nur mit eigener Infrastruktur an beiden Enden des Kabels könne die Qualität sichergestellt werden. Andere Anbieter wie Sunrise halten dies nicht für notwendig. Ich bin kein Techniker und kann nicht beurteilen, ob Swisscom den direkten Zugang zum sogenannten Layer2 überhaupt benötigt. Doch die Tatsache, dass in den Städten der Internet-Zugang über Glasfaserleitungen der EWs bereits verbreitet ist und einwandfrei funktioniert, auch wenn der Internet-Provider keinen direkten Zugang zum Layer2 haben.
Einen grossen, wichtigen Unterschied gibt es zwischen dem Swisscom-Projekt und dem Projekt der EWs: Swisscom will sowohl an Endkunden selbst und auch an Service-Provider Dienstleistungen anbieten während die EWs nur an Service-Provider verkaufen wollen. Die Service-Provider können die Dienstleistungen dann an die Endkunden verkaufen. Swisscom will die gleiche Dienstleistung sowohl an die eigenen Endkunden wie auch an die Konkurrenten verkaufen. Dies dürfte zu Problemen führen - genauso wie dies in den letzten elf Jahren zu Problemen geführt hat. Denn Swisscom ist nicht ernsthaft daran interessiert, den Konkurrenten die Dienstleistungen zu attraktiven Preisen zu verkaufen. Denn dies würde nur einen starken Druck auf die Preise bedeuten.
Der Tages-Anzeiger sieht die Swisscom bereits im Vorteil gegenüber dem EWZ. Denn Swisscom will bis Ende 2009 100'000 Anschlüsse in Zürich, Genf und Basel verlegen. Das EWZ will in Zürich bis Ende 2009 hingegen nur 15'000 Anschlüsse verlegen. Der Tagi schreibt weiter, dass die EW ein Monopol auf der Infrastruktur wollen, da es sich sonst nicht rentiert. Und das der Traum vom Monopol eigentlich bereits geplatzt sei. Soweit die Beurteilung des Tages-Anzeiger.
In einem Haus wird jeweils nur das EW oder Swisscom die Glasfaserleitungen einziehen. Es geht derzeit darum, in möglichst vielen Häusern Glasfaser einzuziehen. Zwischen dem Angebot der EWs und der Swisscom gibt es ausserdem einige Unterschiede: Das Glasfaser-Angebot basierend auf der EWZ-Infrastruktur kann bereits benutzt werden. Anders bei Swisscom: Das Glasfaser ist zwar im Haus, kann aber vorerst nicht benutzt werden. Ausserdem auch nicht zu unterschätzen: Beim EWZ-Projekt übernimmt das EWZ die Hausverkabelung, beim Swisscom-Projekt hingegen muss der Hauseigentümer die Hausverkabelung selber bezahlen.
Mich überzeugt das Projekt der Elektrizitätswerke mehr als das Swisscom-Projekt. Ich bin für einen echten Wettbewerb unter den Anbietern statt einem Pseudo-Wettbewerb mittels mehreren Glasfasern in jedes Haus.
Es bleibt auf jeden Fall spannend.
Liebe Grüsse
Ralf Beyeler
Telekom-Experte www.comparis.ch
Dienstag, 2. Dezember 2008
Endlich: Swisscom öffnet Glasfaser-Netz
Nun, die bestechende und geniale Idee ist ausgeträumt: Offiziell will Swisscom zwar weiterhin vier Glasfaser-Leitungen in die Wohnungen verlegen. Aber es dürfte eine Frage der Zeit sein, bis die meiner Meinung nach sinnlose Vier-Kabel-Strategie engültig begraben wird. Doch wie Swisscom in einer Medienmitteilung selbst mitteilt, werden die Glasfaser-Leitungen in Zukunft auch an interessierte Anbieter vermietet. Im Rahmen eines Pilotprojektes wollen die Anbieter VTX, green, Init7 und Netstream zwischen März und Herbst 2009 Angebote basierend auf dem noch kleinen Swisscom-Glasfaser-Netz anbieten.
Dieses System hat sich in den letzten Jahren bewährt: Alternativ-Anbieter konnten von Swisscom die Dienstleistung ADSL beziehen, mit eigenen Dienstleistungen ergänzen und unter eigenem Namen verkaufen. Auch die Elektrizitätswerke setzen bei ihrem Glasfaser-Angebot auf dieses System.
Grosser Streitpunkt bei ADSL war jedoch jeweils der Preis. Beim ADSL-Angebot ist der Preis von Swisscom nicht reguliert und dementsprechend viel verlangte Swisscom von den Anbietern für die ADSL-Leitungen. Eine Klage bei der Wettbewerbskommission ist seit Jahren hängig. Genau dies dürfte auch beim Glasfaser-Angebote der Swisscom zum wohl grössten Problem werden.
Grundsätzlich ist es begrüssenswert, wenn Alternativ-Anbieter die Infrastruktur von Swisscom mitbenutzen dürfen. Da Swisscom ihre Dienstleistungen auch direkt an Endkunden anbieten und daher wenig Interesse daran haben, dass ihre Mitbewerber Glasfaser-Dienstleistungen verkaufen, ist es unbedingt notwendig, die Glasfaser-Leitungen zu regulieren. Doch die Regulierung ist eine grosse Herausforderung: Einerseits dürfen die Alternativ-Anbieter nicht benachteiligt werden, andernseits muss Swisscom für ihre Investitionen abgegolten werden.
Swisscom selbst sagt heute, dass immer ein Wiederverkaufsangebot geplant gewesen sei. Die Details hätten jedoch noch erarbeitet werden müssen und daher hätte Swisscom noch nichts kommunizieren können. Ich halte dies für eine Ausrede. Denn selbst, wenn die Details noch nicht bekannt gewesen sind, hätte man nur kommunizieren können, dass Swisscom auch ein Wiederverkaufsangebot lancieren möchte. Stattdessen setzte man auf Zeitungsinterviews und Indiskretionen in Zeitungen und wartete die Reaktionen ab.
Es bleibt auf jeden Fall spannend im Glasfaser-Dschungel der Zukunft. Ich werde weiterhin über dieses Thema bloggen.
Liebe Grüsse
Ralf Beyeler
Telekom-Experte www.comparis.ch
Sonntag, 9. November 2008
Glasfaser-Rummel! Für Kabelanbieter doch ein Thema
Das ich mit der Propaganda-Maschine Swisscable so meine Mühe habe, sollte inzwischen bekannt sein. Ich schätze lieber sachliche Argumente statt unsachlicher Propaganda.
Swisscablecom-Medienmitteilung: Die bestehenden Netze der Schweizer Kabel-TV-Unternehmen sind für die Zukunft gut gerüstet. Dies ist das Fazit einer Studie, die an der heutigen Jahrestagung von Swisscable in Bern vorgestellt worden ist. Ein Grund dafür ist, dass es sich bei Kabelnetzen um sogenannte Hybrid-Fiber-Coax-Netze (HFC-Netze) handelt. Es sind also Netze, die bereits heute zum grössten Teil aus Glasfasern bestehen. Nur gerade die letzten paar hundert Meter von den Netzknoten bis ins Haus bestehen nicht aus Glasfasern, sondern aus koaxialen Kupferkabeln.
Liebe Swisscable, auch die Mitbewerber setzen heute bis einige hundert Meter vor dem Kundenanschluss Glasfaser-Leitungen ein. Dies ist heute üblich. Ich verstehe ja, dass die Kabelnetzer-Anbieter nicht sofort in Glasfaser-Leitungen bis zum Kunden investieren wollen. Doch deshalb so stark zu betonen, dass man Glasfaser-Leitungen im Backbone-Bereich einsetzt, ist übertrieben. Fairerweiser muss ich den gleichen Vorwurf auch Swisscom machen: Sie zählt auch VDSL zu den Glasfaser-Technologien, obwohl auch hier die letzten paar hundert Meter mit uralten Leitungen abgedeckt werden.
Swisscable: Diese Koaxialkabel sind jedoch um ein Vielfaches leistungsfähiger als zum Beispiel Telefonleitungen.Die gesamte Kapazität eines Koaxialkabel ist leistungsfähiger als eine einzelne Telefonleitung. Das stimmt, aber es gibt einen gewaltigen Unterschied: Beim Telefonkabel gibt es zu jedem Kunden eine ganze Leitung, die der Kunde nur für sich alleine hat. Anders beim Koaxialkabel: Dort teilen sich viele Kunden die gleiche Leitung, dadurch ist die Kapazität für jeden einzelnen Kunden stark beschränkt. Dazu kommt, dass ein grosser Teil des Kabels für die ineffiziente Ausstrahlung von analogen Signalen (analoges TV, analoges Radio) verwendet wird.
Nichts anderes macht zum Beispiel Swisscom. Dies ist ein übliches Vorgehen, um die alten, längst abbezahlten Kabel weiterverwenden zu können, statt die Kabel durch teurere Kabel ersetzen zu müssen. Ich bezweifle jedoch, dass dies ein Grund für die Zukunftsfähigkeit der Kabelnetze ist. Mittelfristig werden Glasfaser-Kabel bis in die Wohnung der gängige Anschluss an die Kommunikationswelt sein. Sowohl Telefon-Kupferkabel wie Kabel-Koaxialkabel werden mittelfristig keine Bedeutung mehr haben, weil die Kapazität viel zu gering ist.Swisscable: Ein weiterer Grund für die Zukunftsfähigkeit der Kabelnetze ist deren
Ausbaufähigkeit. So können die bestehenden Glasfaserleitungen kontinuierlich näher an die Gebäude gezogen werden. Damit wird die sogenannte Zellengrösse verkleinert, die Koaxialkabel-Strecke zum Haus verkürzt, und die Datenrate pro Anschluss kann bei Bedarf zusätzlich erhöht werden.
Die Einführung des neuen leistungsfähigen Übertragungsstandards DOCSIS 3.0 (Data Over Cable Service Interface Specification) erlaubt – zusätzlich zu den bestehenden Broadcast-Diensten (analoges und digitales TV) – das Anbieten von Datenraten von einigen hundert MBit/s. Die in Entwicklung stehenden neuen Modulationsverfahren für DVB-C2 versprechen zudem weitere Effizienzsteigerungen in den kommenden Jahren.
Inhaltlich Zustimmung.
Ausbaufähigkeit bedeutet gemäss der präsentierten Studie auch, dass auf den bestehenden Kabelnetzen verschiedene Übertragungstechniken eingesetzt werden können. So wäre ein Umstieg von der bewährten Rundfunktechnik (Broadcast) auf eine Internet-Protokoll (IP) basierte Übertragung bei Bedarf möglich. Zudem können die Techniken Rundfunk und IP auf Kabelnetzen auch gleichzeitig für jeweils spezifische, aber auch kombinierte hybride) TV-Dienste eingesetzt werden.
Auch hier Zustimmung. Wobei es mich erstaunt, dass Swisscable dies so stark betonen muss. Wenn eine Set-Top-Box einen Internet-Anschluss hat (und die Box auch Zugang zu den entsprechenden Dienstleistungen ermöglicht), kann die Box Daten aus dem Internet empfangen. Das über das Kabel-TV-Netz Internet möglich ist, weiss heute praktisch jeder.
Swisscable: Das Gebot der Stunde sei Gelassenheit, kommentierte Swisscable-Präsident Hajo Leutenegger die Studie: „Kabelnetzunternehmen können auf den Glasfaser-Rummel verzichten.“ Gleichzeitig sei es zentral für die Branche, die bestehenden Kabelnetze kontinuierlich weiterzuentwickeln. Denn nur so könne die Leistungsfähigkeit auch in der weiteren Zukunft garantiert werden. „Dies ist auch deshalb so wichtig, weil die Konkurrenz weiter zunehmen wird“, sagte Leutenegger.
Hier mein ich ganz anderer Meinung. Die Kabelnetz-Betreiber können es sich nicht erlauben, auf den Glasfaser-Rummel zu verzichten. Im Gegenteil: Wenn sie mittelfristig nicht bedeutungslos werden wohlen, müssen Sie eine Glasfaser-Strategie entwickeln! Dies heisst jetzt nicht, dass jeder Glasfaser-Leitungen in alle Wohnungen legen soll. Doch sollten auch die Kabelnetze sich Gedanken dazu machen, wie sie Glasfaser-Leitungen in Zukunft nutzen wollen.
Übrigens: Es gibt bereits Kabelnetz-Anbieter, die die Bedeutung der Glasfaser-Leitungen begriffen haben und bereits Glasfaser-Leitungen verlegen.
Wie leistungsfähig das Koaxialkabel wirklich ist, habe ich vor kurzem selber bemerkt: Nur gerade 40% der bezahlten Leistung konnte über das Kabel übertragen werden. Wie das wohl sein wird, wenn ein paar Kunden wirklich die Angebote mit 100 MBit/s oder mehr nutzen. Dann kommen die anderen Kunden wahrscheinlich gar nichts mehr ins Internet. Oder die Kunden, die für 100 MBit/s bezahlen, erhalten nur einen Bruchteil der bezahlten Leistung.
Ich persönlich hoffe, dass es bald echte Konkurrenz geben wird und ich nicht mehr auf das miserable und zu teure Monopol-TV-Angebot von Cablecom angewiesen sein werde.
Liebe Grüsse
Ralf Beyeler
Telekom-Experte www.comparis.ch
Sonntag, 2. November 2008
Wieder mal die Glasfaser-Diskussion
Swisscom-Chef Carsten Schloter machte sich in einer Präsentation (online verfügbar) für das "4 Kabel in jede Wohnung"-Modell stark. Ich habe jedoch auch nach dieser Präsentation immer noch nicht verstanden, was an diesem Modell sinnvoll sein soll. Ausser, dass ein neues, unnötiges Swisscom-Monopol geschaffen wird.
Peter Messmann von den Stadtzürcher Elektrizitätswerken ewz zeigte auf, was die Vorteile eines offenen Netzes sind (Präsentation online verfügbar). Der grosse Vorteil ist, dass nur eine Infrastruktur verlegt wird (Swisscom will hingegen nur im Haus die Infrastruktur gemeinsam bauen und nach dem Hausanschluss will Swisscom mehrere Infrastrukturen) und alle interessierte Anbieter ihre Dienstleistungen anbieten können. Es könnte endlich echter Wettbewerb entstehen.
An einer Parallelveranstaltung der Bieler Kommunikationstage gab es mehrere Vorträge von Openaxs, dem Verbund mehrerer Elektrizitätswerke für ein offenes Glasfaser-Netz. Imposant fand ich den Vertrag vom St. Galler Stadtrat Fredy Brunner. Er informierte über die Pläne des St. Galler Glasfaser-Netzes. (Herzliche Gratulation übrigens zum in der Zwischenzeit erreichten Entscheid des St. Galler Stadtparlaments. Das Parlament hat sich einstimmig für den Kredit ausgesprochen. Nun muss noch das Volk nächsten Februar zustimmen und St. Gallen wird ein modernes leistungsfähiges Glasfaser-Netz erhalten). Ganz erfrischend fand ich auch Ansgar Gmür, Direktor des Schweizerischen Hauseigentümberverbandes, an der Podiumsdiskussion. Er war eine der ganz wenigen Personen, der auch von Bedürfnissen der Kunden gesprochen hat. Herr Gmür hat mir aus dem Herzen gesprochen.
Auch in der Präsentationen der französischen Regulationsbehörde sowie und des britischen Anbieters British Telecom war Glasfaser ein Thema.
Wie die Situation derzeit aussieht, wird alles auf einen Wettlauf hinauflaufen. Sowohl Swisscom wie die Elektrizitätswerke versuchen, als erster in möglichst vielen Häusern ihre Glasfaser verlegen zu können. Beharren sowohl Elektrizitätswerke wie auch Swisscom auf ihren Positionen dürfte es in Zukunft Liegenschaften mit Swisscom-Glasfaser-Anschluss und Liegenschaften mit Glasfaser-Anschluss der Elektrizitätswerke geben. In den Swisscom-Häusern könnten die Kunden nur ein überteuertes Angebot von Swisscom nutzen. In den Häusern, die durch Elektrizitätswerke erschlossen sind, haben die Kunden Auswahl aus zahlreichen attraktiven und preisgünstigen Angeboten.
Liebe Grüsse
Ralf Beyeler
Telekom-Experte www.comparis.ch
Dienstag, 14. Oktober 2008
Swisscom will Sunrise Kritik verbieten
«Wir lassen uns von niemandem erpressen», sagt Sunrise-Chef Christoph Brand im Video-Interview mit CASH daily. Grund für seine Aussage: Am 12. September orderte eine Swisscom-Delegation von Sunrise, sich nicht weiter zum Thema Glasfaser in der Öffentlichkeit zu äussern und die Kritik an Swisscom einzustellen. Ansonsten sei eine Weiterführung der Gespräche nicht möglich.Sollten die im Artikel von Cash Daily erhobenen Vorwürfe stimmen, dann wäre dies ein starkes Stück von Swisscom.
Swisscom-Sprecher Olaf Schulze sieht die Sache anders: «Es ist doch selbstverständlich, dass man den Sinn und Zweck eines Gesprächs in Frage stellt, wenn zuvor von Sunrise über die Medien bekannt gegeben wird, dass das Angebot, welches noch gar nicht vorliegt, unzureichend sei.»
Bereits bei der Entbündelung der letzten Meile, also dem Stück Kupferdraht von der Verteilzentrale zum Hausanschluss, habe Swisscom angeblich «unannehmbare Forderungen» gestellt. Unter anderem wurde von Sunrise verlangt, sich nicht an die Medien zu richten, berichten involvierte Kreise.
Zuerst plaudert Swisscom gross in die Welt hinaus, dass man ein Glasfasernetz bauen will. Doch statt die Pläne offen kommuniziert, wird nur Stück für Stück kommuniziert. Am liebsten über Zeitungsinterviews und Zeitungsartikel. Nie ist klar, was Swisscom eigentlich genau will. Das Ziel dieser Salami-Taktik ist meiner Meinung nach klar: Swisscom will sehen, welche Reaktionen die neuen, ungenau definierten Vorschläge so hevorrufen.
Denn sicher ist bisher nur: Swisscom will ein Glasfaserkabel direkt in möglichst viele Wohnungen verlegen. Statt einem Kabel will Swisscom vier Kabel verlegen und diese dann grossflächig an weitere Anbieter weiterverkaufen. Und Swisscom will eine Regulierung möglichst verhindern oder stark einschränken.
Noch unklar ist, wo die verkauften Glasfaserleitungen an die Alternativ-Anbieter übergeben werden. Doch dieses ist ein sehr wichtiger Punkt: Werden die Glasfaserleitungen praktisch bei jedem Haus an den Anbieter übergeben, so ist der Aufwand für den Aufbau der (völlig unnötigen Parallel-) Infrastruktur bei den Alternativ-Anbietern so gross, dass kein Alternativ-Anbieter auf das Angebot eingehen würde. Umgekehrt wäre es für den Alternativ-Anbieter sehr attraktiv, die Daten nur an zwei, drei Orten in der Schweiz zu übergeben. Swisscom möchte möglichst viele Übergabepunkte und hätte ihr Ziel dann erreicht und ein neues Monopol errichtet. Zumindest in den Städten, wo keine innovativen EWs attraktive Glasfasernetze aufbauen.
Dass Swisscom Sunrise verbieten will, sich betreffend letzter Meile an die Medien zu wenden, ist ein massiver Eingriff von Swisscom. Genauso wie Swisscom sich äussern darf, soll sich auch Sunrise äussern dürfen. Alles andere wäre in einem direkt-demokratischen Rechtsstaat mit Meinungsfreiheit unverständlich.
Liebe Grüsse
Ralf Beyeler
Telekom-Experte www.comparis.ch
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