Donnerstag, 22. November 2007

ComCom: Swisscom muss Bitstream anbieten

Die Eidgenössische Kommunikationskommission hat heute den Entscheid bekanntgegeben, dass Swisscom den Alternativ-Anbietern den Bitstream-Access anbieten muss. Dies aufgrund der Tatsache, dass die Wettbewerbskommission Weko festgestellt hat, dass Swisscom im schnellen Bitstream-Breitband-Internet eine marktbeherrschende Stellung hat.

Sehr erfreut zeigt sich Sunrise , während Swisscom vorerst analysieren will und sich dann überlegen will, den Entscheid vor das Bundesverwaltungsgericht weiterzuziehen.

Doch werden die Preise jetzt ins grosse Rutschen kommen? Ich denke nicht, dass die Preise gross ins Rutschen kommen werden. Heute bezahlt ein Breitband-Internet-Kunde rund 75 Franken, 49 Franken für den ADSL-Anschluss und 25.25 Franken für den notwendigen Festnetz-Anschluss.

Egal ob mit der entbündelten letzten Meile oder mit dem sogenannten Bitstream-Access. Die Alternativ-Anbieter müssen der Swisscom (berechtigerweise) eine Gebühr für die Nutzung der Swisscom-Infrastruktur bezahlen. Und für die Alternativ-Anbieter sind die Entschädigungen zu hoch. Endgültig wird dann das Bundesgericht entscheiden müssen, welche Preise Swisscom verrechnen kann.

Neben den Gebühren, die man an Swisscom bezahlen muss, muss zusätzlich in eigene Infrastruktur investiert werden. Dies bedeutet in erster Linier mal grosse Ausgaben in Millionenhöhe. Und diese Investitionen müssen dann von den Alternativ-Anbietern auf die Kunden überwälzt werden. Weitere Kosten fallen für die Bandbreite, die Mitarbeiter, das Inkasso, den Kundendienst, das Marketing und die Werbung etc. an. Alle diese Kosten müssen schliesslich auf den Preis umgewälzt werden, den die Kunden schliesslich bezahlen müssen. Und da diese Kosten relativ hoch sein werden, spricht vieles dagegen, dass sich das Preisniveau massiv reduzieren wird.

Es ist klar, dass die Alternativ-Anbieter günstiger sein müssten. Aber wenn man bereits heute einen Blick auf die ADSL-Preise der Anbieter wirft, erinnert man sich in der Sowjetunion oder in der DDR zurück. Egal ob Bluewin, Sunrise oder Tele2: Überall kostet der Internet-Zugang 49 Franken pro Monat (Und auch Konkurrent Cablecom verrechnet nur 4 Franken weniger, obwohl dieser Anbieter nicht von Swisscom abhängig ist und durchaus tiefere Preise anbieten könnte). Die Alternativ-Anbieter können es sich bereits heute leisten, gleich teuer wie Swisscom zu sein. Warum sollten sie mit einer entbündelten letzten Meile plötzlich ihre Strategie ändern?

Ich glaube, die Preise werden höchstens um 5 bis 10 Franken sinken, wenn überhaupt.

Wir werden sehen und es wird auf jeden Fall spannend.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
www.comparis.ch

PS: Von der Nachrichtenagentur AP angefragt, habe ich ebenfalls eine Einschätzung zum ComCom-Entscheid abgegeben. Diese kann unter anderem auf dem Newsticker vom Tagi abgerufen werden.

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