Samstag, 17. November 2007

Mobilfunk: Gemeinden verschenken Millionen

Der Tages-Anzeiger hat am 14. und 15. November 2007 gross über ein in der Telecom-Branche offenes Geheimnis geschrieben: Im ersten Artikel berichtete die Zürcher Zeitung gross darüber, dass die Netzbetreiber sehr viele Antennen betreiben und dafür nichts oder zu wenig bezahlen. Im zweiten Artikel ging es darum, dass den Netzbetreibern nun eine Kostenexplosion drohe.

Im Tagi-Artikel heisst es, dass die Mobilfunk-Anbieter für die Antennenstandorte, die auf Gebäuden montiert sind, die der Stadt Zürich gehören, im Schnitt nur rund 1'900 Franken pro Antenne und Jahr bezahlen. In anderen Städten werden an vergleichbaren Standorten gemäss einem im Artikel zitierten Experten zwischen 10'000 und 45'000 Franken pro Jahr bezahlt. Der Experte hält einen Preis von durchschnittlich 20'000 Franken pro Antenne und Jahr für durchaus gerechtfertigt. Die Stadt erhält so rund 1.5 Millionen Franken zuwenig an Mieteinnahmen, rechnet der Tages-Anzeiger vor. In vielen anderen Fällen übernimmt die Gemeinde sogar die Stromrechnung. Der erwähnte Artikel ist übrigens online abrufbar.

Bereits am Donnerstag erschien dann der Nachfolger-Artikel: Die Besitzer von Gebäuden, auf denen Mobilfunk-Antennen stehen würden bei Neuverhandlungen eine drastisch höhere Miete verlangen. Gemäss Schätzungen des Tages-Anzeigers erhöhen sich die Kosten für die Anbieter damit um 37 Millionen Franken. (Den Artikel gibt es ebenfalls online).

Im Vergleich zu den übrigen Kosten und den Einnahmen ist dies sehr wenig. Ich finde es erstaunlich, dass die Vermieter nicht mehr verlangen. Immerhin haben viele Immobilienbesitzer Probleme mit Mietern und Anwohnern, weil sich diese gegen Antennen zur Wehr setzen. Und ausserdem benötigen die Mobilfunk-Anbieter Antennenstandorte, da sie sonst ihre Dienstleistungen nicht anbieten können. Also sind die Vermieter eigentlich bei Verhandlungen in einer besseren Position.

Da es sich bei den Mobilfunk-Anbietern um kommerzielle Unternehmen handelt, ist es nur in Ordnung, wenn diese einen marktüblichen Mietzins bezahlen. Schliesslich bezahlen die Kunden für die Nutzung der mobilen Kommunikation auch hohe Gebühren - insbesondere auch im Vergleich mit dem Ausland. Dass die Gemeinden sogar die Stromrechnung übernehmen, ist eine Demütigung für jeden ehrlichen Steuerzahler.

Liebe Grüsse


Ralf Beyeler
www.comparis.ch

1 Kommentar:

Christian hat gesagt…

Schlussendlich ist der Kunde wieder der Gearschte, weil die Mobilfunkbetreiber dann mit den explodierenden Kosten kommen und diese auf den User umwälzen. 10 Stuz pro MB ist ja schon die Höhe...