Freitag, 9. November 2007

Cablecom setzt wieder auf analoges TV

Es gibt Sachen, die kann man schwer verstehen. Noch vor einiger Zeit war jeder, der noch nicht digital fernsieht, ein Ewiggestriger. Die Kabelnetz-Betreiber wie z.B. Cablecom haben ein Programm nach dem anderen abgeschaltet. Auf Druck von Italien musste sogar Bundesrat Moritz Leuenberger ein Machtwort sprechen: Die Cablecom und alle anderen Kabelnetz-Betreiber müssen nun Programme wie Raiuno, France 2 oder Euronews schweizweit wieder analog ausstrahlen.

Auch die Cablecom hat inzwischen gemerkt, dass den meisten Kunden das analoge TV-Angebot völlig ausreicht. Analog-TV ist auch wesentlich einfacher zu bedienen als Digital-TV. Einfach Kabel einstecken und man sieht das Bild. Man muss weder eine Set-Top-Box einstecken und sich auch nicht um Scart- oder HDMI-Kabel kümmern.

So sagte Cablecom-Chef Ruedi Fischer gestern vor den Medien, dass Cablecom die Bedeutung des Analog-TV unterschätzt hat. Nun habe man gelernt und sieht inzwischen sogar das Analog-TV als grossen Wettbewerbsvorteil. Und im Jahr 2008 will man die Kunden nicht mit Programmabschaltungen verägern. 2008 wird kein analoges TV-Programm abgeschaltet, verspricht Cablecom. Einzige Ausnahme könnte U1 sein, sofern der Sender nicht mehr analog verbreitet werden muss.

Na ja, es gibt teilweise erstaunliche Entwicklungen, wo sogar ich staune. Doch wäre es meiner Meinung nach falsch, jetzt einseitig auf Analoges TV zu setzen:

Ich vermisse bei Cablecom ein attraktives Digital-TV-Angebot. Das wichtigste wäre ein Verbot der Grundverschlüsselung - der Ständerat hat zumindest dieses schon mal beschlossen, der Nationalrat muss sich dazu auch noch äussern. Dann könnte ich mit jeder beliebigen Set-Top-Box Digital-TV empfangen, und nicht nur mit der schlechten und überteuerten Cablecom-Zwangsbox. Die Kunden können im Elektromarkt eine Box ihrer Wahl kaufen. Heute gibt es bereits Zigarettenschachtelgrosse Empfangsboxen, die einfach am TV eingesteckt werden können. Cablecom setzt immer noch auf klobige Boxen. Oder es gibt Recorder mit 250 Gigabyte-Festplatten und damit kann man mehr Programme aufzeichnen. Oder man könnte Boxen mit intergrietem DVD-Brenner kaufen und die Sendungen einfach auf DVD brennen. Nicht vergessen darf man auch Computer- und Mediacenter-Besitzer, die am Computer fernsehen wollen. All dies ist heute wegen der Grundverschlüsselung nicht möglich - ausser man setzt auf gehackte Lösungen, was kaum legal sein dürfte.

Also, liebe Cablecom, setzt auf Digital-TV und lässt Konkurrenzboxen endlich zu.

Grüsse



Ralf Beyeler

Kommentare:

smid hat gesagt…

Willkommen in der Blogger-Welt

Es ist die Frage, wie man "attraktiv" definiert. Ich finde von den Sendern her hat Cablecom ein gutes Angebot, das sehr breit ist. Ich habe mal ein "Channel Surfing" auf YouTube gestellt und die Leute waren vom Angebot begeistert. Ein paar Sender fehlen noch, aber man kann nicht alles haben.

Ich gebe dir aber recht, dass jeder Kunde seine eigene Box wählen können sollte, aber auch die Konsequenzen tragen muss wie z.B. Klötzchenbildung dank schlechtem Tuner.

Ralf Beyeler hat gesagt…

Danke für den Kommentar. Wir haben ja auch im Digi-tv.ch-Forum bereits ein paar Diskusionen geführt.

Ich denke, das Programmangebot bei Cablecom ist grundsätzlich nicht schlecht. Auch wenn es noch ein paar unschöne Sachen gibt: Warum z.B. müssen Italiener für italienische Programme bezahlen, die Cablecom kostenlos ab Satellit oder ab Antenne im Tessin bezieht.

Weniger attraktiv finde ich die Boxen und auch die "Zusatzdienstleistungen" wie z.B. der EPG.

Ja, die Kunden müssten die Konsequenzen selber ziehen, wenn ein Tuner Probleme macht. Doch dies ist bereits in der analogen Welt ähnlich. Wenn ich einen schlechten Fernseher gekauft habe, kann ich nicht Cablecom die Schuld geben.

Grüsse



Ralf Beyeler