Donnerstag, 15. November 2007

Warum nur schwaches Digital-TV über Antenne?

Ab 26. November 2007 stellt die SRG die Ausstrahlung von analogen TV-Programmen in der Deutschschweiz ein. Betroffen sind alle Kunden, die ihre Programme über eine Haus- oder Zimmerantenne empfangen. Keine Änderungen gibt es hingegen für Kunden, die ihre Programme über Kabel, Satellit oder Bluewin-TV empfangen. Kunden, die ihre Programm über Antenne empfangen, müssen sich ein Empfangsgerät (die sogenannte Set-Top-Box) kaufen. Diese ist im Fachhandel ab rund 60 Franken erhältlich. Ab etwa 100 Franken gibt es USB-Sticks, die man am Computer oder Laptop einstecken kann. Im Gegensatz zu den meisten Anbietern von Digital-TV fallen für den Empfang des digitalen Antennen-TV zum Glück keine monatlichen Zusatzgebühren an.

Leider ist das Angebot äussert mickrig: In der Deutschschweiz werden nur SF1, SF2, TSR1 und TSI 1 digital ausgestrahlt. Im Bündnerland zusätzlich SFinfo und an der Grenze zur Romandie TSR2. Mehr Infos gibts auf der DVB-T Infoseite der SRG.

Die Schweiz hätte die Möglichkeit, 7 Bedeckungen zu nutzen. Mit einer Bedeckung kann man 4 TV-Programme in sehr guter Qualität ausstrahlen, aber es wäre denkbar, dass auch mehr Programme in guter Qualität ausgestrahlt würden.

Leider haben die Schweizer wenig Mut, ein attraktives Digital-TV-Angebot auf die Beine zu stellen. Anders im Ausland: In Grossbritannien und Frankreich sind fast flächendeckend über 20 TV-Programme zu empfangen. Auch in Deutschland sind oft um die 20 TV-Programme zu empfangen.

In der Schweiz will man wohl Heimatschutz für die Kabelnetz-Betreiber betreiben. Warum sonst haben die Schweizer Kunden, die notabene jedes Jahr 462 Franken für den Empfang von Radio- und TV-Programmen bezahlen müssen, nur so wenig Auswahl?

Wer in der Grenzregion wohnt, hat hingegen häufig Glück. Dort können viele Sender der Nachbarländer empfangen werden.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
www.comparis.ch

Kommentare:

Smid hat gesagt…

Die besten Vorbilder für DVB-T sind wohl Frankreich oder UK. Dort ist aber auch der Anteil der Konsumenten, die ab Antenne schauen recht hoch.

In meinen Augen braucht es auf jeden Fall einen zweiten Mux. TSR2, TSI2, SF info und TeleZüri (ab Uetliberg). Wie du aber richtig sagst, könnten wir noch viel mehr übertragen.

Die Frage stellt sich jetzt, wer dies bezahlt. Die Anschaffung der Anlagen ist das eine. Ich weiss aber nicht, ob alle Sender wirklich 7 Muxe ausstrahlen können. Würde man dann nur in Ballungsgebieten senden gäbe es wohl Proteste der ländlichen Gebiete.


Ich würde mir auch ein gutes DVB-T Angebot als Alternative wünschen. Somit wären auch Diskussionen um Abschaltungen von Sendern im Kabel passé. Die Frage bleibt wer dies bezahlt: Alle, also auch Leute ohne DVB-T? Die DVB-T Zuschauer (Verschlüsslung?) oder die Sender. Das gäbe sicher eine lustige Debatte in Bern.

Ich kann natürlich verstehen, dass die Kabler und Swisscom gegen eine solche Lösung lobbyieren würden. Kunden gibt schliesslich niemand freiwillig ab ;)

Ralf Beyeler hat gesagt…

Die Kabelbranche ist eine gut organisierte Branche. Denn bei vielen regionalen Kabelnetz-Unternehmen sitzen ehemalige Gemeinderäte, Kommunalpolitiker, Gross- bzw. Kantonsräte etc. im Vorstand oder im Verwaltungsrat. Diese Politiker werden auch noch zahlreiche Kontakte zu amtierenden Politiker auf Kommunal und Regionalebene haben. Und diese Politiker wiederum mit Politikern auf Bundesebene.

Ich denke, Swisscom hätte nicht einmal etwas dagegen. Die Swisscom-Tochtergesellschaft Swisscom Broadcast dürfte diese Programme ausstrahlen. Ausserdem kann Swisscom Fixnet ein Harddisk-Angebot auf Basis des DVB-T-Angebotes machen.

Betreffend Finanzierung: Ist es wirklich soviel teurer, sieben Muxe statt nur einen Mux zu verbreiten. Das glaube ich nicht. Ich bin dafür, dass dies über die Billag-Gebühr abgegolten wird. Warum eigentlich nicht, wenn jetzt sogar schon die Privat-TV-Betreiber Gelder aus den Gebührentopf erhalten. Das finde ich persönlich zwar sinnlos. Ich sehe nicht ein, warum man private Medien subventionieren muss.

Grüsse


Ralf Beyeler