Dienstag, 12. Mai 2009

(K) eine Einigung bei Glasfasern

Bekanntlich möchte Swisscom, dass jeder Netzbetreiber nicht nur eine Glasfaser sondern gleich vier Glasfasern in jede Wohnung gezogen werden. Andere Anbieter wie z.B. Elektrizitätswerke, die ebenfalls Glasfasern verlegen oder in Kürze verlegen wollen, setzen nur auf eine Glasfaser.

Ich sehe auch nicht ein, weshalb man vier Glasfasern in eine Wohnung legen soll. Eine einzige Glasfaser reicht völlig aus, insbesondere da die Kapazität einer Glasfaser nahezu unendlich ist. Eine zusätzliche Glasfaser dürfte meines Erachtens nur dazu führen, dass Swisscom ihr Monopol weiter ausbauen kann. Denn die drei zusätzlichen Glasfasern dürften Mehrkosten von 30 oder gar 50 oder noch mehr Prozent verursachen, die am Schluss der Kunde bezahlen muss. Beste Voraussetzungen, damit Swisscom weiterhin massiv zu hohe Preise von den Kunden verlangen kann.

Am 03. Mai 2009 sagte der Chef der Eidgenössischen Kommunikationskommission ComCom in einem Interview der Sonntags-Zeitung:
Das Wichtigste ist: Das Mehrfasermodell wurde akzeptiert. Es wird also schweizweit mindestens zwei Fasern geben, und zwar auf der ganzen Strecke zwischen Steckdose und Ortszentrale.
Diese Aussagen haben in der Branche grosses Erstaunen ausgelöst. Gemäss Personen, die an dem erwähnten Glasfaser-Gipfeltreffen der Telekom-CEOs dabei gewesen sind, sagen allerdings, dass es keine Einigung gegeben hat und sie von der Aussage von Marc Furrer überrascht gewesen sind. Swisscom hingegen spricht von einer Einigung.

Es wird allerdings auch klar, dass die Elektrizitätswerke zu einem Kompromiss bereit sind. Doch bei einem Kompromiss müssen sich mehrere Parteien einigen. Von einer Einigung könne jedoch noch lange keine Rede sein. Ich denke, dass alle Beteiligten - die Swisscom, die betroffenen Elektrizitätswerke und auch die Service-Provider wie Sunrise oder Orange - derzeit um eine für sie optimale Lösung werben und bisher noch gar nichts entschieden ist. Dafür spricht, dass zwar Swisscom sowohl mit der Freiburger wie auch mit den Basler Elektrizitätswerken eine Zusammenarbeit vereinbart hat. Die genauen Konditionen sind jedoch noch alles andere als klar. Es stellt sich die Frage, ob sich die Elektrizitätswerke und die Swisscom überhaupt einigen werden. Es würde auf jeden Fall nicht erstaunen, wenn die Partner wieder auseinander gehen und jeder für sich selbst bauen wird.

Ich bin davon überzeugt, dass der Internet-Zugang über Glasfaserleitungen schon bald weitverbreitet ist. Deshalb ist es wichtig, dass ein - und nicht vier - attraktives Glasfaser-Netz gebaut wird, dass von allen Anbietern wirklich diskriminierungfrei benutzt werden kann. Damit dies der Fall ist, darf der Netzbesitzer nicht auch gleichzeitig Angebote an Endkunden anbieten. Ansonsten haben wir die gleichen Probleme wie wir sie mit dem Telefonanschluss seit über 10 Jahren haben.

Es bleibt auf jeden Fall spannend und ich persönlich hoffe, dass das dubiose, unnötige und vor allem teure Vier-Faser-Modell bereits in Kürze Geschichte sein wird.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte von comparis.ch

Swisscom mit neuer Roaming-Option

Der Mobilfunk-Anbieter Swisscom hat eine neue Roaming-Option "World Option Flex" vorgestellt.

Der reisserische Titel der Medienmitteilung "Swisscom senkt die Roamingtarife massiv" ist massiv übertrieben. Für die allermeisten Kunden - die mit dem Standardtarif telefonieren - ändert sich meistens gar nichts. Es gibt eine neue Option mit dem Titel "World Option Flex", die sich allerdings für die meisten Kunden nicht rechnet. Lediglich, wer mit seinem Handy im Ausland surft oder intensiv kommuniziert, fährt mit der "World Option Flex" besser.

Comparis hat übrigens eine Medienmitteilung mit einer Analyse des neuen Swisscom-Angebots veröffentlicht. Das neue Swisscom-Angebot ist für die meisten Kunden teurer als der Standardtarif und es wird wieder mal komplizierter und nicht etwa einfacher.

Das Telefonieren und surfen im Ausland ist weiterhin sehr teuer. Hier sollten sich die Anbieter mal zusammenreissen und die Preise endlich auf ein vernünftiges Niveau senken. Aber dies dürfte wohl ein Traum bleiben. Übrigens ist Swisscom im Standard-Tarif weiterhin am günstigsten, bei den Optionen ist je nach Nutzungsverhalten Swisscom oder Orange günstiger.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte von www.comparis.ch

Montag, 11. Mai 2009

Unterschied zwischen Grande und Mezzo?

Hier eine weitere Frage für meine regelmässige Rubrik "Antworten auf Fragen".
Was ist der Unterschied zwischen "Natel Liberty Mezzo" und "Natel Liberty Grande"?
Die Anbieter sind kreativ und deshalb ist es für den Kunden nicht einfach oder praktisch unmöglich, sich im Dschungel der Tarife zurecht zu finden.

Zurück zur Frage: Die Swisscom-Angebote "Natel Liberty Mezzo" und "Natel Liberty Grande" haben mit einer einzigen Ausnahme die genau gleichen Tarife. Beim "Natel Liberty Mezzo"gibt es 250 Megabyte MB Datenvolumen (für die Datenübertragung innerhalb der Schweiz) inklusive, beim "Natel Liberty Grande" hingegen ein ganzes Gigabyte GB.

Die Anrufe kosten 50 Rappen pro angefangene Stunde für Anrufe ins Festnetz und ins Swisscom-Handynetz sowie 50 Rappen pro Minute für Anrufe auf Sunrise- und Orange-Handynetze. Das SMS kostet bei beiden Abos 20 Rappen.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte www.comparis.ch

Donnerstag, 7. Mai 2009

Cablecom verliert Kunden

In den vergangenen Quartalen wurden die Quartalsresultate der Cablecom jeweils mit einer deutschsprachigen Medienmitteilung kommuniziert. Doch jetzt ist alles anders: Cablecom verzichtet darauf, eine Medienmitteilung mit den Quartalszahlen zu veröffentlichen. Immerhin veröffentlicht Cablecom die Quartalsresultate der Muttergesellschaft Liberty Global auf Englisch. Interessierte müssen selber durch einen Dschungel von Informationen aller Gesellschaften kämpfen und die Cablecom betreffende Daten selber heraussuchen.

Die Resultate sind denn auch alles andere als berauschend: Die Zahl der Internet-Kunden und der Festnetz-Kunden haben zwischen Januar und März um etwa 300 bzw. 1500 abgenommen. Jetzt hat Cablecom noch 485'200 Internet-Kunden und 307'800 Telefonie-Kunden. Immerhin konnte Cablecom im Kerngeschäft Fernsehen noch rund 1'100 Kunden gewinnen. Dies ist eine sehr bedrohliche Entwicklung.

Hauptgrund für den Rückgang dürfte der extrem schlechte Kundenservice der Cablecom sein. Offensichtlich lassen sich die Kunden nicht mehr alles gefallen und zeigen Cablecom die rote Karte für die kundenunfreundliche Strategie der letzten Jahre.

Die aktuelle Preiserhöhung der Cablecom dürfte auch nicht dazu führen, dass die Kunden zufriedener werden. Ausserdem: Jetzt wo telefonieren gleich teuer wie bei Swisscom ist bzw. mit Berücksichtigung der Option nur noch leicht günstiger, dürften auch einige Cablecom-Kunden wieder zur Swisscom zurückwechseln und vom besseren - wenn auch nicht perfekten - Swisscom-Kundenservice profitieren.

Es bleibt auf jeden Fall spannend.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte von comparis.ch

Swisscom: Keine massive Preissenkung

Bereits im April hat Swisscom eine Medienmitteilung unter dem Titel "Massive Preissenkung bei Mobile Unlimited" veröffentlicht. Bei Mobile Unlimited handelt es sich um ein Produkt, um mit dem Notebook, Laptop oder Netbook zusammen mit einem UMTS-Modem im Internet zu surfen.

Grundsätzlich finde ich die Änderungen gut, auch wenn Swisscom beim Titel dieser Medienmitteilung massiv übertrieben hat. Die allermeisten Kunden werden nämlich wie bisher 59 Franken pro Monat bezahlen. Der Preis ändert sich damit überhaupt nicht. Vielsurfer, die bisher die teurere Variante für 79 Franken pro Monat genutzt haben, werden in den Genuss einer Preissenkung von 20 Franken kommen. Für diese Kunden bedeutet dies tatsächlich eine Preisreduktion um über 25%.

Profitieren werden auch die Kunden, die das zur Verfügung stehende Monatsvolumen überschritten haben. Kunden erhalten damit keine Rechnungen über mehrere hundert oder sogar mehrere tausend Franken mehr, nur weil sie zuviele Daten übertragen haben (ausser sie haben UMTS bzw. HSDPA im Ausland benutzt. Das Surfen im Ausland ist weiterhin unverschämt teuer).

Stattdessen behält sich Swisscom das Recht vor, bei mehr als 10 Gigabyte übertragene Daten im Kalendermonat die Geschwindigkeit des mobilen Internet-Zugangs zu reduzieren. Als erster Anbieter hat Sunrise letzten Herbst diese Regelung eingeführt, Orange zog kurze Zeit nach. Und als letzter Schweizer Anbieter hat nun auch Swisscom auf diese kundenfreundliche Regelung umgestellt. Swisscom ist übrigens 10 Franken teurer als Sunrise und Orange.

Ich begrüsse solche Angebote und finde diese wesentlich kundenfreundlicher. Dank Sunrise, die in den letzten Jahren zweimal eine sehr gute Idee hatte (zuerst der Internet-Zugang mit der Tagespauschale und dann der unlimitierte Internet-Zugang). Und es brauchte auch Mut, ein solches Angebot zu lancieren. Dass sowohl Orange wie Swisscom beide innovative Produkte kopiert haben, spricht für sich.

In meinem Blog habe ich letzten August folgenden Wunsch geäussert und ich bin froh, dass dieser nun in Erfüllung gegangen ist. Die Kunden werden sich freuen:
Ich begrüsse es, wenn so einfache und verständliche Angebote auf den Markt kommen. Jeder weiss, was ein Monat ist, niemand kann sich jedoch unter einem MB etwas vorstellen. Jetzt sind Swisscom und Orange gefordert, ebenfalls entsprechende Angebote zu lancieren.
Sehr positiv und für Mobilfunk-Anbieter ungewohnt: Die neuen Konditionen gelten für alle bestehenden Kunden automatisch, ohne dass man sich mühsam manuell ummelden muss.

Einen kleinen Nachteil gibt es jedoch: Ausgerechnet für Studenten, die das Internet intensiver als andere nutzen dürfte, wurde die Limitierung des Datenvolumen nicht aufgehoben. Studenten sollten daher das teurere Angebot für Nicht-Studenten (59 Franken pro Monat) nutzen oder falls ihnen dies zu teuer ist, die Angebote von Orange (39 Franken pro Monat für Studenten) oder Sunrise (49 Franken pro Monat) nutzen. Dann besteht keine Gefahr, eine Horror-Rechnung zu erhalten, nur weil man einwenig zuviel gesurft hat.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte von comparis.ch

Festnetz bei Cablecom wird teurer

Cablecom überrascht ihre Kunden derzeit mit der Information über eine Preisänderung beim Festnetz-Angebot.

Anrufe aus dem Festnetz ins Festnetz werden ab Juli 2009 um die Hälfte teurer. Statt 4 Rappen kostet die Gesprächsminute neu 6 Rappen. Vor einem Jahr bezahlte man noch 3 Rappen pro Minute. Kostete vor einem Jahr ein 4-Minuten-Anruf innerhalb des Festnetzes noch 20 Rappen, so werden es in Zukunft 40 Rappen sein. Denn nicht nur der Minutenpreis wurde teurer, Cablecom erhöhte bereits im letzten Herbst die Verbindungsaufbaugebühr auf 10 Rappen und rechnet ab 01. Juli 2009 neu im 10-Rappen-Takt ab.

Wie bisher kosten bei Cablecom Anrufe ins Festnetz nur während der Woche bis 19 Uhr. Abends nach 19 Uhr sowie am ganzen Wochenende kostet das Telefonieren innerhalb des Schweizer Festnetzes wie bisher nichts.

Comparis hat heute eine Medienmitteilung zur Preiserhöhung der Cablecom veröffentlicht. Interessant: Ein Kunde, der acht Stunden pro Monat innerhalb des Festnetzes telefoniert und zwei Stunden aus dem Festnetz in die Handynetze telefoniert, bezahlte bisher 87.20 Franken, ab 01. Juli 2009 dann 98 Franken. Swisscom ist mit 98.10 Franken gleich teuer. Günstiger sind Sunrise (85.25 Franken), Swisscom mit Option (86.60 Franken) oder Cablecom mit Option (79.60 Franken). Die Differenzen zwischen den Anbietern sind sehr gering und Cablecom ist damit preislich definitiv kein Billiganbieter mehr. Im Preisvergleich wurden die Kosten für den Internet-Zugang nicht berücksichtigt. Berücksichtigt man diese auch, so ist Sunrise meist günstiger als Cablecom.

Grund für das schlechte Abschneiden der Cablecom sind insbesondere die Tarife für Anrufe in die Handynetze: Bereits seit Jahren kosten Anrufe auf Handys der drei grossen Schweizer Anbieter Swisscom, Sunrise und Orange 35 bis 45 Rappen pro Minute. Zum Vergleich: Swisscom verrechnet für Anrufe aus dem Festnetz auf die Handys der drei grossen Anbieter zwischen 27 und 40 Rappen pro Minute. Musste Cablecom (und auch alle anderen Anbieter) vor drei Jahren noch etwa 35 Rappen pro Minute an die Mobilfunk-Anbieter bezahlen, so sind es heute nur noch 15 bis 18 Rappen pro Minute. Die Kosten für die Cablecom sind also massiv gesunken, die Preise sind jedoch hoch geblieben.

Betroffen von der Preiserhöhung sind übrigens alle Cablecom-Kunden. Kunden, die bisher mit einer "Unlimited"-Option telefonieren oder sich für das Promotionsangebot "für immer gratis ins Festnetz telefonieren" angemeldet haben, sind weniger stark von der Preiserhöhung betroffen. Anrufe ins Festnetz sind für diese Kunden wie bisher rund um die Uhr kostenlos. Dies gilt auch für Kunden, die sich für den neuen Preisplan "Freecall" entscheiden.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte von comparis.ch

Montag, 4. Mai 2009

Gibt es Mobilfunk-Flatrates?

Nachdem ich beim letzten Beitrag für die Rubrik "Antworten auf Fragen" auf das Thema Festnetz-Flatrate eingegangen bin, diesmal eine sehr ähnliche Frage:
Gibt es Handy-Flatrates?
Anders als im Ausland gibt es in der Schweiz keine einzige echte Handy-Flatrate.

Der Vorteil einer Flatrate zeigt sich im Internet: Der Internet-Zugang ist eigentlich eine echte Flatrate. Egal wann ich wie oft welche Seiten abrufe, ich bezahle den vorher abgemachten monatlichen Pauschalpreis. Dabei spielt es keine Rolle, ob ich eine Internet-Seite von einem schwerischen, einem deutschen, einem amerikanischen oder einem afrikanischen Server aufrufen. (Eine kleine Einschränkung gibt es: Einige Anbieter behalten sich im Kleingedruckten vor, den Kunden bei zuviel Nutzung abzuschalten und den Schaden zu verrechnen.)

Bei den Handy-Flatrates von den Schweizer Anbieter ist es allerdings eher Lotto, ob der Anruf nun in der meist hohen Monatspauschale inklusive ist oder nicht. Das wichtigste Kriterium ist, bei welchem Anbieter der Angerufene telefoniert. Ist der Angerufene zufälligerweise beim gleichen Anbieter, ist der Anruf kostenlos. Falls dies nicht der Fall ist, wird es sehr schnell sehr teuer. Immerhin: Enthält die Handy-Flatrate eine Flatrate für Anrufe ins Festnetz, so spielt es eigentlich keine Rolle, bei welchem Anbieter der Angerufene telefoniert. Es wird der gleiche Tarif verrechnet. Aber auch hier gibt es Anbieter, die sich im Kleingedrukten das Recht zusprechen, Anrufe auf Festnetz-Nummern unter bestimmten Voraussetzungen zu verrechnen.

Das grosse Problem ist dann, dass die Kunden denken, sie könnten unbeschwert telefonieren und dann eine hohe Rechnung erhalten. Wer natürlich denkt, dass er kostenlos telefonieren kann, nutzt den Service intensiver.

Noch eine Bemerkung zum Schluss: Anrufe auf Mehrwertdienste-Nummern sind in der Flatrate nicht inklusive. Dies ist auch sinnvoll, weil bei einem Anruf auf eine solche Nummer primär einen Service bezogen wird, der dann direkt auf der Handy-Rechnung verrechnet wird.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte www.comparis.ch

Sonntag, 3. Mai 2009

Handy ist kein Geld

Letzten Donnerstag erschien im Tages-Anzeiger der Artikel "Das Handy gezückt, die Rechnung bezahlt" (Artikel online erhältlich). Der Hintergrund-Artikel erzählt von der Schwierigkeiten, das Handy als Bargeld-Ersatz zu etablieren. Tatsächlich ist das Bezahlen per Handy in Europa noch in den Kinderschuhen. Das Bezahlen per Handy hat sich vor allem in den Entwicklungsländern etabliert und wird dort von Kunden genutzt, die meist kein Bankkonto haben.
Eines der ersten Projekte in der Schweiz wurde 2006 gestartet. Zusammen mit der Swisscom rüstete Selecta ihre Verpflegungsautomaten in grösseren Bahnhöfen mit einem mobilen Bezahlservice aus. Das Problem: Der Dienst ist viel zu umständlich. Um die Rechnung per Handy zu begleichen, muss man einen Code eintippen und eine Nummer anrufen.
Das Anrufen auf eine Nummer ist grundsätzlich nicht umständlich. Es dürfte allerdings irritierend sein, dass es sich nicht um eine normale Telefonnummer handelt, sondern um einen sogenannten USSD-Code. Der Kunde dürfte von einer Telefonnummer, die mit einem Stern beginnt und mit der Gartenhag-Taste aufhört, überrascht sein und eventuell ist der Kunde mit der Eingabe dieser Nummer auch überfordert. Das die Produkte bei der Bezahlung mit dem Handy auch leicht teurer sind, dürfte bei den vergleichsweise teuren Automaten-Produkten wohl keine allzugrosse Rolle spielen.

Die grosse Hoffnung der Mobilfunk-Anbieter heisst Near Field Communication (NFC). Im Handy ist ein Funkchip eingebaut. Um zu bezahlen, einfach das Handy zum Terminal halten. Derzeit werden keine NFC-Handys verkauft, es gibt lediglich einzelne Geräte für Pilotprojekte. Vor etwa einem Monat haben Swisscom, Orange und Sunrise angekündigt, dass Sie zusammen mit interessierten Banken, Handelsunternehmen und Verkehrsbetrieben eine Arbeitsgruppe bilden wollen, um Möglichkeiten für NFC abzuklären und Schnittstellen zu definieren.
Ausserdem ist nicht klar, ob die Kunden das System als sicher empfinden werden. [...] Für die Mobilfunkanbieter ist das Handyportemonnaie nur dann interessant, wenn sie daran mitverdienen. Die grossen Finanzdienstleister, die den Zahlungsverkehr bisher managen, müssten ihre Einnahmen mit einer zusätzlichen Partei teilen.
Ich gehe davon aus, dass zusätzliche Sicherheitsmerkmale eingebaut werden müssen. Denkbar wäre wie bei der Zahlung mit ec- oder Kreditkarte die Eingabe eines PIN-Codes oder das Unterschreiben, eventuell auch kombiniert mit zusätzlichen Systemen wie Fingererkennung oder Digitalkamera (beim Einkauf wird ein Foto gemacht und damit der Käufer dokumentiert). Ohne zusätzliche Merkmale ist das Risiko grösser, dass die Kunden das System nicht als sicher einstufen.

Wichtig ist meiner Meinung nach auch der zweite Punkt: Bei Dienstleistungen, die man über die Telefonrechnung bezahlen kann, erheben die Mobilfunk-Anbieter sehr hohe Gebühren. Für das Bezahlen per SMS sollen 40 bis 60% des Gesamtbetrages als Inkassogebühr in der Tasche des Mobilfunk-Anbieters landen. Selbst bei der Bezahlung mit Kreditkarten fallen für den Händler Gebühren von einigen Prozenten an. Diese Gebühren sind zwar im Vergleich zu den Gebühren der Handy-Anbieter niedriger, werden aber oftmals als zu teuer empfunden. Damit der NFC sich sowohl bei Kunden wie auch bei Verkäufern durchsetzen kann, müssen die Gebühren sehr attraktiv sein.

Ich persönlich glaube daran, dass das Bezahlen über das Handy erfolgreich sein kann. Voraussetzung ist ein einfaches und sicheres Produkt, mit dem man seine Einkäufe schnell bezahlen kann. Da viele Schweizer sowieso ständig ein neues Handy zum Nulltarif beziehen (und dieses dann durch massiv überhöhte Preise abzahlen), dürften sich die NFC-Handys schnell verbreiten. Damit dürften auch Migros und Coop und viele andere ein Interesse daran haben, dieses Zahlungsmittel einzuführen. Dies werden sie vor allem dann tun, wenn sie sich Vorteile vom neuen Zahlungsmittel erhoffen. Wenn ich allerdings daran denke, dass ich mit meiner ganz normalen, altmodischen Kreditkarte in vielen Coop- und Migros-Filiale nicht einkaufen kann, wage ich dies zu bezweifeln. (Nebenbei gesagt ist es willkürlich, wo man mit Kreditkarte bezahlen kann und wo nicht. In einigen Quartierfilialen von Migros- und Coop kann man problemlos mit Kreditkarte bezahlen, doch selbst an der Migros- oder Coop-Kasse zahlreicher grosser Einkaufszentren wird die Kreditkarte nicht akzeptiert!)

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte von comparis.ch

Handys bei Denner aufladen


Seit dem 01. Mai 2009 kann auch beim Discounter Denner Guthaben für das Prepaid-Handy gekauft werden. Konkret erhältlich ist Gesprächsguthaben für Swisscom, Sunrise und Yallo sowie ab 01. Juni 2009 auch für Orange. Bereits seit längerer Zeit können Kunden Prepaid-Guthaben bei Coop und bei Migros kaufen. Heute ist es kein Problem mehr, sein Prepaid-Handy mit Geld aufzuladen. Neben Migros, Coop und Denner verkaufen auch Kioske, Poststellen, Handy-Shops, Elektrogeschäfte und viele weitere Prepaid-Guthaben. Ausserdem ermöglichen auch viele Bancomaten und Billetautomaten das Aufladen von Prepaid-Guthaben.

Denner bietet einen minimalen Discount von 1 bis 2.5%. Für 10 Franken Guthaben muss der Kunde z.B. 9.90 Franken bezahlen. Dieser Rabatt ist sehr klein. Für den Kunden lohnt es sich eher, auf Rabattaktionen zu warten, bei dem der Kunde einmalig etwa 20 bis 50 Prozent mehr Guthaben erhält als er einbezahlt. Solche Aktionen gibt es regelmässig bei verschiedenen Anbietern. Bei Lebara und Lycamobile gibt es derzeit sogar bis zu 75% mehr Guthaben aufs Konto.

Ausserdem erstaunt, dass Denner nicht auf ein eigenes Angebot setzt, sondern "nur" Guthaben für die drei grossen Anbieter und Yallo anbietet. Die Mitbewerber Migros, Coop und Aldi haben eigene Prepaid-Tarife mit günstigen Tarifen. Die Angebote, für die bei Denner Prepaid-Guthaben aufgeladen werden kann, sind eher teuer. Der Kunde fährt in der Regel günstiger, wenn er mit einem Prepaid-Handy von Migros, Coop oder Aldi telefoniert als wenn er das Guthaben bei Denner kauft und mit diesen Angeboten telefoniert.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte von comparis.ch

Donnerstag, 23. April 2009

Wer verdient an Glasfaser-Netzen?

In der Berner Tageszeitung "Der Bund" ist vor einigen Tagen in interessanter und lesenswerter Hintergrund-Artikel unter dem Titel "Wer verdient an Glasfaser-Netzen?" erschienen. Es geht insbesondere um die Frage, wer ausser Swisscom mit Glasfaser-Netzen Geld verdienen könne. Denn es ist klar: In Städten, in denen die Elektrizitätswerke gemeinsam mit Swisscom ein Netz bauen, wie in Basel oder Bern, wird Swisscom gleichzeitig der grösste Kunde der Elektizitätswerke sein. Ausserdem wird Swisscom die Glasfaser-Leitungen auch anderen Anbietern anbieten.

Weil Swisscom auf ihr Vier-Fasern-Modell beharrt, entstehen erhebliche unnötige Mehrkosten. Zwar hat Swisscom mit den Elektrizitäswerken Absichtserklärungen unterschrieben, doch über die Konditionen herrscht wohl noch eine sehr grosse Unklarheit und es würde mich nicht überraschen, wenn einer der Deals noch platzen würde.

Für die Elektrizitätswerke wäre am sinnvollsten, wenn Swisscom die Mehrkosten für die drei zusätzlichen Fasern übernehmen würde und natürlich auch direkt bezahlen würde. Auch die Mietkosten für die Leitung dürfte noch für Diskussionen Anlass geben. Es ist meines Erachtens sehr wichtig, dass alle Anbieter die gleichen Konditionen bezahlen und kein Anbieter bevorzugt wird. Ich zweifle aber daran, dass dies wirklich gelingen wird.

Der oben erwähnte Artikel endet übrigens mit folgendem Satz:
Im Zentrum wird die Frage stehen, wie die Elektrizitätswerke mit ihren Glasfasernetzen Geld verdienen können – und nicht nur die Swisscom.
Es ist wichtig, dass diese Hoffnung in Erfüllung gehen sollte.

Wichtig erscheint mir auch, dass den Kunden innovative Dienstleistungen zu günstigen Preisen zur Verfügung stehen werden. Wenn ich die derzeitigen Preise sehe, muss ich leider sagen, dass dies noch nicht der Fall ist.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte von comparis.ch

Telefonieren billiger - ausser fuer Schweizer!

Die EU hat nun die Ausweitung der Regulierung betreffend Roaming-Gesprächen beschlossen. Neu sind nur abgehende und ankommende Gespräche reguliert, sondern auch SMS und Datenverkehr. Die Kunden in den EU-Ländern werden damit von nochmals niedrigen Preisen für im Ausland geführte Gespräche profitieren.

Die NZZ hat heute den Artikel "Billigere SMS aus den Ferien" dazu veröffentlicht. Interessant ist vor allem folgender Abschnitt:
Schweiz zieht mit
Dennoch haben sich die ersten EU-Preisobergrenzen von 2007 indirekt zum Teil auch auf Schweizer Kunden ausgewirkt, weil die Anbieter bei Verhandlungen mit EU-Gesellschaften auf ähnliche Einkaufspreise drängten. Vor diesem Hintergrund erklärte ein Swisscom-Sprecher, man gehe davon aus, dass die Preise für das SMS- und Daten-Roaming in den nächsten Monaten auch für Schweizer Kunden fallen würden.
Ich habe starke Zweifel, ob die Kunden wirklich so stark profitieren werden. In der Realität dürfte es so sein, dass die Schweizer Konsumenten weiterhin beim Roaming über den Tisch gezogen werden. Denn bereits seit 2007 sind die Roaming-Tarife in der EU reguliert. Einzig Swisscom hat ein paar Monate später ihre Tarife radikal reduziert. Wer mit Sunrise oder Orange telefoniert, bezahlt (mit den Standard-Tarifen) weiterhin gleichviel wie vor Jahren. Keine Spur von einer Preissenkung. Weshalb sollte dies diesmal anders sein?

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte von comparis.ch

Montag, 20. April 2009

Schweizer Handy-Tarife massiv ueberteuert

Für 20 Minuten habe ich vor kurzem einen Tarifvergleich erstellt. In Österreich bietet der Mobilfunk-Anbieter Orange "Team Orange 25" an. Für 25 Euro pro Monat kann während 1000 Minuten in alle österreichischen Netze telefoniert werden. Für weitere 10 Euro pro Monat gibt es 1000 SMS und für 5 Euro sind 100 Megabyte Datenvolumen inklusive. Für 40 Euro pro Monat - das sind etwas über 60 Franken pro Monat - gibt es ein attraktives Paket, das für die meisten Kunden absolut ausreichen düfte. Für 20 Minuten habe ich berechnet, wieviel ein vergleichbares Produkt in der Schweiz kostet.

Die Unterschiede sind massiv und zeigen, dass die Schweizer massiv draufzahlen. Sunrise verrechnet für die 1000 Minuten, die 1000 SMS und allerdings 250 MB Datenvolumen 249.85 Franken pro Monat. Das ist viermal mehr als Orange in Österreich.

Orange Schweiz verrechnet mit dem "Maxima"-Abo 379.30 Franken pro Monat und Swisscom ist nochmals teurer: Ganze 458.60 Franken pro Monat verlangt Swisscom mit Natel Pro Liberty. Mehr als siebenmal so viel wie Orange in Österreich. Für den Preisvergleich wurde übrigens das jeweils günstigste Angebot von Swisscom, Sunrise und Orange in der Schweiz berücksichtigt.

Orange begründete gegenüber 20 Minuten, weshalb Orange Schweiz so teuer ist. Verwirrender kann die Aussage nicht sein:
Orange-Pressesprecherin Therese Wenger betonte, dass «im Gegensatz zu den Nachbar- und EU-Ländern Orange in der Schweiz bei der Erbringung ihrer Dienstleistungen höhere Kosten entstehen, zum Beispiel durch komplexes, föderatives Baurechtsverfahren beim Netzausbau, zehnfach strengere Grenzwerte bei Mobilfunkanlagen, Anforderungen an die Netzqualität, die Topografie, massiv stärker vergünstigte Mobiltelefone und nicht den Marktanteilen entsprechende Asymmetrie der Terminierungsgebühren.» Berücksichtigt man die unterschiedlichen Voraussetzungen, würden also die Schweizer Mobilfunktarife im europäischen Durchschnitt liegen. Alles klar?
Obwohl ich mich tagtäglich mit Mobilfunk-Tarifen beschäftige, habe ich ehrlich Mühe, diese Antwort zu verstehen. Das es in den Gemeinden unterschiedliche Bauverordnungen gibt, dürfte wohl kaum zu diesen massiven Unterschieden führen. Auch Österreich hat Berge und da fragt man sich, wie sehr sich die Topografie von Österreich mit denjenigen der Schweiz unterscheidet. Vergünstigte Handys gibt es auch in Österreich. Im Gegensatz zur Schweiz sind die Terminierungsgebühren in Österreich reguliert und die Anbieter können keine Fantasiepreise wie in der Schweiz verrechnen. Auch die höheren Grenzwerte dürfte nicht zu so massiv höheren Preisen führen. Denn an vielen Orten braucht es mehr Antennen, weil einfach sehr viele Kunden inzwischen mit dem Handy kommunizieren und dafür entsprechende Kapazitäten notwendig sind.

Und auch Swisscom kommt zu Wort:
«In Österreich ist der Markt sehr anders strukturiert als bei uns. Bei unseren Nachbarn sind eine recht hohe Ausprägung des Mobilfunkmarktes mit hohen Bandbreiten und zum Teil sehr günstigen Preisen zu sehen. In der Schweiz hingegen legen die Konsumenten ein sehr hohes Gewicht auf schnelle ADSL-Anbindungen und eine mobile Breitband-Ergänzung via HSPA.»
Der Markt ist anders strukturiert und die Kunden profitieren vom Wettbewerb. Die Anbieter wiederum müssen attraktive Angebote auf den Markt bringen, um neue Kunden zu gewinnen und bestehende Kunden zu halten. Was schnelle ADSL-Anbindungen mit den Mobilfunk-Tarifen zu tun hat, ist eine andere Frage und für mich nicht nachvollziehbar. Aber auch bei ADSL ist Österreich massiv günstiger, wie ein von mir erstellter Vergleich für den Kassensturz vor kurzem gezeigt hat.

Interessant übrigens auch die Kommentare auf 20 Minuten online:
Hier werden Tatsachen offensichtlich völlig verfälscht.Wäre Swisscom wirklich 7x teurer als Orange Austria bzw. 2x teurer als Sunrise, wären dann 70% der Schweizer Mobilteilnehmer bei Swisscom?
Die Höhe der Tarife hat grundsätzlich nichts mit dem Marktanteil zu tun. Erst wenn die Kunden aufgrund des Preises den Anbieter wechseln würde, würde Druck auf den Anbieter kommen und die Preise sinken.
Im Ausland ist z.B. ADSL billiger, dafür kommt der Speed bei vielen Anbietern kaum über 10-20% von dem was beworben wird. Bei uns in der CH sieht das schon besser aus.
In der Schweiz surft weniger als jeder zweiter Kunde mit der versprochenden Geschwindigkeit. Und auch in der Schweiz gibt es viele Kunden, die surfen nur noch mit 600 KBit/s im Internet, das sind 12% der üblichen 5000 KBit/s.
Solange ich innerhalb der Swisscom telefoniere, sind die Preise okay. Wenn ich aber Kollegen anrufe, die bei Sunrise oder Orange, wirds schnell verdammt teuer.
Ja, das ist in Österreich anders. Für die 25 Euro kann ich 1000 Minuten in alle österreichischen Netze telefonieren. Die Strategie von Swisscom ist klar: Man will damit möglichst viele Kunden bei sich behalten, weil die Kunden wissen, dass die Kollegen ansonsten mehr für das Telefonieren bezahlen müssen.
aber wie kommen die bei sunrise auf 249.85.. Flat max 75.-( sunrise Mobile und CH-Festnetz unlimitiert. // Message option Fr.19/1000sms und 250MB sind sowieso schon inklusive im flat max.. also macht das total fr 94.-
Weil die Kunden nicht nur auf Sunrise-Handys und ins Festnetz anrufen und diese zusätzlichen Minuten schön ins Geld gehen. Natürlich ist die 19 Franken-Option für 1000 SMS berücksichtigt.
Die Telcos erfinden absichtlich lustige Abos, um direkte Vergleiche zu verunmöglichen. Dass wir aber im besten Fall vier Mal so viel wie die Österreicher bezahlen müssen, geht auf keine Kuhhaut, das ist doch Abzocke pur.
Volle Zustimmung. Mit komplexen und schwerverständlichen Tarifen wollen die Anbieter die Kunden verwirren, so dass diese weiterhin viel zu viel bezahlen.
in der schweiz gibt es doch auch tonnenweise 7.- abos mit 1000sms etc.... wurden diese berücksichtigt?
Bitte melden. Mir ist kein Abo bekannt, wo ich für 7 Franken 1000 SMS versenden kann? Tipps sind herzlich willkommen.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte von comparis.ch

Gibt es Festnetz-Flatrates?

Hier eine weitere Frage für meine regelmässige Rubrik "Antworten auf Fragen".
Gibt es Festnetz-Flatrates?
Ja, von verschiedenen Schweizer Anbietern gibt es eine Festnetz-Flatrate. Mit einer Flatrate können beliebig viele Anrufe zu bestimmten Nummern geführt werden. Häufig werden auch falsche Flatrates angeboten, bei denen die Anzahl der Anrufe oder Minuten limitiert ist. Genaugenommen handelt es sich dabei um keine Flatrate, sondern um einen Tarif mit Inklusivminuten.

Zurück auf die Frage: Eine echte Flatrate bieten "DSL Infinity" von Swisscom und "Click & Call 15000+" von Sunrise. Mit beiden Angeboten können beliebig viele Anrufe aus dem Schweizer Festnetz ins Schweizer Festnetz geführt werden. Normal verrechnet werden Anrufe in die Handynetze sowie ins Ausland. Ebenfalls nicht in der Flatrate inbegriffen sind Anrufe auf Mehrwertdienste-Nummern (beginnen z.B. mit 0840, 0842, 0844, 0848, 0878, 0900, 0901, 0906). Sowohl "DSL Infinity" wie auch "Click & Call 15000+" sind Kombi-Tarife und enthalten einen schnellen Internet-Zugang sowie die erwähnte Festnetz-Flatrate. Swisscom verlangt pro Monat 94.25 Franken (inkl. Festnetz-Anschluss) und Sunrise verlangt maximal 79 Franken pro Monat. Sunrise-Handy-Kunden erhalten einen zusätzlichen Rabatt. Das Sunrise-Angebot ist nur regional begrenzt erhältlich.

Kunden von Cablecom können mit der Option "Unlimited" für 25 Franken pro Monat (normaler Preis, mit Promotionsangebote teilweise 20 oder 23 Franken pro Monat) unbeschränkt ins Festnetz telefonieren. Voraussetzung ist ein analoger Kabel-Anschluss, der mindestens 26.45 Franken im Monat kostet. Auch das Cablecom-Angebot ist nur regional begrenzt erhältlich.

Auch für das Handy gibt es Abos, mit denen unbeschränkt ins Festnetz telefoniert werden kann: Dies ist z.B. bei den beiden Jugend-Angeboten Natel Swiss xtra-liberty, Natel Liberty xtra-Mezzo (beide von Swisscom, nur für Kunden unter 26 Jahren), beim Flat Classic und Flat Max (beide von Sunrise) oder Maxima (Orange) der Fall.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte www.comparis.ch

Montag, 6. April 2009

Wieviel Bandbreite brauche ich?

Hier eine weitere Frage für meine regelmässige Rubrik "Antworten auf Fragen".
Für welchen ADSL-Anschluss soll ich mich entscheiden? Welche Bandbreite brauche ich?
Die Frage kann nicht sehr allgemein beantwortet werden. Denn es kommt vor allem auf das individuelle Nutzungsverhalten an.

Angebote mit 1000 KBit/s (oder etwa 1 MBit/s) reichen völlig aus, wenn nur durchs Internet gesurft wird, Mails bearbeitet werden oder über Online-Banking das Konto verwaltet wird. Auch für das Ansehen von Videos und das Hören von Radios reicht die Bandbreite völlig aus.

Angebote mit 5000 KBit/s (oder etwa 5 MBit/s) sind in der Schweiz am meistverbreitesten. Wer häufig Videos und Musiksongs herunterlädt, wartet weniger lang, bis die Datei auf dem Computer ist. Ausserdem können auch Videostreams in einer besseren Qualität betrachtet werden, doch auch der Anbieter des Videostreams muss diese bessere Qualität erst mal anbieten.

Noch schnellere Angebote sind derzeit eigentlich Luxusprodukte und bieten eine noch schnellere Geschwindigkeit an. (Auch ich persönlich surfe mit einem 15'000 KBit/s-Angebot im Internet, wobei ich effektiv auf rund 13'000 KBit/s komme. Obwohl ich ansonsten von Luxus nicht viel halte, gönne ich mir diesen kleinen Luxus. Immerhin bezahle ich mit 69 Franken pro Monat für einen ADSL-Anschluss und einen Festnetz-Anschluss mit Festnetz-Flatrate weniger als die meisten Schweizer für einen langsameren Internet-Anschluss (mit notwendigem Festnetz-Anschluss)).

Vielen Kunden sind die Bezeichnung der Bandbreiten unklar. In der Regel sind 1000 Bit/s 1 KBit/s und 1024 KBit/s ein MBit/s. (Weshalb mal mit 1000 gerechnet wird, dann mit 1024 ist mir auch unklar. Anscheinend wird es nicht einheitlich gehandhabt.). Vereinfacht gesagt kann pro Sekunde mit einer Bandbreite von 1000 KBit/s oder etwa einem MBit/s 125 KByte übertragen werden. Um ein Megabyte zu übertragen, benötigt man also 8 Sekunden bei einer Geschwindigkeit von 1000 KBit/s oder etwa 1 MBit/s. Beträgt die Geschwindigkeit des Internet-Anschlusses 8000 KBit/s oder etwa 8 MBit/s, ist ein Megabyte in einer Sekunde übertragen. Doch es handelt sich um Maximalwerte, da die Daten manchmal aus technischen Gründen auch langsamer im Internet unterwegs sind.

Hier noch zur Informationn eine Tabelle mit den verschiedenen Geschwindigkeiten in unterschiedlichen Untereinheiten:
1000 KBit/s = ca. 1 MBit/s

2000 KBit/s = ca. 2 MBit/s

5000 KBit/s = ca. 5 MBit/s

10000 KBit/s = ca. 10 MBit/s

15000 KBit/s = ca. 15 MBit/s

20000 KBit/s = ca. 20 MBit/s

25000 KBit/s = ca. 24 MBit/s

30000 KBit/s = ca. 29 MBit/s

50000 KBit/s = ca. 48 MBit/s



Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte www.comparis.ch

Sonntag, 5. April 2009

Glasfaser-Angebote in der Stadt Zürich

Der Telekom-Anbieter Orange hat sein Glasfaser-Angebot für die Stadt Zürich bereits im Sommer 2008 bekanntgegeben. Letzten Donnerstag informierten auch Sunrise und Swisscom über ihr Glasfaser-Angebot.

Die Angebote von Orange (Orange Home) und Sunrise (Sunrise Home Combi) stehen Kunden zur Verfügung, bei denen bereits bis in die Wohnung eine Glasfaser des Elektrizitätswerk Zürich EWZ gelegt ist. Dies ist derzeit bei rund 10'000 Haushalten der Fall. Bis Ende Jahr sollen 15'000 bis 18'000 Haushalte angeschlossen sein. Das Glasfaser-Netz des EWZ ist ein offenes Netz und deshalb ist es wahrscheinlich, dass bereits in Kürze weitere Anbieter ebenfalls Services für Privatkunden auf diesem Netz anbieten werden.

Das Angebot von Swisscom ist in einigen hundert Haushalten verfügbar. Theoretisch handelt es sich auch biem Swisscom-Netz um ein offenes Glasfaser-Netz. Es ist jedoch fraglich, wie offen das Netz in der Praxis wirklich sein wird. Ein offener Punkt ist insbesondere, wie die Diskriminierung der anderen Provider durch Swisscom vermieden werden kann.

Die Angebote unterscheiden sich nicht gross: Das Paket eines Festnetz-Anschluss, eines Internet-Zugangs mit 30 MBit/s (oder 30'000 KBit/s) und einem TV-Angebot kostet bei Orange 107 Franken pro Monat und bei Sunrise 109 Franken pro Monat. Die Geschwindigkeit von 30 MBit/s gilt jedoch nur für den Downstream und nicht für den Upstream. Beim Upstream gibt es nur ein lausiges MBit/s. Orange-Mobilfunk-Kunden erhalten einen zusätzlichen Rabatt von 10 Franken, bezahlen also nur 97 Franken. Ausserdem ist es bei Orange möglich, auch nur Festnetz/Internet oder nur TV zu beziehen.

Swisscom bietet das Paket (Swisscom Home Standard) mit Festnetz-Anschluss, einem Internet-Zugangs mit 30 MBit/s und Bluewin-TV für 141.25 Franken an. Der Upstream ist mit 3 MBit/s dreimal so hoch wie beim Angebot von Orange und Sunrise. Ausserdem stehen mit Bluewin-TV 500 Filme auf Abruf und Sportevents für 1 Franken pro Spiel zur Verfügung. Anrufe innerhalb des Schweizer Festnetz sind übrigens kostenlos. Kunden, denen eine Downstream-Geschwindigkeit von 20 MBit/s ausreicht, erhalten ein reduziertes Paket für 113.25 Franken pro Monat.

Heute bezahlen die meisten Kunden für einen Festnetz-Anschluss, einen ADSL-Anschluss und den analogen Kabelanschluss von Cablecom übrigens rund 100 Franken pro Monat. Für ein paar wenige Franken mehr gibt es ein Paket mit wesentlich mehr Leistungen. Doch erst einige tausend Stadtzürcher Haushalte können überhaupt von diesem Angebot profitieren.

Ich persönlich bin etwas enttäuscht von diesen Angeboten und finde diese zu teuer. Ausserdem ist die Upstream-Geschwindigkeit viel zu niedrig. Hier will das ewz wohl nicht die eigenen Geschäftskunden-Angebote zu stark konkurrenzieren. Immerhin kosten bei Orange z.B. das Business-Angebot (auf dem ewz-Netz) mit 10 MBit/s Upstream rund 300 Franken pro Monat und das Business-Angebot mit 30 MBit/s Upstream kostet gar rund 800 Franken pro Monat.

Andernseits wollen die Anbieter im Moment wohl noch gar nicht zu billig sein. Denn jetzt geht es vor allem darum, Erfahrungen zu sammeln und deshalb haben die Anbieter wohl Angst, von zu vielen Kunden überrannt zu werden. Immerhin: Wer heute Digital-TV von Cablecom sieht, mit Kabelinternet oder ADSL durchs Internet surft und einen Telefonanschluss hat, dürfte mit den neuen Glasfaser-Angeboten günstiger fahren als beim Bezug der Digital-TV-Angebote von Cablecom.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte www.comparis.ch

(Anmerkung: Die obligatorische Gebühr für die Urheberrechtsgebühren sind bei allen Preisangaben in diesem Beitrag enthalten, da die Kunden diese Gebühren zwingend bezahlen müssen, wenn sie TV über ein Kabel sehen. Bei Orange und Sunrise wird diese Gebühr dem Kunden nicht weiterverrechnet, während Swisscom, Cablecom und (alle?) Kabelnetz-Betreiber diese Gebühren dem Kunden zusätzlich belasten. Deshalb ist der Preis des Swisscom-Angebotes 2.25 Franken höher als von Swisscom kommuniziert).