Sonntag, 27. Januar 2008

ADSL: Wettbewerb oder nicht?

In der bereits erwähnten Medienmitteilung, in der Swisscom die Reduktion der Grosshandelspreise für ADSL kommunizierte, gab es auch einen interessanten Abschnitt zum Thema Wettbewerb.

Swisscom schrieb:
"Wettbewerb spielt: Hohe Breitbandnutzung zu günstigen Preisen
Der Schweizer Breitbandmarkt liegt im internationalen Vergleich gemäss OECD auf einem Spitzenplatz: Die Preise bezogen auf die Bandbreite liegen weltweit im günstigsten Viertel der Länder. Bezüglich der Nutzung von Breitbandangeboten liegt die Schweiz gar auf dem 3. Platz (DSL und Kabelnetze).

Diese Spitzenwerte sind auch auf den intensiven Wettbewerb in unserem Land zurückzuführen: Die Schweiz verfügt über eine sehr gute Abdeckung mit konkurrierenden Infrastrukturen von Swisscom und den verschiedenen Kabelnetzbetreibern. Swisscom bietet seit Jahren im ganzen Land kommerzielle DSL-Angebote für Wiederverkäufer (Wholesale) an. Über 20 Internet Service Provider nutzen diese Angebote und stehen untereinander und mit Swisscom in einem Dienstewettbewerb. "


Es ist zwar zweifelsohne richtig, dass die Schweizer Breitband-Internet sehr intensiv nutzen. Dies liegt jedoch meiner Meinung nach nicht am Wettbewerb.

Ich teile die Meinung von Swisscom nicht. Der Wettbewerb bei ADSL spielt nicht. Swisscom diktiert sowohl die Einstandspreise wie auch die Endkundenpreise. Denn bisher gingen 83% der vom Kunden bezahlten 49 Franken für den Breitband-Anschluss direkt an Swisscom. Die Anbieter haben mit ADSL bereits heute häufig drauf bezahlt und konnten ADSL nur mit Quersubventionierung von anderen Produkten (z.B. Telefonie-Dienstleistungen) finanzieren.

Auch der Wettbewerb mit den Kabelnetzen wie z.B. Cablecom spielt meiner Meinung nach nicht. Es ist zwar richtig, dass in den letzten Jahren regelmässig die Geschwindigkeiten für ADSL und Kabelinternet erhöht worden sind, doch die Preise haben sich nicht verändert. Cablecom profitiert von den hohen Swisscom-Preise und nimmt gerne mit höheren Preisen mehr Geld ein. In Europa hingegen wurde der breitbandige Internet-Anschluss meist billiger. In der Schweiz gibt es keine vernünftigen Einsteiger-Angebote für die breite Masse. Warum nicht ein Einsteiger-Angebot mit 2000/300 für 29 Franken pro Monat, mit Flatrate. Ein solches Angebot wäre für viele Kunden interessant und es gäbe ein solches wahrscheinlich bereits, wenn denn der Wettbewerb wirklich spielen würde.

Auch der Blick ins Ausland zeigt, dass wir für Breitband-Internet immer noch massiv zu viel bezahlen: In Frankreicht gibt es für rund 30 Euro - also etwa 50 Franken - ein Komplettpaket mit schnellem Internet (20 MBit/s), Telefonanschluss inkl. kostenlosen Festnetz-Gesprächen in rund 50 Länder, attraktives TV-Angebot inkl. HD-TV. In der Schweiz muss für ein vergleichbares Angebot über 160 Franken bezahlt werden. Und die Verbindungskosten für die Telefongespräche ins Festnetz müssen noch separat bezahlt werden, während diese in Frankreich bereits inklusive sind.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
www.comparis.ch

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Sali Ralf
Meinst du neuf.fr oder wer ist in Frankreich so günstig?

Ralf Beyeler hat gesagt…

Ja, neuf.fr ist meines Wissens eines der günstigsten Angebote mit einem umfangreichen Angebot (z.B. kostenlose Anrufe in das Festnetz von rund 50 Ländern). Und ich weiss, dass neuf.fr an einigen Orten auch 5 Euro mehr pro Monat verlangt. Demnoch ist der Unterschied riesig.

Grüsse



Ralf Beyeler