Montag, 15. September 2008

Digital-TV soll kein analoges Fernsehen im neuem Kleid sein

In der NZZ vom letzten Freitag ist ein Interview mit Cablecom-Chef Rudolf Fischer erschienen (Interview auch online verfügbar).

Hier die beiden interessantesten Sätze aus dem Interview:
Wir haben nicht investiert, um dann den Kunden analoges Fernsehen in neuem Kleid anzubieten. Das digitale TV ist ein interaktives TV, und die Interaktivität ist nicht standardisiert.
(Hinweis: Der erste Satz wurde verkürzt, um die Verständlichkeit zu erhöhen). Diese beiden Sätze bringen aus auf den Punkt. Cablecom will gar kein Digital-TV anbieten, sondern interaktives Fernsehen, was auch immer darunter konkret vorgestellt wird. Für analoges Fernsehen im neuen Kleid braucht es keine Grundverschlüsselung, für die interaktive Dienste ist man derzeit noch auf die Box seines Anbieters angewiesen.

Nun leider - aus Cablecom-Sicht - wollen die Kunden lediglich analoges Fernsehen im neuen Kleid. Die Kunden wollen wie bisher fernsehen, wichtig sind nur zusätzliche Programme, besseren Ton (Dolby) und besseres Bild (in Zukunft High Definition HD). Dies zeigt auch die repräsentative Studie der Swisscable: 37% wollen Digital-TV wegen den zusätzlichen TV-Sendern, nur 5% wegen dem interaktiven Fernsehen. Also: Begraben Sie den Traum, mit interaktivem Fernsehen Geld im grossen Rahmen verdienen zu können. Stattdessen können Sie die Grundverschlüsselung aufgeben und ihre Kunden mit der freien Boxenwahl glücklich machen.

Dass interaktives Fernsehen die Kunden schlichtweg nicht interessiert, musste bereits Swisscom schmerzlich erfahren. Die interaktive TV-Fernbedienung Betty-TV wurde wieder eingestellt. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, der den Fernseher einschalten will und dann das sehen will, was gerade kommt. Er will jedoch nicht Youtube-Videoclips auf seinem Fernseher ansehen. Und dies dürfte noch einige Zeit so bleiben.

Ein Rätsel ist mir auch, wie Cablecom jedes Jahr hunderte Millionen Franken in interaktives Fernsehen investiert haben soll. Da hat Herr Fischer wohl massiv übertrieben. Vielleicht in diesem Jahr, weil die Cablecom endlich ihr Netz auf 860 MHz ausgebaut hat - andere Anbieter haben den Ausbau vor 10 bis 15 Jahren vorgenommen. Und diese Investition betrifft auch vor allem das Internet und die Telefonie und nicht das interaktive Fernsehen. Die Investitionen in interaktives Fernsehen, selbst in Digital-TV dürfte minimal gewesen sein.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telecom-Experte comparis.ch

1 Kommentar:

Christian Güdel hat gesagt…

Sehr schön zusammengefasst, habe etwas ähnliches festgestellt: http://www.dmesg.ch/wordpress/2008/09/12/interaktives-fernsehen/