Mittwoch, 19. Oktober 2011

iPhone/iMessage der SMS-Killer?

Apple hat eine neue Version des Betriebssystem iOS 5 für das iPhone veröffentlicht. Ein sehr interessanter Dienst ist iMessage, der allen Besitzern eines iPhone 3GS oder eines iPhone 4 zur Verfügung steht. Sobald man eine SMS verschickt, überprüft das iPhone, ob der Empfänger ebenfalls ein iPhone hat. Ist dies der Fall, so wird das SMS nicht als SMS verschickt, sondern über das Internet. Der Vorteil ist, dass dies völlig automatisch passiert.

Ein weiterer Vorteil: Man muss für diese Kurznachricht nichts bezahlen. Zwar werden ein paar Bytes übertragen, doch die übertragene Datenmenge ist so klein, dass in der Regel keine Kosten entstehen dürften. Das Inklusivvolumen von Datenoption oder Handy-Abos reicht für das Verschicken von Kurznachrichten völlig aus. Lediglich wer das Datenvolumen durch das Übertragen von Video, Radioprogrammen oder Youtube-Clips bereits verbraucht hat, wird zur Kasse gebeten.

Bereits seit längerer Zeit sind Programme wie „WhatsApp“ bei Smartphone-Kunden sehr beliebt. Doch sowohl Sender wie Empfänger müssen dieses Programm installieren und das Programm gestartet haben. Ausserdem werden die Nachrichten über die App versendet und empfangen. iMessage ist hingegen direkt im iPhone integriert. Der Kunde sollte keinen Unterschied zwischen SMS und iMessage merken. Genau dies dürfte iMessage sehr erfolgreich werden lassen. Insbesondere da die iPhones in der Schweiz stark verbreitet sind.

Die Schweizer verschicken über 6 Milliarden SMS im Jahr. Alleine mit den einzeln abgerechneten SMS dürften die Telecom-Anbieter pro Jahr eine halbe Milliarde Franken umsetzen. SMS sind für die Telecom-Anbieter ein sehr attraktives Geschäft, da die technischen Selbstkosten extrem niedrig sind. Werden nun vermehrt iMessage statt SMS verschickt, trifft dies die Anbieter erheblich. Gemäss meiner Schätzung dürften die Schweizer Telekom-Anbieter im Jahr zwischen 200 und 300 Millionen Franken Umsatz und Gewinn aufgrund von iMessage verlieren.

Swisscom hat bereits vor etwa einem halben Jahr reagiert und die Abo-Preise geändert. Neu gibt es nur noch Handy-Abos, bei denen eine bestimmte Zahl SMS inklusive sind. Dafür erhöhte Swisscom die Grundgebühren um 7 bis 20 Franken. Wer (fast) keine SMS verschickt, bezahlt daher mehr als mit früheren Abos. Immerhin: Wer ein altes Abo hat, kann auf seinem Abo ohne Zwangs-SMS bleiben. Bevor man auf ein neues Abo wechselt, sollte man sehr gut rechnen. Neben den Zwangs-SMS haben die neuen Handy-Abos auch den Nachteil, dass Anrufe auf viele Festnetznummern unverständlicherweise zum teuren Fremdnetz-Handy-Tarif statt zum günstigeren Festnetztarif verrechnet werden.

Es dürfte wohl nicht mehr lange gehen und dann wird auch Android eine ähnliche Funktion anbieten. Dies dürfte den Umsatz nochmals reduzieren. Ein absoluter Alptraum wäre es jedoch, wenn sich Apple mit Google und Microsoft einigen würden und es möglich wird, die Kurznachrichten auch automatisch auch zwischen verschiedenen Handys zu verschicken. Ich halte dies allerdings derzeit eher für unwahrscheinlich.

Trotz allem dürfte SMS allerdings nicht verschwinden. Viele Schweizer haben ein einfaches Handy und auch gar kein Interesse an einem Smartphone. Diese Kunden werden für die SMS weiterhin bezahlen. Das gleiche gilt für Smartphone-Benutzer, die ein SMS an einen Kunden mit einem einfachen Handy verschicken.

Was denken Sie zum neuen iMessage-Service? Schreiben Sie mir Ihre Meinung dazu!

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telecom-Experte von comparis.ch

Kommentare:

Martin hat gesagt…

Und was geschieht, wenn man nicht online ist?

Abgezockt wird man als Handy-Nutzer in der Schweiz leider so oder so.

Anonym hat gesagt…

Naja, es klingt am Anfang gut, jedoch zeigte sich bei mir im Altagstest, dass manchmal das System nicht mehr weiss, dass mein Gegenüber auch ein iPhone mit iOS5 hat und verschickt wieder eine SMS. Eine Nachricht später ists dann plötzlich wieder eine iMessage.
Da bleib ich lieber bei WhatApp, was ja nicht wie oben beschrieben geöffnet sein muss, einzig die Push-Benachrichtigungen müssen aktiviert sein, aber das ists wert. Ausserdem bekommt man so vom Tagi oder 20Min auch noch die Breaking-News :-)

Anonym hat gesagt…

Sind iMessage auch dann gratis, wenn man sie an einem iPhone Besitzer im Ausland schickt?

Ralf Beyeler hat gesagt…

Voraussetzung für eine iMessage ist, dass beide iPhones Datenempfang haben und auf beiden iPhones die iMessage-Funktion nicht deaktiviert ist. Wer im Ausland ist, bezahlt natürlich hohe Datenübetragungsgebühren (wenn man das Mobilfunknetz dafür nutzt, mit WLAN sieht es besser aus). Liebe Grüsse Ralf Beyeler