Sonntag, 22. November 2009

NZZ zum HD-TV

In der Neuen Zürcher Zeitung vom letzten Donnerstag ist ein Artikel zum neuen hochauflösenden Fernsehen (HiDefinition bzw. HD-TV) erschienen (Artikel auch online verfügbar). Das Fazit des Artikels ist, dass erst wenige Personen hinsehen und das hochauflösende Fernsehen noch viele Hürden zu nehmen hat.

Grundsätzlich finde ich es gut, dass das hochauflösende Fernsehen in der NZZ thematisiert wird. Im Artikel steht zwar für einen Insider nichts neues, doch es sind viele lesenswerte Informationen für Laien enthalten.

Bekanntlich senden in Deutschland seit einigen Wochen RTL und VOX in der HD-Auflösung, SAT1, Pro Sieben und Kabel eins starten 2010. Es ist offen, wann die HD-Versionen dieser Sender in der Schweiz empfangen werden können. Immerhin verhandeln sowohl Cablecom wie Swisscom mit den Sendern. HD Suisse des Schweizer Fernsehens ist bereits seit zwei Jahren auf Sendung. Bereits seit längerem gibt es auch ein HD-Kanal der britischen BBC und des Kultursenders Arte.

Ein Hacken an den HD-Versionen der deutschen Privatsender ist, dass die als Free-TV bezeichneten Privatsender 50 Euro – also 80 Franken – pro Jahr kosten. Über den grösseren Hacken berichtet die NZZ ausführlich:
Astra setzt dabei auf das System von Nagravision, einer Tochter der Schweizer Kudelski Group. Zur Entschlüsselung der Signale braucht es entsprechende Hardware, und hier wird es kompliziert. Der Empfang ab Satellit setzt einen neuen Tuner voraus, der für HD+ zertifiziert ist, sowie eine Smartcard zur Freischaltung von HD+.
Wer also bereits einen Receiver mit HD-Tuner hat, muss diesen als Sondermüll entsorgen und einen neuen kaufen, wenn er die deutschen Privatsender empfangen will.

Relevanter sind die Aussagen zur Verbreitung über Cablecom und Bluewin.
Auch Cablecom und Bluewin TV müssen für die Verbreitung der deutschen Privatsender umrüsten. Entweder sind neue Settop-Boxen mit CI-Plus-Modul nötig oder es braucht eine geräteinterne Lösung für die Verarbeitung des verschlüsselten Signals.
Dieser Sachverhalt ist mir so neu. Da sowohl Cablecom wie Swisscom die Programme verschlüsselt ausstrahlen, sehe ich keinen Grund, weshalb die Sender über das neue System ausgestrahlt werden müssen. Es würde völlig ausreichen, wenn Cablecom und Swisscom das Programm verschlüsselt empfangen, entschlüsseln und dann über ihr Verschlüsselungssystem neu verschlüsseln. Sollten die Privatsender darauf bestehen, dass umgerüstet werden soll, sollten Cablecom und Swisscom den Mut haben, die Verhandlungen abzubrechen und die Programme nicht auszustrahlen.

Man könnte sich sogar überlegen statt der Schweizer Version die deutsche Version analog und digital einzuspeisen und könnte die Privatsender damit erheblich treffen. Denn die Schweizer Werbekunden wären wohl nicht bereit, für Werbespots zu bezahlen, die der Kunde dann nicht sehen kann. Ich hoffe, dass Cablecom und Swisscom hart verhandeln werden und sich nicht auf die Ausstrahlung im neuen Standard einlassen werden.
Viele TV-Fans werden an CI Plus wenig Gefallen finden. Die Technik gibt den Sendern auch neue Optionen in die Hand, die die Freiheiten des TV-Zuschauers einschränken. So lässt sich via CI Plus verhindern, dass Sendungen auf Festplatte oder DVD aufgezeichnet werden oder bei Werbeblöcken weitergespult werden kann.
Ich bin bisher davon ausgegangen, dass diese Einschränkungen nur gelten, wenn man die Programme über Satellit ansehen möchte. Dass diese Einschränkungen auch mit Cablecom Digital-TV und Swisscom-TV gelten sollen, ist mir neu. Ich hoffe, dass Cablecom und Swisscom diesen Bedingungen nicht zustimmen werden.

Ich persönlich lasse mir diese Bevormundung auf jeden Fall nicht gefallen und würde dann konsequent keine TV-Programme mehr ansehen, bei denen ich nicht spulen kann. In der Schweiz sind wir in der glücklichen Lage, dass viele Serien und Filme auch vom ORF und vom Schweizer Fernsehen ausgestrahlt werden und man somit weniger auf das deutsche Privatfernsehen angewiesen ist.
So erklärte Markus Payer (Astra) gegenüber der NZZ, dass bei Empfängern mit HD+-Zertifikat Aufzeichnungen und zeitversetztes Fernsehen (Time-Shift) bis zu 90 Minuten möglich sind, allerdings die Werbung nicht überspult werden kann. Besitzer eines TV mit CI-Plus-Modul hingegen können weder aufzeichnen noch Time-Shift nutzen, was ein herber Rückschritt ist.
Ich hoffe, dass dieses System scheitern wird. Wenn die Kunden nicht bereit sind, diese Einschränkungen zu akzeptieren, haben die Sender ein Problem. Denn wenn Kunden die Programme nicht sehen können, können sie auch die Werbung nicht sehen. Die Sender hätten dann keine Einnahmen und müssten eine kundenfreundliche Lösung anbieten.

Ich denke, wenn Cablecom oder Bluewin diese Bedingungen übernehmen, machen sie ihr Produkt unattraktiver. Denn Kunden kann man nicht erklären, weshalb man bei bestimmten Programmen spulen kann und bei anderen nicht. Als Cablecom und Swisscom würde ich hartnäckig bleiben und notfalls die HD-Version der deutschen Privatsender nicht anbieten.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte von comparis.ch

Kommentare:

Sebi hat gesagt…

Nun, wenn Cablecom und Swisscom die privaten TV Sender in HDTV einspeisen wollen, werden sie ja wohl oder übel diesen Schutz mitsenden. Wenn man in der Schweiz einfach so die Hochauflösenden Programme der Sender aufzeichnen usw. könnte, wiederspräche es dem Vorhaben der Sender. Allerdings bin ich überzeugt, dass es nur eine Frage der Zeit, bis die privaten Sender in HDTV frei sind. Ich bezweifle den Erfolg von HD+ (so ja der Name dieser Plattform). Entavio war ungefähr das gleiche und hat ziemlich gefloppt. Eine Verschlüsselung im Deutschsprachigen Raum kann kein Erfolg sein. Hier ist man zu sehr daran gewöhnt, viele freie Sender zu empfangen.

Andreas hat gesagt…

Hallo Ralf, Du schreibst: Denn wenn Kunden die Programme nicht sehen können, können sie auch die Werbung nicht sehen. Die Sender hätten dann keine Einnahmen und müssten eine kundenfreundliche Lösung anbieten.

--> Du vergisst hierbei aber einen ganz wichtigen Punkt. Solange die Kunden nämlich die Werbung spulen können, sehen sie sie auch nicht. Folglich haben Werber auch so immer weniger Interesse... und Fakt ist nun mal, dass diese Sender durch Werbung finanziert ist. Versteh' mich nicht falsch, ich bin keineswegs Fan von CI+ - kann aber die Handlungsweise der Privatsender nachvollziehen.

Gruss
Tosci

Anonym hat gesagt…

Mit CI Plus ist des den Inhalteanbietern definitiv NICHT möglich, das Vorspulen der Werbung zu verhindern. Einzig eine Limitierung des Time-Shift-Modus auf 90 Minuten ist möglich. Siehe Spezifikation auf http://www.ci-plus.com.

Jürgen St. hat gesagt…

Auf der einen Seite ist es gut, wenn das Fernsehen unabhängiger von Werbung und abhängiger vom Zuschauer wird.
Da man zahlende Kunden adressiert, die noch dazu viel investieren müssen (neuer Receiver), wird sich für die HD Programme entweder jemand interessieren der von Technik keine Ahnung und zu viel Geld hat oder das Programm wird wirklich so gut, dass auch geistig nicht minderbemittelte einen Sinn in die Investition HD+ sehen, weil das HD+ einen Vorteil bringt.
Für meinen Teil kann ich auf Castingshows in HD verzichten... wie vermutlich viele andere, es wäre nicht das erste PayTV Projekt, dass scheitert, weil die anvisierte Kundschaft kein Geld hat und die die Geld hat keinen Sinn im Angebot sieht.

Ich besitze einen Technisat HD-S2 Plus 320 mit ORF und SF Karte, die optimale Kombination, dazu eine Technisat Multytenne, nicht billig aber optimale Bildqualität und Freiheit von (TV/Telefon)Kabel.