Sonntag, 28. November 2010

Neue Frequenzen, aber kein Wettbewerb

Am Freitag hat die Eidgenössische Kommunikationskommissision ComCom über die Neuvergabe aller Mobilfunklizenzen informiert (siehe auch die Dokumentation auf der Website der ComCom bzw. des BAKOM). Die Behörden versteigern in einer Auktion die Lizenzen, die dann bis ins Jahre 2028 gültig sein werden. Mittels Einschränkungen soll verhindert werden, dass ein Anbieter zu viele Frequenzen erwirbt und damit den Wettbewerb behindern wird.

Es ist sicher, dass Swisscom Konzessionen für Mobilfunkfrequenzen ersteigern wird. Bei Sunrise und Orange kann ebenfalls angenommen werden, dass sich diese um diese bemühen werden. Denn wenn diese Anbieter die Konzession nicht ersteigern, müssten diese ihre bestehenden Netze bis Ende 2013 (GSM) bzw. Ende 2016 (UMTS) einstellen. Es dürfte jedoch fraglich sein, wie viel Geld die Besitzer von Sunrise und Orange in den Erwerb der Lizenzen investieren wollen. Denn die Schweiz ist ein sehr schwieriges Pflaster für alternative Anbieter.

Es gibt genügend Frequenzen auch für neue Anbieter. Es ist jedoch fraglich, wer Interesse an den Mobilfunkfrequenzen haben wird. Jeder Investor wird es sich zweimal überlegen, ob er in einem weitgehend gesättigten Markt investieren will, in dem ¾ der Kunden noch nie den Mobilfunk-Anbieter gewechselt haben und in dem der Ex-Monopolist trotz extrem hoher Preise einen Marktanteil von etwa 65% hält. Kurz: Man muss Milliarden investieren und dann hoffen, dass man dann ein paar Kunden gewinnen kann, um die Investitionen zu amortisieren. Bisher dürfte France Telecom mit der Entwicklung ihrer Schweizer Tochter Orange nicht zufrieden sein. Und auch TDC ist mit Sunrise nicht wirklich glücklich geworden und hat Sunrise schliesslich an CVC verkauft (Wobei ich ja überrascht bin, dass jemand Sunrise gekauft hat. Ich sehe nicht wirklich starkes Wachstumspotential).

Am ehesten sehe ich, dass Orange und Sunrise ihre Handy-Netze in eine gemeinsame Netzgesellschaft zusammenlegen und gemeinsam Lizenzen zur Nutzung der Mobilfunkfrequenzen ersteigern. Operativ könnten Orange und Sunrise unabhängig bleiben, nur ein gemeinsames Netz betreiben.

Ich denke nicht, dass ein neuer Anbieter in den Markt einsteigen wird, der ein komplett neues schweizweites Netz aufbaut. Ein neuer Anbieter, der unbedingt in der Schweiz aktiv werden möchte, würde eher einen bestehenden Anbieter übernehmen oder das Netz eines bestehenden Anbieters nutzen (nationales Roaming).

Am ehesten sehe ich Chancen für Nischen-Anbieter, die über Mobilfunktechnologie an eher abgelegenen Orten schnelles Internet anbietet. Doch bisher waren WLL und WiMax in der Schweiz ein Flop. Diese Technologien waren dafür gedacht, über Mobilfunkfrequenzen schnelles Internet anzubieten. Auch „In & Phone“, die über eine GSM-Konzession verfügt, nimmt man am Markt nicht wahr. Und „Tele2“, die eine eigene GSM-Konzession erhalten hat, kam nicht vom Fleck und wurde schliesslich von Sunrise geschluckt.

Aus diesen Gründen glaube ich nicht daran, dass neue Anbieter den Schweizer Telekom-Markt aufmischen werden. Ich glaube daher nicht daran, dass die „Karten im Mobilfunkmarkt neu gemischt werden„ (Titel in der NZZ). Ich befürchte, dass die Situation die gleiche bleibt und die bestehenden drei Anbieter den Kunden weiterhin massiv überhöhte Preise verrechnen können.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte von comparis.ch

Endlich: Günstig mit Prepaid surfen

Zu Mobilfunk-Abos gibt es bereits seit einigen Jahren attraktive Optionen, mit denen man günstig im Internet surfen kann. Vor 2 ½ Jahren hat Swisscom Handy-Abos lanciert, bei denen Inklusiv-Surf-Volumen inklusive sind. Inzwischen gibt es von allen Anbietern ähnliche Handy-Surf-Abos. Doch für Prepaid-Kunden gab es lange Zeit keine attraktive Angebote. Schweizer Pionier ist Coop Mobile, wo seit August 2009 eine Surf-Option mit monatlich 100 Megabyte für 9.90 Franken erhältlich ist.

Doch in den vergangenen Wochen hat sich einiges getan: Der Nischenanbieter Lebara bringt die derzeit attraktivste Daten-Option auf den Markt. Und auch die Prepaid-Kunden von Swisscom und Orange können endlich zu bezahlbaren Konditionen im Internet surfen.

Doch zuerst zum „Lebara Surf“-Angebot: Ein Paket mit 120 Megabyte im Monat kostet nur 4.90 Franken. Es ist die Surf-Option mit dem günstigsten monatlichen Abo-Preis auf dem Schweizer Markt, die mit 120 Megabyte für die meisten Kunden auch genügend gross ist. (Wobei hier wieder mal der obligate Warnhinweis: Video und Musik führen zu einer grossen Datenmenge, daher sollte man Videos und Musik nur über das heimische WLAN übertragen, nicht jedoch über das Mobilfunknetz). Leider ist das Telefonieren mit Lebara zu Schweizer Anschlüssen relativ teuer und damit eignet sich das Angebot nur für Kunden, die selten oder nie auf Schweizer Anschlüsse anrufen.

Eine echte Überraschung ist jedoch, dass neu nun endlich auch Prepaid-Kunden von Swisscom Datenpakete dazu buchen können. Das für die meiste Kunden interessante Paket „NATEL easy Datenpaket 100 MB“ kostet 10 Franken im Monat und beinhaltet ein Datenvolumen von 100 Megabyte. Bei Orange heisst die Option „Mobile Internet Plus“, kostet ebenfalls 10 Franken im Monat und bietet ebenfalls 100 MB. Etwas speziell ist bei Swisscom, dass man die Option jeweils jeden Monat neu bestellen muss. Und auch wenn die 100 MB vorzeitig aufgebraucht sind, kann man wieder ein neues Paket kaufen.

Hier eine Übersicht über Surf-Optionen für Prepaid-Kunden:
  • Am attraktivsten ist wie erwähnt „Lebara Surf“ (120 MB für 4.90 Franken/Monat)
  • Eine grosse Datenmenge bietet Sunrise Surf (250 MB für 7.50 Franken/Monat)
  • Coop Mobile (100 MB für 9.90 Franken/Monat)
  • Swisscom „NATEL easy Datenpaket 100 MB“ und Orange „Mobile Internet Plus“ (100 MB für 10 Franken/Monat)

Man sollte jedoch nicht nur auf den Preis für das mobile Internet achten, sondern auch die Preise für Anrufe und SMS berücksichtigen. Die meisten Kunden dürften damit mit Coop Mobile am günstigsten fahren. Wer eher nur an wenigen Tagen pro Monat in das Festnetz und auf Surnise-Handys telefoniert, sollte sich das Angebot von Sunrise etwas genauer ansehen.

Noch keine attraktiven Surf-Angebote bieten übrigens M-Budget Mobile von Migros, Yallo und Lycamobile.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telecom-Experte von comparis.ch

Sonntag, 14. November 2010

Vergleich der Glasfaser-Angebote

Auf dem Stadtzürcher Glasfaser-Netz des ewz gibt es bereits einige Anbieter, die Angebote für Privatkunden anbieten. Von 5 Anbietern gibt es ein Triple-Play-Angebot mit Telefonie, Internet und einem TV-Angebot. Im nachfolgenden Vergleich sind Angebote mit einer Internet-Geschwindigkeit von mindestens 20 MBit/s (Downstream) sowie einem TV-Angebot mit HD-Sendern und TV-Aufnahmemöglichkeit berücksichtigt (aufgeführt ist jeweils das günstigste Angebot, welches die vorhin genannten Kriterien erfüllen, es gibt teilweise weitere Angebote):

Am günstigsten ist „Leunet 3 in 1 Fiber“ für 96.40 Franken im Monat. Die Internet-Geschwindigkeit beträgt „20/2“. Man kann maximal 20 Stunden TV-Programme aufzeichnen und in diesem Paket gibt es keine Telefon-Flatrate.

Orange verlangt 98 Franken im Monat. Der Internet-Zugang bietet eine Geschwindigkeit von „30/1“, auch bei diesem Angebot ist keine Telefon-Flatrate im Preis enthalten. Mobilfunk-Kunden von Orange erhalten einen günstigeren Preis und bezahlen 88 Franken im Monat. [UPDATE: Das Angebot von Orange wurde eingestellt, da man bisher nur 60 Kunden gewinnen konnte.]

Ähnlich teuer ist „MyGate G-Triple Basic“ mit 99 Franken im Monat. Das Internet bietet eine Geschindigkeit von „25/5“. Auch hier ist keine Telefonflatrate inklusive.

GGA Maur bietet „Triplex“ für monatlich 109 Franken an. Bei diesem Angebot ist eine Flatrate für Anrufe ins Schweizer Festnetz enthalten. Die Internet-Geschwindigkeit beträgt „25/5“.

Überraschend teuer ist das Angebot von Sunrise: 109 Franken verlangt Sunrise für das „Home Combi“-Angebot. Die Internet-Geschwindigkeit beträgt „30/2“ und es ist keine Telefon-Flatrate inklusive.

Noch nicht auf dem ewz-Netz sind die Angebote von Swisscom verfügbar. Swisscom und ewz wollen das Stadtzürcher Glasfaser-Netz gemeinsam bauen, so dass es eine Frage der Zeit ist, bis das Swisscom-Angebot dort verfügbar ist. „Casa Trio“ ist auch auf dem Glasfaser-Netz zum genau gleichen Preis (113.25 Franken pro Monat) wie auf dem Kupfernetz verfügbar. Die Internet-Geschwindigkeit beträgt „20/1“ und eine Flatrate für Anrufe ins Festnetz ist ebenfalls enthalten. Wer sich für Swisscom entscheiden möchte und die Möglichkeit hat, sich ans Glasfaser-Netz anzuschliessen, sollte sich für das Glasfaser-Angebot entscheiden. Denn beim Kupfernetz-Angebot hat man in vielen Fällen nicht die volle Internet-Geschwindigkeit und beim fernsehen wird das Internet langsamer. Diese Nachteile gibt es beim Glasfaser-Angebot nicht.[UPDATE: Casa Trio gibt es für Neukunden nicht mehr. Stattdessen wurde das "Vivo Casa" eingeführt, dass meiner Meinung nach wesentlich schlechter ist als Casa Trio. Sehr störrend ist, dass in der Festnetz-Flatrate nur noch Anrufe ins Swisscom-Netz inklusive sind. Die Grundgebühr beträgt ausserdem 125 Franken für ein vergleichbares Paket. Ich habe auf comparis.ch eine Einschätzung veröffentlicht.]

An dieser Stelle möchte ich noch auf das Glasfaser-Angebot von „Quickline“ im Stadtberner Glasfaser-Netz der ewb eingehen. Für 102.05 Franken im Monat gibt es „Quickline Fiber All-in-One 30/10“. Enthalten ist ein Internet-Zugang mit „30/10“. Interessant ist vor allem die vergleichsweise schnelle Upstream-Geschwindigkeit von 10 Mbit/s, das Übertragen von Daten ins Internet geht also schneller. Enthalten ist auch eine Festnetz-Flatrate für Anrufe ins Schweizer Festnetz.

Von Cablecom gibt es ein Triple-Play-Angebot, das mit den Glasfaser-Angeboten mithalten kann, jedoch auf den in den vergangenen Jahrzehnten gebauten „Koax“-Kabelnetz basiert (obwohl die Bezeichnung „Fiber Power“ suggeriert, dass es sich um ein Glasfaser-Angebot handelt). Mit Berücksichtigung des Kombi-Rabatts bezahlen die Cablecom-Kunden 103 Franken im Monat.

Mich überzeugen die derzeitigen Glasfaser-Angebote noch nicht, da sie meiner Meinung nach noch zu teuer sind. Ein anderes Thema ist, dass die Glasfaser-Angebote derzeit erst in wenigen Häusern überhaupt verfügbar sind. Doch bereits in einigen Jahren werden wir über die neue Glasfaser-Infrastruktur froh sein. Damit sich die neue Technologie durchsetzen kann, braucht es jedoch günstigere Preise.

Was denken Sie zu den Glasfaser-Angeboten, schreiben Sie mir Ihre Meinung in den Kommentaren.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler

zum grossen Swisscom-Netzausfall

Letzten Dienstag gab es im Swisscom-Mobilfunknetz einen grossen Ausfall. Telefonieren und SMS haben normal funktioniert. Doch dass immer wichtiger werdende mobile Internet hat für viele Kunden praktisch den ganzen Tag nicht funktioniert. Seit dem Komplettausfall des Swisscom-Netzes im Sommer 2001 war dies die grösste Panne im Swisscom-Netz.

Die Systeme werden immer komplexer und eine Panne kann man leider nie ausschliessen. Mir jedoch fällt auf, dass sich die gravierende Pannen bei Swisscom in letzter Zeit leider häufen. Dies passt wenig zum Premium-Image von Swisscom.

Ich bin über das Ausmass der Swisscom-Panne vom letzten Dienstag erstaunt. Für einen Mobilfunk-Anbieter sollte die Verfügbarkeit des Mobilfunk-Netzes das wichtigste. Deshalb sollten Notfall-Pläne für die schnelle Behebung von Problemen sowie betreffend Kommunikation existieren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass bei Swisscom keine solche Pläne existieren. Doch von diesen Krisenplänen hat man letzten Dienstag nichts gemerkt.

Weshalb dauert es Stunden, um ein so gravierendes Problem zu lösen? Weshalb hat man keinen Plan B für den Fall, dass Wartungsarbeiten an der Datenbank schieflaufen? Wie gesagt, es sind komplexe Systeme und es kann durchaus dauern, bis man die Ursache gefunden habe, dennoch bin ich erstaunt, dass die Störung nicht früher behoben werden konnte.

Absolut unverständlich ist für mich jedoch die Kommunikationsstrategie von Swisscom, denn über Stunden gab es von Swisscom keine proaktive Informationen über die Panne. Nachdem während über 5 Stunden der Zugang zum mobilen Internet nicht möglich gewesen ist, wurde ein Hinweis auf der Website aufgeschaltet.

Meiner Meinung nach hätte Swisscom sofort informieren müssen. Man hätte bei einer solchen Störung eine kurze Medienmitteilung verschicken sollen, die betroffenen Kunden hätte man mit einer Info-SMS informieren müssen, auf Twitter und Facebook hätte man unbedingt ebenfalls informieren können. Dies wäre souverän gewesen und Swisscom hätte sich als modernes Telekommunikations-Unternehmen positionieren können, das mit modernen Kommunikationsmittel wie Twitter und Facebook umgehen kann.

Ich bin der Meinung, dass Swisscom mit dieser Panne überfordert gewesen ist. Eine Frechheit finde ich den Satz „Swisscom Kunden erhielten zu Störungsbeginn Informationen via Social Media Kanäle und auf der Webseite www.swisscom.ch„ in der Medienmitteilung. Auf der Website hat Swisscom etwa 5 Stunden nach Beginn der Störung, auf Facebook immerhin 2 ½ Stunden später informiert. Eine Information nach Störungsbeginn heisse für mich, dass innerhalb maximal 15 Minuten informiert wird. Warum muss Swisscom dies beschönigen.

Interessant finde ich auch, dass sich Firmenkunden, bei denen Geschäftsprozesse über das Mobilfunk-Netz ablaufen, nicht besser auf einen Netzausfall vorbereitet gewesen ist. Weshalb haben die Zugbegleiter der SBB nicht Geräte bei sich, die sich in das Sunrise- oder Orange-Netz einwählen kann. Oder Kreditkarten-Terminals, die ebenfalls andere Mobilfunknetze als Backup nutzen können.

Was denken Sie dazu? Schreiben Sie Ihre Meinung bitte in den Kommentaren.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler

Dienstag, 2. November 2010

Telecom-Bericht des Bundesrats: Nun gibt Kritik

Der Tages-Anzeiger hat vorgestern über Kritik am Telecom-Bericht des Bundesrats geschrieben (Artikel online verfügbar). Der Tagi zieht die Schlussfolgerung, dass der Bundesrat die Swisscom schützt. Ich habe mich bereits vor fast zwei Monaten in meinem Blog darüber gewundert, dass zahlreiche Schwachpunkte aufgezählt werden, aber dennoch keine Revision in Angriff genommen wird.

Im Artikel wird vor allem von liberalen Denkfabrik Avenir Suisse und von ETH-Professor Matthias Finger Kritik an den Schlussfolgerungen des Bundesrats-Berichts geübt. Auch der Preisüberwacher und die Wettbewerbskommission sind von der Schlussversion enttäuscht bzw. finden diese unglücklich.

Es existieren gemäss den Recherchen des Tages-Anzeigers drei Versionen und der Bundesrat soll im letzten Moment die Schlussfolgerungen abgeändert haben. In den früheren Versionen wurde eine Diskussion über eine Revision empfohlen, in der endgültig veröffentlichten Version heisst es hingegen, dass eine Revision nicht notwendig ist.

Matthias Finger bringt es auf den Punkt: „Die Schlussfolgerungen lesen sich, als hätte sie die Swisscom selbst geschrieben. In seiner Rolle als Eigentümer der Swisscom hat der Bund kein Interesse an fairem Wettbewerb. Genau das beweist er mit diesem Bericht.“

Wie ich bereits oft geschrieben habe, finde ich persönlich es schade, dass man in der Schweiz kein grösseres Interesse an einem echten funktionierenden Wettbewerb in einem immer wichtiger werdenden Bereich wie der Telekommunikation hat. Dies ist sehr schade, denn in der Telekommunikation stecken noch viele Chancen.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telecom-Experte von comparis.ch

Schweizer bezahlen 150 Millionen zuviel

Gestern hat die Gratis-Zeitung 20 Minuten darüber berichtet, dass die Schweizer jährlich 150 Millionen Franken Gebühren für den Kabelanschluss bezahlen, obwohl sie diesen gar nicht benutzen (Artikel ist auch online verfügbar).

Die meisten Kunden empfangen ihre TV-Programme über den Kabelanschluss z.B. von Cablecom oder einem regionalen Anbieter, aber inzwischen gibt es auch Alternativen. So steigt die Zahl der Kunden, die über ihren Festnetz-Anschluss von Swisscom fernsehen, rasant an. Inzwischen dürften bereits rund 400'000 Haushalte Swisscom-TV nutzen. Andere Alternativen sind der Empfang über Satellit oder – vor allem in Grenzregionen, im Wallis und im Graubünden – über DVB-T über eine normale Antenne. Und schliesslich gibt es noch die Personen, die keinen TV mehr haben und höchstens über Zattoo mal eine Sendung sehen.

Wer nicht über einen Zweitfernseher weiterhin über den Kabelanschluss Programme sehen möchte und ansonsten über eine alternative Technologie die TV-Programme empfängt, benötigt keinen Kabelanschluss mehr. Doch viele Kundinnen und Kunden wissen gar nicht, dass Sie weiterhin Monat für Monat eine Gebühr für den nicht mehr benutzten Kabelanschluss bezahlen. Denn als Mieter bezahlt man diese Gebühr (zwischen etwa 100 und 325 Franken im Jahr, je nach Anbieter) in der Regel mit der Nebenkosten-Abrechnung zusammen mit den Kosten für Warmwasser, Heizung und Lift. Ich habe bereits mehrfach darauf aufmerksam gemacht.

Man kann es nicht oft genug sagen: Wenn man den Kabelnetz-Anschluss nicht mehr benötigt, dann kann man diesen kündigen und muss diese Gebühr in Zukunft nicht mehr bezahlen.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telecom-Experte von comparis.ch

Dienstag, 12. Oktober 2010

Cablecom-Callcenter: Hinter den Kulissen

In der heutigen Ausgabe des Zürcher Unterländer ist ein Artikel zum Callcenter der Cablecom in Otelfingen erschienen. Es wird ein Blick hinter die Kulissen des technischen Supports des grössten Schweizer Kabelnetz-Betreibers geworfen.

Der Artikel ist lesenswert und auch online abrufbar.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler

Montag, 11. Oktober 2010

Tiefere Preise – ausser für die Kunden

Seit Anfangs Oktober 2010 verlangen die Schweizer Mobilfunk-Anbieter massiv weniger für die Entgegennahme von Gesprächen in ihr Netz. Ausserdem wurde eine weitere Preissenkung auf den 01. Januar 2011 angekündigt. Die sogenannten Interkonnektionsgebühren (bzw. Terminierungsgebühren) halbieren sich damit. Die Anbieter verrechnen sich die Interkonnektionsgebühren untereinander. Bereits am Tag der Ankündigung habe ich meine Erwartung zum Ausdruck gebracht, dass die Preise für die Endkunden kaum sinken werden. Und bisher hatte ich diesbezüglich leider Recht gehabt.

Swisscom hat tagsüber die Preise für Anrufe aus dem Festnetz auf Handys um 5 Rappen pro Minute gesenkt, abends bleiben die Tarife unverändert. Die beiden anderen grösseren Schweizer Festnetz-Anbieter Sunrise und Cablecom haben die Preise bisher nicht gesenkt. Die Festnetz-Anbieter bezahlen also wesentlich weniger, aber verlangen von den Kunden den bisherigen Preis. Im Klartext wurde die Marge massiv vergrössert.

Ein Preisvergleich mit Deutschland zeigt, wie hoch die Margen der Schweizer Festnetz-Anbieter sind. In Deutschland kann ich als Konsument für unter 6 Eurocent auf Handys anrufen, die Marge ist angemessen. Doch in der Schweiz kaufen die Anbieter für rund 8 Rappen ein, verlangen den Kunden bis zu viermal so viel. Eine Marge von bis zu 300% dürfte der Traum jedes Anbieters sein.

An dieser Stelle möchte ich noch erwähnen, dass es auch Festnetz-Anbieter gibt, die ihre Preise für Anrufe auf Schweizer Handys gesenkt haben. Dazu gehören VTX, Red Telecom und Telio. Doch verglichen mit den Einkaufskonditionen sind auch diese Preise immer noch zu hoch.

Auch die Mobilfunk-Anbieter haben die Senkung der Terminierungsgebühren nicht weitergegeben. Eigentlich müssten jetzt Anrufe auf Fremdnetze günstiger werden. Doch daran haben die Mobilfunk-Anbieter kein Interesse. Die Mobilfunk-Anbieter werden durch die gesunkenen Terminierungsgebühren weniger Einnahmen erzielen und wollen deshalb die Preise nicht senken. Mit der Entgegennahme von Anrufen verdienen die Anbieter also weniger, dafür verdienen die Anbieter nun mit Anrufen in Fremdnetze mehr. Die Preise nicht zu ändern ist sicher eine bequeme Möglichkeit. Dies führt dazu, dass Kunden, die viele ausgehenden Anrufe tätigen nun die Kunden subventionieren, die viele ankommenden Anrufe erhalten.

Eine interessante Strategie haben auch Anbieter, die sowohl Festnetz wie Mobilfunk anbieten: Swisscom und Sunrise lassen die Festnetz-Preise hoch und damit subventionieren die Festnetz-Kunden die Mobilfunk-Kunden. Auf dem Papier werden niedrigere Gebühren verrechnet, doch effektiv ist es eine Umverteilung der Marge vom Mobilfunkbereich in den Festnetzbereich.

Was denken Sie zu den reduzierten Interkonnektionsgebühren? Schreiben Sie mir dazu Ihre Meinung.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telecom-Experte von comparis.ch

Sonntag, 19. September 2010

Handytarife: Immer noch riesige Preisunterschiede

Für die Fernsehsendung Kassensturz habe ich berechnet, wie teuer Telefongespräche, SMS und das mobile Internet bei verschiedenen Anbietern sind.

Kassensturz vom 14.09.2010

Erstaunlich ist, dass die Differenzen zwischen den Anbietern immer noch so riesig sind. Mit einem Wechsel zu einem anderen Anbieter kann man schnell sehr viel Geld sparen. Viele Kunden telefonieren ausserdem mit einem zu teuren Abo und könnten mit einem Wechsel noch viel mehr Geld sparen. Für den Vergleich habe ich jeweils das günstigste Abo- und Prepaid-Angebot der drei grossen Anbieter sowie die Prepaid-Angebote von Aldi, Coop und Migros berücksichtigt. Andere auf dem Markt tätige Anbieter sind teurer und sind deshalb in der Tabelle nicht berücksichtigt.

Beim ersten Profil ohne Internetnutzung ist Aldi Mobile mit 32.90 Franken am günstigsten, das günstigste Swisscom Prepaid-Produkt ist mehr als doppelt so teuer. Mit der zusätzlichen Berücksichtigung von 100 Megabyte Internet-Datenvolumen ist Coop mit 50 Franken am günstigsten, das günstigste Swisscom-Abo kostet mehr als 80 Franken im Monat. Noch teurer sind die Prepaid-Angebote Swisscom, Orange – trotz Internet-Option – und Aldi. Doch kaum jemand würde diese hohen Preise in der Praxis wohl bezahlen.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte von comparis.ch

Bundesrat: Revision nicht notwendig

Der Bundesrat hat am letzten Freitag einen über 200 Seiten dicken Bericht zum Schweizer Fernmeldemarkt veröffentlicht (Bericht ist online verfügbar). Im Bericht werden zahlreiche Schwachpunkte aufgezählt – trotzdem kommt der Bundesrat zum Schluss, dass sich eine Revision des Fernmelderechts nicht aufdrängt.

Aus Konsumentensicht werden insbesondere (die in einigen Kreisen umstrittene) Berechnungsart für die letzte Meile, unerwünschte Anrufe durch Verkäufer, hohe Terminierungsgebühren und hohe Roamingtarife und kundenunfreundliche Vertragsbestimmungen genannt.

Es wäre sinnvoll, wenn einige der Schwachstellen behoben werden könnten. Insbesondere die Praxis der Anbieter, dass sich der Vertrag automatisch um ein Jahr verlängert, wenn der Kunde nicht rechtzeitig kündigt, ist stossend. Der Kunde kann zwar dann kündigen, muss jedoch unverschämt hohe Bussen von teilweise über 500 Franken bezahlen. Immerhin ist dem Bundesrat dieses Problem nun bewusst. Doch anstatt diese Regelung zu verbieten, wird das Problem jetzt einfach schubladisiert. Auch wenn der Bundesrat das Gesetz nicht ändern möchte, könnte er das Gespräch mit den Anbietern suchen und sie von einem Verzicht auf diese Klausel überzeugen. Ausserdem hat der Bund die Aktienmehrheit am grössten Anbieter Swisscom und mehrere Vertreter im Verwaltungsrat der Swisscom gewählt.

Um gegen die hohen Roamingtarife vorzugehen, könnte die Schweiz Verhandlungen mit der EU aufnehmen und so erreichen, dass die EU-Grenzwerte auch in der Schweiz gelten würden. Doch Bundesrat Leuenberger hat im Jahr 2009 bereits öffentlich erklärt, dass man diesen Weg nicht gehen möchte.

Über die Berechnungsmethodik habe ich bereits mehrfach geschrieben: Die heutige Regelung ist im Interesse der Swisscom und führt zu höheren Preisen sowie weniger Wettbewerb.

Mit der Feststellung, dass wir in der Schweiz eine gut ausgebaute Telekom-Infrastruktur haben, bin ich nicht einverstanden: Jeder zweite ADSL-Anschluss der Swisscom erreicht nicht die volle Geschwindigkeit von 5'000 Kbit/s, sondern läuft massiv langsamer. In vielen Fällen ist dies den Kunden nicht bewusst. Selbstverständlich muss der Kunde trotzdem den vollen Preis bezahlen. Auch beim Mobilfunk-Netz gibt es zahlreiche Lücken, insbesondere in den Zügen ist die Abdeckung oftmals schlecht.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte von comparis.ch

Mittwoch, 11. August 2010

Sunrise mit Handyversicherung

Nun hat auch Sunrise eine Handyversicherung. Wer im Sunrise-Shop ein Handy kauft, hat die Möglichkeit insgesamt zwei Versicherungen abzuschliessen. Von den vier grössten Handyverkäufern bieten damit Sunrise, Orange und Mobilezone ihren Kunden eine Handyversicherung an. Die Handyversicherung ist jeweils zusammen mit dem Neukauf eines Handys erhältlich. Der grösste Schweizer Mobilfunk-Anbieter Swisscom bietet keine Handyversicherung an.

Die Produkte von Mobilezone und Sunrise sind ähnlich und in beiden Fällen steckt Mondial Assistance – besser bekannt unter dem Namen ELVIA – hinter der Versicherung. Bei einer Dauer während 12 Monaten nach dem Kauf kostet die Versicherung je nach Kaufpreis des Handys zwischen monatlich 6 und knapp 12 Franken. Sunrise ist jeweils 5 Rappen pro Monat günstiger als Mobilezone, dafür ist bei Mobilezone die Versicherung gegen Missbrauch bei Diebstahl bereits inklusive. Bei Sunrise fällt dafür 1 Franken pro Monat zusätzlich an. Sunrise bietet auch eine Versicherung über 24 Monate an, die allerdings jeweils 1 Franken pro Monat mehr kostet.

Sowohl bei Sunrise wie auch bei Mobilezone sind Schäden durch Stürze und Wasser oder auch Schäden am Display durch die Versicherung abgedeckt.

Orange bietet insgesamt 2 Versicherungen an: „Orange Protect“ und „Orange Security“. Die erst genannte Versicherung deckt Schäden, wenn mit dem Handy missbräuchliche Gespräche nach einem Diebstahl geführt werden. Die Kosten betragen 3 Franken im Monat. „Orange Security“ deckt „unfallbedingte Sachschäden“ (was auch immer das ist), missbräuchliche Verwendung, die Kosten für Ersatz der SIM-Karte und bei Beraubung oder Einbruchdiebstahl auch die Kosten des Handys. Dafür belastet Orange dem Kunden 7 Franken im Monat. Für 10 Franken im Monat gibt es eine erweiterte Deckung, die z.B. zusätzlich auch Taschendiebstahl abdeckt. Bei mir haben sich bereits verschiedene Kunden gemeldet, die mit der Versicherung von „Orange Security“ schlechte Erfahrungen im Schadenfall gemacht haben.

Die Versicherungen von Mobilezone und Sunrise decken mehr Schäden (darunter auch weit verbreitete Wasserschäden und Schäden am Display), die Prämien sind aber höher. Doch dies sollte Diskussionen im Schadenfall, ob der Schaden auf einen Unfall zurückzuführen ist, verhindern.

Doch ganz allgemein muss man sich die Frage stellen, ob man für das Handy wirklich eine Versicherung benötigt. Je nach Kaufpreis bezahlt man über 300 Franken Versicherungsprämie für ein Handy, dass man bei günstigeren Händlern bereits für 600 Franken erhält. Das Verhältnis zwischen zu bezahlenden Prämien und den Leistungen im Schadenfall stimmt meines Erachtens nicht. Zumal man auch nicht arm wird, wenn man mal die 600 Franken für ein Ersatz-Handy selber bezahlen muss (und falls es ausserhalb des Budgets liegt, kann man sich auch ein günstiges Prepaid-Handy für 25 Franken kaufen und damit kommunizieren).

Was denken Sie zum Thema Handyversicherung. Schreiben Sie Ihre Meinung doch in die Kommentare.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte von comparis.ch

Freitag, 23. Juli 2010

Und noch eine Daten-Roaming-Option

Die Anbieter sind fleissig im Kreieren von Roaming-Optionen. Insbesondere von Orange gibt es inzwischen neun verschiedene Roaming-Optionen. Neu gibt es eine weitere Roaming-Option "Orange Travel Data Daily 10 MB" von Orange für das Surfen im Ausland. Diese kostet 10 Franken pro Nutzungstag und beinhaltet ein Inklusivvolumen von 10 Megabyte pro Nutzungstag. Jedes weitere Megabyte kostet 2 Franken.

Wie ich bereits mehrfach geschrieben habe, ist das Problem, dass kaum ein Kunde mit der Masseinheit „Megabyte“ etwas anfangen kann. Wer weniger als 5 Megabyte pro Tag überträgt, fährt mit der „Travel Data Daily“-Option von Orange besser. Je nach Nutzungsverhalten ist die Roaming-Option von Swisscom („World Option Flex“) günstiger als die Optionen von Orange, Sunrise ist nahezu immer teurer als Orange. Die Telekom-Anbieter sollten sich endlich zusammenraufen und vernünftige Datentarife anbieten.

Mit dem Handy im Ausland zu surfen, ist unverschämt teuer. Eine Datenmenge, die in der Schweiz rund 10 Franken kostet, kann im Ausland ohne weiteres über 1'000 Franken kosten. Deshalb am das mobile Internet (über Mobilfunk-Netze) komplett deaktivieren und sich über ein günstiges – oder gar kostenloses – WLAN-Netz im Ausland einwählen. Oder man kauft sich eine lokale SIM-Karte mit einem günstigen Datentarif und surft über diese (wobei dies jedoch mit dem häufig verkauftem iPhone meistens nicht möglich sein wird).

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler

Swisscom-Rechnung gleich vierfach

Über Google News bin ich auf einen TV-Beitrag von TeleBärn gestossen. Auf der Website der Berner Zeitung ist das Video aufgeschaltet. Eine Kundin der Swisscom erhielt die April-Rechnung gleich vierfach, dazu die bereits bezahlte Mai-Rechnung nochmals doppelt. Notabene alle sechs Rechnung im gleichen Briefumschlag.

Die Kundin erzählt im TV-Beitrag, dass die Swisscom-Mitarbeiter im Kundenservice unfreundlich gewesen sind. Ausserdem schob man alles auf einen Systemfehler ab, bemühte sich nicht um Aufklärung und es gab auch keine Entschuldigung. Dies von einem Kundenservice von einem Unternehmen, dass sich über einen guten Kundenservice positionieren will. Leider ist dies kein Einzelfall.

Unglaubwürdig ist die mögliche Erklärung im TV-Beitrag, dass die ursprüngliche April-Rechnung auf dem Postweg verloren gegangen sein könnte. Denn falls diese Rechnung verloren gegangen wäre, wäre wohl eine Mahnung gekommen. Eine vierfach ausgedruckte Rechnungskopie macht keinen Sinn.

Im Mai war bekannt geworden, dass Swisscom rund 9'000 Kunden die April-Rechnung erlässt. Es handelte sich übrigens auch – wie im obenerwähnten Fall, über den TeleBärn berichtet hat – um eine Rechnung vom April 2010. Vielleicht hängt dies mit der gleichen Panne zusammen. Zumindest war Swisscom damals grosszügiger, was ich auch gegenüber dem Internetportal Cash Online erwähnt habe. Das Mindeste wäre, auch in diesem aktuellen Fall auf das Inkasso der Rechnung zu verzichten.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler

Sunrise mit günstigem ISDN

Seit etwa 2 Jahren bietet Sunrise einen eigenen Analog-Anschluss an. Der Anschluss wird auf Basis einer entbündelten Swisscom-Kupferleitung angeboten. Das heisst, Sunrise mietet von Swisscom nur die Kupferleitung. In den Telefonzentralen der Swisscom stellt Sunrise eigene Infrastruktur. Dies ermöglicht wesentlich günstigere Kosten und Sunrise gibt einen Teil der Kostenvorteile an die Kunden weiter. Bisher sind gemäss Angaben von Sunrise mehr als 200'000 Kunden über entbündelte Leitungen angeschlossen.

Das Angebot von Sunrise ist denn auch wesentlich günstiger als das Angebot der Swisscom, zumindest wenn man wie die meisten Kunden sowohl Festnetz-Telefon wie Internet benötigt. Bei Swisscom kostet der Analog-Anschluss 25.25 Franken und der Internet-Anschluss 49.00 Franken. Macht mindestens 74.25 Franken im Monat. Sunrise verlangt für die gleiche Dienstleistung 59 Franken und wenn man Mobilfunk-Kunde von Sunrise ist, gar nur noch 49 bzw. 30 Franken.

Neu bietet Sunrise auch ISDN an. Das Produkt nennt sich „Sunrise ISDN Comfort“ und kostet 9.90 Franken zusätzlich zum Festnetz/Internet-Anschluss. Auch hier ist die Preisdifferenz zu Swisscom gross: Swisscom verrechnet für den ISDN-Anschluss 43 Franken, dazu 49 Franken für den Internet-Anschluss. Macht insgesamt 92 Franken im Monat. Sunrise verrechnet mit 68.90 Franken wesentlich weniger. Und wer auch mit dem Handy über Sunrise telefoniert, bezahlt 58.90 Franken bzw. 39.90 Franken im Monat. Swisscom ist also unter Umständen doppelt so teuer wie Sunrise.

Wer braucht denn heute eigentlich noch ISDN? Als sich ISDN vor etwas mehr als 10 Jahren auch bei Privatkunden durchgesetzt hat, dürften zwei Vorteile wesentlich dazu beigetragen haben. Mit ISDN konnte man gleichzeitig telefonieren und surfen. Ausserdem was das Internet über ISDN schneller. Wer sich heute mit ADSL ins Internet einwählt, kann gleichzeitig telefonieren und auf die Geschwindigkeit hat ISDN auch nur einen minimalen Einfluss (allerdings ist ADSL mit ISDN teilweise langsamer als über einem analogen Anschluss). Heute müssen sich Privatkunden fragen, ob Sie ISDN noch benötigen. Wenn eine Hausverkabelung vorhanden ist oder man ISDN-Komfortanlagen besitzt, die man weiterhin nutzen möchte, macht dies Sinn. Auch für das Faxgerät kann dies sinnvoll sein (auch wenn man prüfen sollte, ob man nicht besser einen Internet-Service dafür nutzt). Ebenfalls sinnvoll kann ISDN für Familien mit Teenagern sein, da man dann auf zwei Leitungen gleichzeitig telefonieren kann. In vielen Fällen dürfte ein ISDN-Anschluss jedoch überflüssig sein.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler

Mittwoch, 30. Juni 2010

vanilla.ch: bezahlen mit dem Handy

In der letzten Ausgabe der Zeitung „Sonntag“ wurde über das neue Zahlungsmittel vanilla.ch berichtet. Ab August kann man in den Filialen der Lebensmittelkette Spar damit bezahlen, hiess es in diesem Artikel weiter.

Hinter vanilla.ch steht Ringier, der grösste Schweizer Verlag. In der ersten Phase kann man eine Applikation auf das iPhone, auf Android-Handys bzw. auf ein Symbian-Handy herunterladen, wie Ringier mir gegenüber bestätigt hat. An der Kasse gibt man in seinem Handy einen PIN-Code ein und gibt der Kassiererin das Handy. Auf dem Handy wird ein Barcode angezeigt, den die Kassiererin einscannt. Gemäss dem erwähnten Artikel arbeitet Ringier mit der GE Moneybank zusammen. Bei dieser Gesellschaft handelt es sich um eine grosse Kleinkredit-Bank. Nach dem Einkauf mit vanilla.ch würde man dann regelmässig eine Rechnung der GE Moneybank erhalten, auf der die mit dem Handy getätigten Einkäufen aufgeführt sind.

Es ist ein interessantes Konzept, allerdings stellt sich bei mir die Frage, ob die Kunden bereit sind, der Kassiererin das Handy mit dem Barcode zu übergeben. Wenn das System ähnlich wie Passabene von Coop ausgestaltet ist, könnte vanilla.ch auch im Laden erfolgreich sein. Der Kunde kann dann mit dem Handys die Strichcodes der Produkte sowie an der Kasse das Handy mit dem Bezahl-Strichcode selbst scannen und direkt bezahlen. Allerdings müssten dann auch die richtigen Preise angezeigt werden, was bei einem offenen System wie vanilla.ch wohl komplexer ist als bei einem geschlossenen System wie Passabene. (Zumal Passabene meiner persönlichen Erfahrung nach leider oftmals die falschen Preise anzeigt. Erst letzte Woche hatte Passabene bei meinem Einkauf etwa bei 2/3 aller erfassten Produkte nicht den richtigen Preis angezeigt.)

Zahlungssysteme auf dem Handy konnten sich in Europa – mit Ausnahme der Verrechnung von Klingeltönen, Spielen und Unterhaltungsdiensten auf dem Handy – bisher nicht durchsetzen. So kann man z.B. seit längerem mit Swisscom-Handys an einigen Selecta-Automaten mit dem Handy bezahlen. Doch wie man hört, wird diese Zahlungsweise kaum benutzt. Vielleicht auch, weil der Schokoriegel und das Getränke beim Bezahlen mit dem Handy mehr kostet. Oder die Bedienung wird als zu schwierig angesehen. Ich vermute, dass dieses Zahlungsmittel vor allem eingesetzt wird, wenn man dringend ein Schokoriegel oder ein Getränk benötigt, aber kein Münz mehr dabei hat.

Die SIX Group – ein Schweizer Anbieter, die vor allem für die Banken Transaktionen abwickelt – bietet Mobile Buy an. An einigen wenigen Orten kann der Kunde über eine SMS bezahlen und der Rechnungsbetrag wird direkt der Kreditkarte belastet. Auch Postfinance bietet einen Bezahlservice über das Handy an. Konkret sendet man ein SMS an Postfinance und der Einkauf wird automatisch dem Postkonto belastet. Bezahlen kann man auf diesen Weg vor allem Konzerttickets und CDs im Internet, unterwegs kann man so sein Handy-Prepaid-Guthaben aufladen oder eine Überweisung auf ein Postkonto in Auftrag geben. Mit beiden genannten System kann man nur ganz wenige Einkäufe bezahlen. Dies ist meiner Meinung nach ein Zeichen dafür, dass diese Services noch nicht gross benutzt werden.

Anders als in Europa ist das Bezahlen mit Handy vor allem in Entwicklungsländer weit verbreitet. Der Grund dürfte darin liegen, dass es in der Regel in diesen Ländern eine einigermassen gut ausgebaute Mobilfunk-Infrastruktur gibt während Banken nicht so weit verbreitet sind. Ausserdem dürfte es mehr Personen mit Handys geben als Personen, die ein Bankkonto haben. Dies führt dann dazu, dass der Kunde seine Rüebli mit dem Handy bezahlt. Und der Gemüsehändler kann seine Einkäufe wiederum mit seinem Handy bezahlen.

In Europa gibt es natürlich viele weit verbreitete Zahlungsmittel: Neben Bargeld kann man mit der Maestro-Karte oder der Kreditkarte bezahlen. Das Handy hat als Zahlungsmittel eine ausgezeichnete Ausgangslage, weil man dieses sowieso immer dabei hat. Wichtig ist jedoch, dass die Kunden den Service bequem nutzen können und das Kunden Vertrauen in das Zahlungsmittel haben. Es wird sich zeigen, ob sich Zahlungssysteme auf dem Handy auch in Europa durchsetzen können. Schreiben Sie mir doch im Kommentar, was Sie zu den Zahlungssystemen auf den Handy denken? Würden Sie der Kassiererin ihr iPhone geben, damit diese das iPhone scannen könnte.

Liebe Grüsse


Ralf Beyeler
Telekom-Experte von comparis.ch