Montag, 11. Oktober 2010

Tiefere Preise – ausser für die Kunden

Seit Anfangs Oktober 2010 verlangen die Schweizer Mobilfunk-Anbieter massiv weniger für die Entgegennahme von Gesprächen in ihr Netz. Ausserdem wurde eine weitere Preissenkung auf den 01. Januar 2011 angekündigt. Die sogenannten Interkonnektionsgebühren (bzw. Terminierungsgebühren) halbieren sich damit. Die Anbieter verrechnen sich die Interkonnektionsgebühren untereinander. Bereits am Tag der Ankündigung habe ich meine Erwartung zum Ausdruck gebracht, dass die Preise für die Endkunden kaum sinken werden. Und bisher hatte ich diesbezüglich leider Recht gehabt.

Swisscom hat tagsüber die Preise für Anrufe aus dem Festnetz auf Handys um 5 Rappen pro Minute gesenkt, abends bleiben die Tarife unverändert. Die beiden anderen grösseren Schweizer Festnetz-Anbieter Sunrise und Cablecom haben die Preise bisher nicht gesenkt. Die Festnetz-Anbieter bezahlen also wesentlich weniger, aber verlangen von den Kunden den bisherigen Preis. Im Klartext wurde die Marge massiv vergrössert.

Ein Preisvergleich mit Deutschland zeigt, wie hoch die Margen der Schweizer Festnetz-Anbieter sind. In Deutschland kann ich als Konsument für unter 6 Eurocent auf Handys anrufen, die Marge ist angemessen. Doch in der Schweiz kaufen die Anbieter für rund 8 Rappen ein, verlangen den Kunden bis zu viermal so viel. Eine Marge von bis zu 300% dürfte der Traum jedes Anbieters sein.

An dieser Stelle möchte ich noch erwähnen, dass es auch Festnetz-Anbieter gibt, die ihre Preise für Anrufe auf Schweizer Handys gesenkt haben. Dazu gehören VTX, Red Telecom und Telio. Doch verglichen mit den Einkaufskonditionen sind auch diese Preise immer noch zu hoch.

Auch die Mobilfunk-Anbieter haben die Senkung der Terminierungsgebühren nicht weitergegeben. Eigentlich müssten jetzt Anrufe auf Fremdnetze günstiger werden. Doch daran haben die Mobilfunk-Anbieter kein Interesse. Die Mobilfunk-Anbieter werden durch die gesunkenen Terminierungsgebühren weniger Einnahmen erzielen und wollen deshalb die Preise nicht senken. Mit der Entgegennahme von Anrufen verdienen die Anbieter also weniger, dafür verdienen die Anbieter nun mit Anrufen in Fremdnetze mehr. Die Preise nicht zu ändern ist sicher eine bequeme Möglichkeit. Dies führt dazu, dass Kunden, die viele ausgehenden Anrufe tätigen nun die Kunden subventionieren, die viele ankommenden Anrufe erhalten.

Eine interessante Strategie haben auch Anbieter, die sowohl Festnetz wie Mobilfunk anbieten: Swisscom und Sunrise lassen die Festnetz-Preise hoch und damit subventionieren die Festnetz-Kunden die Mobilfunk-Kunden. Auf dem Papier werden niedrigere Gebühren verrechnet, doch effektiv ist es eine Umverteilung der Marge vom Mobilfunkbereich in den Festnetzbereich.

Was denken Sie zu den reduzierten Interkonnektionsgebühren? Schreiben Sie mir dazu Ihre Meinung.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telecom-Experte von comparis.ch

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