Sonntag, 23. November 2008

Orange:Millionen mit Taktaenderung

Mit einer Änderung der Taktung kann ein Preis erhöht werden, ohne dass der Preis erhöht wird. Der kommunizierte und verrechnete Minutenpreis bleibt gleich. Da dem Kunden jedoch mehr Sekunden verrechnet werden als bisher, erhöht sich die Telefonrechnung des Kunden.

Die Beträge für den einzelnen Kunden sind zwar eher klein, aber die Masse machts. Bei rund einer Million Privatkunden wie beim Mobilfunk-Anbieter Orange kommt einiges zusammen. Ich schätze die Mehreinnahmen auf jährlich 15 bis 30 Millionen Franken. Comparis hat übrigens am Mittwoch dazu eine Medienmitteilung verschickt (online verfügbar).

Auf der Telefonrechnung hat Orange die Änderung - die übrigens nur für Privatkunden und Abo-Kunden gilt, nicht jedoch für Geschäftskunden und für Prepaid-Kunden - mit dem folgenden komplizierten Sätzen erklärt:
ÄNDERUNG: Orange wird seine Abrechnungsmethode ändern. Dies bedeutet, dass die Gesamtdauer eines Anrufes nicht mehr für die ersten 10 Sekunden pauschal und dann sekundenweise, sondern in 10-Sekunden-Intervallen verrechnet wird. Diese Änderung tritt zum 1. November 2008 in Kraft und gilt für alle Anrufe innerhalb der Schweiz auf Fest- und Mobilfunknetze, für Anrufe auf Ihre Orange Box sowie für alle in der Schweiz getätigten internationalen Anrufe.

Der Text erweckt bei mir den Eindruck, dass Orange eine absolut unwichtige Änderung vornimmt (etwa so wie eine Adressänderung oder eine Änderung einer Telefonnummer). Dass es sich dabei um eine Preiserhöhung zwischen 0 und etwa 7 Prozent (bei 104 Sekunden Dauer pro Anruf im Schnitt, wie dies dem schweizerischen Durchschnitt entspricht) handelt, wird nicht klar ersichtlich.

Übrigens argumentiert Orange, dass sie nun die branchenübliche Abrechnungsmethode einführt. Mhhm, habe ich was verpasst. Denn
  • die Günstig-Angebote von Migros, Coop und Aldi werden sekundengenau abgerechnet (also für den Kunden die beste Abrechnungsart). Auch Orange lässt bei Prepaid-Kunden die Abrechnungsart bei sekundengenauer Abrechnung.
  • die Swisscom wendet bei den meisten Anrufen der meisten Kunden (sofern sie ein Angebot mit Liberty im Namen haben) keine Rundung an. Denn mit Natel Swiss Liberty kostet ein Anruf ins Swisscom-Handynetz und ins Festnetz 50 Rappen (bis zu einer Dauer von einer Stunde). Es wird nichts aufgerundet und der Kunde bezahlt 50 Rappen, nicht plötzlich 55 Rappen. Im 10-Rappen-Takt rundet Swisscom bei Liberty-Kunden Anrufe auf die Mobilfunk-Netze von Sunrise und Orange. Der Effekt der 10-Rappen-Taktung ist für den Kunden ungefähr der selbe wie die Abrechnungsmethode von Orange.
  • die Sunrise rechnet zwar im 10-Sekunden-Takt ab. Dies jedoch nur bei Kunden mit einem Zero, Zero Plus oder Max-Abo oder der Go-Prepaidkarten. Die Kunden mussten sich für diesen Preisplan anmelden und es wurde klar kommuniziert, dass in 10-Sekunden-Einheiten abgerechnet wird.
  • bei Sunrise telefonieren alle Kunden mit einem anderen Privatkunden-Abo oder einer Prepaid-Karte immer noch mit der gleichen Taktung wie beim Vertragsabschluss.

Es ist ein Novum in der Schweiz, dass ein Mobilfunk-Anbieter die Taktung für bestehende Kunden ändert und der Kunde damit mehr bezahlt.

Liebe Grüsse

Ralf Beyeler
Telekom-Experte www.comparis.ch

Abrechnungsprobleme beim mobilen Internet?

Letzte Woche habe ich über einen Artikel des K-Tipps geblogt. Ein Leser hat eine Rechnung von 18'000 Franken für das Surfen im Ausland erhalten. Im gleichen Artikel ist auch von Abrechnungsprobleme der Mobilfunk-Anbieter beim mobilen Internet die Rede. Es ist in der Branche kein Geheimnis, dass die Rechnungssysteme vor allem für das Verrechnen von Gesprächen ausgelegt ist. Aber die meist alten Rechnungssysteme können mit Datenübertragungen nicht immer so einfach umgehen. Bereits mehrfach gingen z.B. bei Swisscom Rechnungsdaten für die mobile Datenübertragung verloren und wurden dem Kunden einige Monate verspätet auf der Rechnung belastet.

Hier die Vorwürfe des K-Tipps kurz zusammengefasst (Artikel für Abonnementen online verfügbar):
  • Einem Informatiker wurden 5600 Franken verrechnet für 10 Gigabyte, die er in einer einzigen Nacht heruntergeladen haben soll. Da der Informatiker wusste, wieviele Daten er übertragen hat und nachdem er mehrfach bei Swisscom interveniert hat, stornierte Swisscom die Rechnung. Und obendrauf kann der Kunde gleich noch vier Monate kostenlos surfen.
  • Swisscom soll gemäss einer Aussage einer Mitarbeiterin des Swisscom-Kundendienstes massive Probleme mit der Abrechnung gehabt haben (schreibt der K-Tipp). Sie gestand, dass das Problem bis zum 15. September 2008 bestanden hat und alle Daten gelöscht wurden.
  • Swisscom hat mehreren tausend iPhone-Kunden zwischen Juli und Oktober ihre überhöhten Daten-Rechnungen erlassen.
  • Sunrise stornierte eine Rechnung über 2'700 Franken, weil sie dem Kunden keinen detaillierten Verbindungsnachweis liefern konnte. Da war es einfacher, dem Kunden die Rechnung zu erlassen.

Im Artikel fordert der K-Tipp von den Anbietern einen detaillierten Verbindungsnachweis mit der Auflistung der besuchten Seiten. Dieser Forderung kann ich mich nicht anschliessen. Ich finde zwar, dass die Transparenz erhöht werden müsste. Doch der Aufwand für eine Auflistung ist meines Erachtens nicht gerechtfertigt. Stattdessen würden die Anbieter lieber eine Flatrate einführen - oder aber eine Begrenzung der täglichen Surf-Kosten, wie dies Swisscom bereits bei mehreren Produkte anbietet.

Im Artikel ist die Rede davon, dass die Abrechnungssysteme nicht auf dem neuesten Stand sind.

Liebe Grüsse

Ralf Beyeler
Telekom-Experte www.comparis.ch

TV-Zwangsboxen: Nationalrat will einen Kompromiss

Ich habe bereits mehrfach über das Ärgernis der Zwangsboxen, die zum Empfang von Digital-TV-Programmen notwendig sind, in meinem Blog geschrieben (siehe Beiträge unter der Kategorie Grundverschlüsselung). Die Cablecom und viele andere Kabelanbieter verschlüsseln frei empfangbare TV-Programme und bieten den Kunden nur schlechte Boxen zu einem massiv überhöhten Preis an. Dabei ist die Grundverschlüsselung unnötig und nur dazu da, dass Cablecom und Co. ihren Umsatz durch das Vermieten minderwertiger Set-Top-Boxen erhöhen kann. Denn die TV-Programm empfangen Cablecom und Co. kostenlos und verkaufen die gratis empfangenen Programme für teures Geld aus. Und dies obwohl man an Cablecom Monat für Monat rekordverdächtige 26.45 Franken für den Anschluss abdrückt (gut versteckt auf der Nebenkosten-Abrechnung des Vermieters, so dass der Kunde dies oftmals nicht weiss).

Eine Motion verlangt, dass die Grundverschlüsselung verboten wird. Der Ständerat hat dieser Motion im letzten Jahr zugestummen. Der Nationalrat hat im September entschieden, dass die zuständige Kommission eine sachlich fundierte Lösung ausarbeiten muss.

Schneller als erwartet gibt es nun einen Vorschlag (Siehe Mitteilung auf der Seite des Parlaments). Konkret schlägt die Kommission folgende Abänderung des Motionstextes vor:
Der Bundesrat wird beauftragt, gesetzliche Grundlagen zu schaffen, um die Verschlüsselung von freien Fernsehkanälen im Grundangebot bei der digitalen Verbreitung in Kabelnetzen verbieten zu können oder, wenn eine Verschlüsselung angewandt wird, um zu gewährleisten, dass die Konsumenten und Konsumentinnen zu angemessenen Bedingungen Empfangsgeräte ihrer Wahl einsetzen können. Dabei ist zu beachten, dass das Anbieten von Fernsehprogrammen über IPTV (Internet Protocol Television) nicht unnötig erschwert wird und Verzerrungen im Wettbewerb zwischen verschiedenen Technologien möglichst vermieden werden.

Was dies nun für den Konsumenten konkret bedeutet, ist noch unklar und kommt auf die gesetzliche Grundlagen an, die der Bundesrat ausarbeiten lässt. Leider wird wohl noch viel Zeit vergehen. In dieser Zeit werden viele Schweizer nicht von den Vorteilen des Digitalfernsehen profitieren können, weil sie beim analogen TV-Empfang bleiben oder aber schlechte Erfahrungen mit dem Digital-TV-Angeboten der Zwangsboxen-Monopolisten machen.

Meiner Meinung nach müsste eine vernünftige Regelung etwa so aussehen:
  • Alle SRG-Programme und Schweizer Regional-TV-Sender müssen unverschlüsselt ausgestrahlt werden.
  • Alle Mustcarry-Programme (inkl. HD-Versionen dieser Programme) müssen unverschlüsselt ausgestrahlt werden.
  • Alle TV-Programme, die der Kabelnetz-Betreiber kostenlos empfangen kann und die früher bereits analog und/oder digital ausgestrahlt worden sind, müssen unverschlüsselt ausgestrahlt werden.
  • Alle Free-TV-Programme mit Schweizer Werbefenstern müssen ebenfalls unverschlüsselt ausgestrahlt werden.
  • Alles andere (Premium-TV-Programme, Pay-TV, Fussballspiele gegen Bezahlung, interaktives Fernsehen) darf verschlüsselt werden. Dabei ist es dem Anbieter freigestellt, eine eigene Box anzubieten.

Damit können die so gross umworbenen Kunden, die Digital-TV nur wegen den ach so tollen innovativen TV-Dienstleistungen - die es notabene in der Schweiz erst beim Konkurrenten Swisscom gibt, nicht jedoch bei Cablecom - wollen, weiterhin mit einer eigenen Box abgespiessen werden. Ich behaupte jedoch, dass die meisten Kunden einfach fernsehen wollen und von einer grösseren Auswahl, besserem Sound und eventuell besserem Bild profitieren wollen. Und alle diese Kunden können die Box ihrer Wahl einsetzen.

Wir werden sehen, wie die Lösung des Nationalrates und dann des Bundesrates aussehen wird. Und wann diese Lösung dann endlich vorliegen wird.

Liebe Grüsse

Ralf Beyeler
Telekom-Experte www.comparis.ch

Sonntag, 16. November 2008

Heikle Sicherheitsluecke bei Sunrise

Der Beobachter schreibt in seiner aktuellen Ausgabe über ein Sunrise-Sicherheitsleck. Dieses Sicherheitsleck hat während rund 3 Monaten bis zum 28. Oktober 2008 bestanden. Damit war es möglich, über die Sunrise-Servicenummer 0800 707 707 mit jedem beliebigen Sunrise-Handy an die Original-PIN und die PUK jedes Sunrise-Kunden zu kommen.

Mit diesen Daten alleine kann man zwar noch nicht viel anfangen. Hat man jedoch das fremde Handy, hat man damit Zugriff auf das Handy, selbst wenn das Handy mit einem PIN-Code gesichert ist. Damit kann man SMS lesen und schreiben, das Adressbuch durchwühlen und Telefonate auf fremde Kosten führen.

Im Artikel ist von einer Tonband-Stimme die Rede, damit ist klar, dass es sich um einen automatisierten Service handelt. Klar ist, dass leider auch in so heiklen Bereichen, immer Fehler geben kann. Die Systeme sind sehr komplex und ein Fehler kann nie ausgeschlossen werden.

Gemäss dem Beobachter-Artikel hat die entsprechende Kundin Sunrise auf den Fehler aufmerksam gemacht. Statt die Meldung aufzunehmen und an die Techniker weiterzuleiten, lacht man die Kundin aus mit "Sie machen etwas falsch. Sowas ist gar nicht möglich". Das sollten die Anbieter verbessern und interessante Beobachtungen der Kunden weiterleiten, damit das Ganze seriös abgeklärt werden kann.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte www.comparis.ch

Ein wenig Surfen für 18000 Franken!

Der K-Tipp berichtet in seiner aktuellen Ausgabe wieder einmal über Abrechnungsprobleme beim mobilen Internet (Beitrag für Abonnementen online verfügbar).

Ein K-Tipp-Leser hat eine Rechnung über 18'752.90 Franken erhalten haben. Nur weil er in Italien ein wenig im Internet gesurft hat. Als der Kunde reklamiert (unklare Vertragsbedingungen) hat, reduzierte Swisscom den Rechnungsbetrag auf 1249 Franken. Das wären dann 15mal weniger. Übrigens: In der Schweiz hätte der Kunde mit seinem Abo "Data Option Day" in einem Monat maximal 149.50 Franken bezahlt. Für das Surfen im Ausland soll der Kunde also gemäss erster Rechnung rund 125mal mehr bezahlen. Dies ist mehr als Unverständlich.

Die Anbieter erhalten immer mehr ein Problem mit dem Surfen im Ausland. Die Kunden werden viel zu wenig über die Kosten im Ausland aufgeklärt. Dazu kommt, dass in einer für den Kunden - und meist auch den Verkäufer und Kundendienst-Mitarbeiter - unverständlichen Masseinheit namens Megabyte abgerechnet wird. Bis auf Informatiker und einige Freaks ist Megabyte eine nicht nachvollziehbare Einheit.

Als einziger Anbieter hat bisher nur Sunrise reagiert. Nachdem im Frühling einige Problemfälle an die Medien gelangt sind, hat das Unternehmen reagiert und das Surfen im Ausland grundsätzlich gesperrt. Die Kunden wurden informiert und konnten - falls sie unbedingt im Ausland surfen müssen - das Surfen im Ausland wieder freischalten lassen. Dies ist meines Erachtens der richtige Weg. Daneben müssen die Anbieter viel offensiver informieren und am Besten bereits im Verkaufsgespräch darauf aufmerksam machen, dass das Surfen im Ausland sehr teuer ist und man die Dienstleistungen daher sehr zurückhaltend nutzen soll.

Viel wichtiger wäre eine attraktive Produktgestaltung: Die Anbieter aus aller Welt sollen sich endlich mal zusammenraufen und gemeinsam attraktive Roamingtarife für das mobile Surfen vereinbaren. Ich bin überzeugt, dass dies für alle Anbieter einen gewaltigen Schub geben würde und der Service auch im Ausland eingesetzt wird. Unverständlich ist mir, weshalb die grossen multinational tätigen Unternehmen wie Vodafone oder Orange noch keine attraktiven Angebote wie das Surfen in allen Vodafone-Netzen oder allen Orane-Netzen haben. Insbesondere innerhalb eines Unternehmens sollte ein solcher Tarif eigentlich gut durchsetzbar sein. Aber anscheinend will man lieber die Kunden mit massiv überrissenen Wucherpreisen abzocken.

Mein Vorschlag: Wie auch im Inland für das Ausland einen Tagestarif anbieten. In der Schweiz können die Kunden für 3.50 oder 4.50 Franken einen Tag so lange surfen wie sie wollen. Weshalb nicht auch einen ähnlichen Tarif für das Surfen im Ausland: Eine Tarifangabe wie 5, 10 oder 20 Franken pro Nutzungstag versteht jeder.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte www.comparis.ch

Endlich: iPhone für Sunrise-Kunden (über Digitec)

Ein grosser Schwachpunkt an einem der derzeit erfolgreichsten Handys - dem iPhone von Apple - ist die Exklusivität. Nur Kunden einiger ausgewählter Anbieter können das iPhone offiziell nutzen. In der Schweiz dürfen nur Kunden von Swisscom und Orange das iPhone offiziell kaufen. Kunden von Sunrise bleiben auf der Strecke und dürfen das iPhone nicht nutzen. Es sei denn, sie verwenden ein gehacktes iPhone der ersten Generation - noch ohne GPS und ohne UMTS-Unterstützung.

Nun verkauft der günstige und bekannte Elektro-Onlineshop Digitec das iPhone. Der Clou: Es handelt sich gemäss einem Artikel von Blick am Abend um Pararellimporte aus Ländern, in denen das iPhone auch ohne Netzbindung verkauft werden muss. Das iPhone, dass bei Digitec gekauft wird, funktioniert also mit jeder beliebigen SIM-Karte. Allerdings hat das iPhone auch seinen Preis: Ohne Aboabschluss wird das iPhone für 849 Franken (8GB-Variante) bzw. 999 Franken (16 GB-Variante) verkauft.

Digitec verkauft das iPhone auch zusammen mit einem Neu-Aboabschluss (und wohl auch mit einer Vertragsverlängerung, wobei die Konditionen bei einer Vertragsverlängerung sowieso immer individuell sind). Für Swisscom-Kunden und Sunrise-Kunden ist der Kauf des offenen Digitec-iPhones etwa 300, 400 Franken teurer als der Kauf eines eingeschränkten iPhones im Swisscom-Shop oder im Orange-Shop.

Interessant ist das digitec-iphone jedoch für Kunden von Sunrise: Insbesondere mit dem Abschluss einem Sunrise Zero Plus oder Sunrise Max-Abos ist der Preis attraktiv.

Sunrise hat die günstigsten Abos der drei grossen Anbieter und daher rechnet es sich, von diesem digitec-Angebot zu profitieren. Allerdings nur, wenn man das Handy auch etwas häufiger nutzt.

Ein Beispiel: Ein Kunde, der 3 Stunden pro Monat telefoniert, 50 SMS pro Monat versendet und natürlich noch im Internet surft, bezahlt bei Swisscom 99 Franken (Liberty Mezzo) im Monat, bei Orange 97 Franken (iPhone Optima), bei Sunrise hingegen nur etwa 58 Franken (Zero Plus mit Surf-Option). Über die Dauer von 2 Jahren - entsprechend der Mindestlaufzeit des Vertrages - bezahlt ein Orange-Kunde 2527 Franken und ein Swisscom-Kunde gar 2'675 Franken. Bei Sunrise kostet das Ganze jedoch nur 1679 Franken. Swisscom verrechnet also knapp 60% mehr als Sunrise. In den Kosten ist jeweils auch der Gerätepreis für den Kauf des iPhones enthalten.

Ich finde es gut, dass jetzt auch Sunrise-Kunden die Möglichkeit erhalten, ein iPhone 3G zu kaufen. Wobei der Preis für den Kauf ohne Aboabschluss noch zu hoch ist.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte www.comparis.ch

Sonntag, 9. November 2008

Glasfaser-Rummel! Für Kabelanbieter doch ein Thema

In aller Welt sind die Anbieter dabei, die Glasfasernetze zu planen. Teilweise wurde sogar bereits mit dem Bau von Glasfasern in die einzelnen Wohnungen begonnen. Nur für die Schweizer Kabelnetz-Betreiber - so ihr Branchenverband Swisscable - ist der "Glasfaser-Rummel" kein Thema. Dies schreibt die Swisscable jedenfalls in ihrer Medienmitteilung unter dem Titel "Kabelunternehmen können auf den Glasfaser-Rummel verzichen".

Das ich mit der Propaganda-Maschine Swisscable so meine Mühe habe, sollte inzwischen bekannt sein. Ich schätze lieber sachliche Argumente statt unsachlicher Propaganda.

Swisscablecom-Medienmitteilung: Die bestehenden Netze der Schweizer Kabel-TV-Unternehmen sind für die Zukunft gut gerüstet. Dies ist das Fazit einer Studie, die an der heutigen Jahrestagung von Swisscable in Bern vorgestellt worden ist. Ein Grund dafür ist, dass es sich bei Kabelnetzen um sogenannte Hybrid-Fiber-Coax-Netze (HFC-Netze) handelt. Es sind also Netze, die bereits heute zum grössten Teil aus Glasfasern bestehen. Nur gerade die letzten paar hundert Meter von den Netzknoten bis ins Haus bestehen nicht aus Glasfasern, sondern aus koaxialen Kupferkabeln.


Liebe Swisscable, auch die Mitbewerber setzen heute bis einige hundert Meter vor dem Kundenanschluss Glasfaser-Leitungen ein. Dies ist heute üblich. Ich verstehe ja, dass die Kabelnetzer-Anbieter nicht sofort in Glasfaser-Leitungen bis zum Kunden investieren wollen. Doch deshalb so stark zu betonen, dass man Glasfaser-Leitungen im Backbone-Bereich einsetzt, ist übertrieben. Fairerweiser muss ich den gleichen Vorwurf auch Swisscom machen: Sie zählt auch VDSL zu den Glasfaser-Technologien, obwohl auch hier die letzten paar hundert Meter mit uralten Leitungen abgedeckt werden.
Swisscable: Diese Koaxialkabel sind jedoch um ein Vielfaches leistungsfähiger als zum Beispiel Telefonleitungen.
Die gesamte Kapazität eines Koaxialkabel ist leistungsfähiger als eine einzelne Telefonleitung. Das stimmt, aber es gibt einen gewaltigen Unterschied: Beim Telefonkabel gibt es zu jedem Kunden eine ganze Leitung, die der Kunde nur für sich alleine hat. Anders beim Koaxialkabel: Dort teilen sich viele Kunden die gleiche Leitung, dadurch ist die Kapazität für jeden einzelnen Kunden stark beschränkt. Dazu kommt, dass ein grosser Teil des Kabels für die ineffiziente Ausstrahlung von analogen Signalen (analoges TV, analoges Radio) verwendet wird.

Swisscable: Ein weiterer Grund für die Zukunftsfähigkeit der Kabelnetze ist deren
Ausbaufähigkeit. So können die bestehenden Glasfaserleitungen kontinuierlich näher an die Gebäude gezogen werden. Damit wird die sogenannte Zellengrösse verkleinert, die Koaxialkabel-Strecke zum Haus verkürzt, und die Datenrate pro Anschluss kann bei Bedarf zusätzlich erhöht werden.

Nichts anderes macht zum Beispiel Swisscom. Dies ist ein übliches Vorgehen, um die alten, längst abbezahlten Kabel weiterverwenden zu können, statt die Kabel durch teurere Kabel ersetzen zu müssen. Ich bezweifle jedoch, dass dies ein Grund für die Zukunftsfähigkeit der Kabelnetze ist. Mittelfristig werden Glasfaser-Kabel bis in die Wohnung der gängige Anschluss an die Kommunikationswelt sein. Sowohl Telefon-Kupferkabel wie Kabel-Koaxialkabel werden mittelfristig keine Bedeutung mehr haben, weil die Kapazität viel zu gering ist.

Die Einführung des neuen leistungsfähigen Übertragungsstandards DOCSIS 3.0 (Data Over Cable Service Interface Specification) erlaubt – zusätzlich zu den bestehenden Broadcast-Diensten (analoges und digitales TV) – das Anbieten von Datenraten von einigen hundert MBit/s. Die in Entwicklung stehenden neuen Modulationsverfahren für DVB-C2 versprechen zudem weitere Effizienzsteigerungen in den kommenden Jahren.


Inhaltlich Zustimmung.
Ausbaufähigkeit bedeutet gemäss der präsentierten Studie auch, dass auf den bestehenden Kabelnetzen verschiedene Übertragungstechniken eingesetzt werden können. So wäre ein Umstieg von der bewährten Rundfunktechnik (Broadcast) auf eine Internet-Protokoll (IP) basierte Übertragung bei Bedarf möglich. Zudem können die Techniken Rundfunk und IP auf Kabelnetzen auch gleichzeitig für jeweils spezifische, aber auch kombinierte hybride) TV-Dienste eingesetzt werden.

Auch hier Zustimmung. Wobei es mich erstaunt, dass Swisscable dies so stark betonen muss. Wenn eine Set-Top-Box einen Internet-Anschluss hat (und die Box auch Zugang zu den entsprechenden Dienstleistungen ermöglicht), kann die Box Daten aus dem Internet empfangen. Das über das Kabel-TV-Netz Internet möglich ist, weiss heute praktisch jeder.
Swisscable: Das Gebot der Stunde sei Gelassenheit, kommentierte Swisscable-Präsident Hajo Leutenegger die Studie: „Kabelnetzunternehmen können auf den Glasfaser-Rummel verzichten.“ Gleichzeitig sei es zentral für die Branche, die bestehenden Kabelnetze kontinuierlich weiterzuentwickeln. Denn nur so könne die Leistungsfähigkeit auch in der weiteren Zukunft garantiert werden. „Dies ist auch deshalb so wichtig, weil die Konkurrenz weiter zunehmen wird“, sagte Leutenegger.

Hier mein ich ganz anderer Meinung. Die Kabelnetz-Betreiber können es sich nicht erlauben, auf den Glasfaser-Rummel zu verzichten. Im Gegenteil: Wenn sie mittelfristig nicht bedeutungslos werden wohlen, müssen Sie eine Glasfaser-Strategie entwickeln! Dies heisst jetzt nicht, dass jeder Glasfaser-Leitungen in alle Wohnungen legen soll. Doch sollten auch die Kabelnetze sich Gedanken dazu machen, wie sie Glasfaser-Leitungen in Zukunft nutzen wollen.

Übrigens: Es gibt bereits Kabelnetz-Anbieter, die die Bedeutung der Glasfaser-Leitungen begriffen haben und bereits Glasfaser-Leitungen verlegen.

Wie leistungsfähig das Koaxialkabel wirklich ist, habe ich vor kurzem selber bemerkt: Nur gerade 40% der bezahlten Leistung konnte über das Kabel übertragen werden. Wie das wohl sein wird, wenn ein paar Kunden wirklich die Angebote mit 100 MBit/s oder mehr nutzen. Dann kommen die anderen Kunden wahrscheinlich gar nichts mehr ins Internet. Oder die Kunden, die für 100 MBit/s bezahlen, erhalten nur einen Bruchteil der bezahlten Leistung.

Ich persönlich hoffe, dass es bald echte Konkurrenz geben wird und ich nicht mehr auf das miserable und zu teure Monopol-TV-Angebot von Cablecom angewiesen sein werde.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte www.comparis.ch

Orange mit Citydisc: Welche Synergien?

Letzten Montag gab Mobilfunker Orange die Übernahme der CD und DVD-Kette Citydisc bekannt. In den Citydisc-Filialen soll ein neues, in der Schweiz einzigartiges Shopkonzept umgesetzt werden, verspricht Orange - jedoch ohne genauere Details bekanntzugeben. Bekannt ist lediglich, dass das Telekom-Angebot von Orange mit dem Multimedia-Sortiment von Citydisc zusammengeführt werden soll.

Es stellt sich jedoch bereits heute die Frage, ob Orange wirklich ein so innovatives Konzept aus dem Hut zaubern kann. Denn die Kernkompetenz von Orange ist weiterhin das Verkaufen von Mobilfunk-Verträgen und die Kernkompetenz von Citydisc weiterhin das Verkaufen von Silberscheiben mit Musik, Video oder Games. Ich sehe aus Kundensicht den Sinn nicht, wenn ich im gleichen Geschäfts nun neben CDs und DVDs noch einen Mobilfunk-Vertrag abschliessen kann. Oder ist Orange so innovativ und gibt kostenlos eine CD zu jedem neuen Handy-Vertrag mit? (wobei ich dies alles andere als innovativ fände). Die Bedeutung von CDs dürfte in Zukunft noch mehr abnehmen, da Musik häufiger über iTunes oder über andere Internetdienste bezogen wird. Je nach Entwicklung der Internet-Bandbreite und der Geräte könnte sich die gleiche Verlagerung in Zukunft auch im Videobereich abzeichnen.

Übrigens: Orange-Chef Andreas Wetter lässt sich in der Medienmitteilung wie folgt zitieren:"Musik, Filme und Games auf dem Mobiltelefon sprechen das gleiche Kundensegment an wie CDs, DVDs und Spielkonsolen. [...] wir verschaffen uns im Multimediageschäft auch vielversprechende Synergien, die unsere Marktposition weiter stärken“.

Ich bin gespannt, welche Synergien das sein werden. Ich kann auf jeden Fall die Synergien nicht erkennen. Und das gleiche Kundensegment hätte man auch ansprechen können, wenn man z.B. eine Billiard-Halle übernommen hätte.

Wir werden sehen, ob Orange mit dem neuen Konzept wirklich einen Erfolg landen wird. Interessanter für Orange ist sicherlich der Ausbau des Filialnetzes auf rund 80 eigene Shops. Denn nach dem Verkauf der Phonehouse-Filialen an Swisscom ist ein wichtiger, unabhängiger Vertriebspartner verschwunden.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte comparis.ch

Sonntag, 2. November 2008

Wieder mal die Glasfaser-Diskussion

Wie versprochen - und doch etwas später als eigentlich gedacht - heute noch einen Post zum Thema "Glasfaser"-Netze. An den Bieler Kommunikationstagen Comdays war der Aufbau der Glasfaser-Netze ein grosses Thema. Konkret geht es um die Glasfaser-Leitung bis in die Wohnung des Kunden, sogenanntes FTTH.

Swisscom-Chef Carsten Schloter machte sich in einer Präsentation (online verfügbar) für das "4 Kabel in jede Wohnung"-Modell stark. Ich habe jedoch auch nach dieser Präsentation immer noch nicht verstanden, was an diesem Modell sinnvoll sein soll. Ausser, dass ein neues, unnötiges Swisscom-Monopol geschaffen wird.

Peter Messmann von den Stadtzürcher Elektrizitätswerken ewz zeigte auf, was die Vorteile eines offenen Netzes sind (Präsentation online verfügbar). Der grosse Vorteil ist, dass nur eine Infrastruktur verlegt wird (Swisscom will hingegen nur im Haus die Infrastruktur gemeinsam bauen und nach dem Hausanschluss will Swisscom mehrere Infrastrukturen) und alle interessierte Anbieter ihre Dienstleistungen anbieten können. Es könnte endlich echter Wettbewerb entstehen.

An einer Parallelveranstaltung der Bieler Kommunikationstage gab es mehrere Vorträge von Openaxs, dem Verbund mehrerer Elektrizitätswerke für ein offenes Glasfaser-Netz. Imposant fand ich den Vertrag vom St. Galler Stadtrat Fredy Brunner. Er informierte über die Pläne des St. Galler Glasfaser-Netzes. (Herzliche Gratulation übrigens zum in der Zwischenzeit erreichten Entscheid des St. Galler Stadtparlaments. Das Parlament hat sich einstimmig für den Kredit ausgesprochen. Nun muss noch das Volk nächsten Februar zustimmen und St. Gallen wird ein modernes leistungsfähiges Glasfaser-Netz erhalten). Ganz erfrischend fand ich auch Ansgar Gmür, Direktor des Schweizerischen Hauseigentümberverbandes, an der Podiumsdiskussion. Er war eine der ganz wenigen Personen, der auch von Bedürfnissen der Kunden gesprochen hat. Herr Gmür hat mir aus dem Herzen gesprochen.

Auch in der Präsentationen der französischen Regulationsbehörde sowie und des britischen Anbieters British Telecom war Glasfaser ein Thema.

Wie die Situation derzeit aussieht, wird alles auf einen Wettlauf hinauflaufen. Sowohl Swisscom wie die Elektrizitätswerke versuchen, als erster in möglichst vielen Häusern ihre Glasfaser verlegen zu können. Beharren sowohl Elektrizitätswerke wie auch Swisscom auf ihren Positionen dürfte es in Zukunft Liegenschaften mit Swisscom-Glasfaser-Anschluss und Liegenschaften mit Glasfaser-Anschluss der Elektrizitätswerke geben. In den Swisscom-Häusern könnten die Kunden nur ein überteuertes Angebot von Swisscom nutzen. In den Häusern, die durch Elektrizitätswerke erschlossen sind, haben die Kunden Auswahl aus zahlreichen attraktiven und preisgünstigen Angeboten.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte www.comparis.ch

Sonntag, 26. Oktober 2008

Wieviel Bandbreite braucht der Mensch

Gleich zu Beginn der Bieler Kommunikationstage Comdays gab es einen sehr interessanten Vortrag von George Stromeyer von Cisco zum Thema "Wieviel Bandbreite braucht der Mensch?". Die Präsentation dieses Vortrages ist online verfügbar.

Ein Blick auf diese Präsentation ist sehr interessant. Blickt man 10-15 Jahre in die Vergangenheit zurück und sieht man sich die damaligen Bandbreiten und die heutigen Bandbreite an, wird man grösste Veränderungen feststellen.

Dies sieht man am einfachsten an den Geschwindigkeiten des meistverbreitesten Privatkunden-Angebotes. Mitte bis Ende der 1990er-Jahre war eine Geschwindigkeit von rund 30 bis 45 KBit/s üblich. Heute sind es 2'000 bis 5'000 KBit/s pro Sekunde (zwar surfen die meisten Kunden mit einem Angebot, dass theoretisch eine Bandbreite von 5'000 KBit/s bietet. Doch jeder zweite ADSL-Kunde surft mit weniger als dieser Geschwindigkeit, obwohl er diese Geschwindigkeit bezahlt). Trotzdem kann man vereinfacht sagen: Der Kunde erhält rund 100mal mehr Geschwindigkeit als vor zehn Jahren.

Zurück zum Vortrag: Herr Strohmeyer sieht für das Jahr 2010 einen Bandbreiten-Bedarf von 30 MBit/s. Der Kunde könnte im Monat 1'100 Gigabyte Daten übertragen. Ein grosser Teil dieser Datenmenge bezieht sich auf Videodaten, insbesondere auch in HD-Qualität. Ich persönlich gehe nicht davon aus (wobei Schätzungen natürlich immer sehr schwierig sind), dass bereits in zwei Jahren viele Kunden Bedarf an einer so grossen Datenmenge hätte. ich bin aber auch überzeugt, dass es in einigen Jahren jedoch Bedarf für eine so grosse Datenmenge geben wird. Voraussetzung ist jedoch, dass diese Angebote auch zu guten Preisen angeboten werden.

Dazu kommt, dass technisch eine solche Datenmenge in der Schweiz 2010 noch nicht im grossen Stil zur Verfügung stehen wird. ADSL von Swisscom (und allen anderen Anbietern, die auf diese veraltete Technologie setzen) ist ein Auslaufmodell und bereits heute surft jeder zweite nicht mit der vollen Geschwindigkeit. Kabelinternet ist heute bereits am Anschlag und wenn nun alle plötzlich mit 30 MBit/s surfen wollen, bricht das Netz sehr schnell zusammen. Auch ADSL2+ (z.B. von Sunrise im entbündelten Gebiet) und VDSL von Swisscom, die in der Regel Geschwindigkeiten von 5 bis 20 MBit/s bieten können, sind bereits in Kürze wieder am Ende.

Bisher konnte man jeweils aus bestehenden, jahrzehntealten (Kupfer-)Leitungen noch mehr Bandbreite herauskitzeln und die Anbieter mussten keine teure Investitionen in neue Kabel vornehmen. Doch jetzt müssen neue Leitungen gelegt werden. Am Besten geeignet für viele Jahrzehnte sind die Glasfaserleitungen. Zu Beginn werden die Angebote wohl eine Geschwindigkeit von bis zu 100 MBit/s anbieten, doch die Geschwindigkeit kann relativ leicht erhöht werden, ohne dass die Glasfaser neu verlegt werden muss. Ich werde demnächst auch noch etwas zum Thema Glasfaser schreiben.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte comparis.ch

PS: Das Blog der Bieler Kommunikationstage Comdays hat eine kurze Zusammenfassung über den Vortrag von Herrn Strohmeyer veröffentlicht.

Rosarote Brille bei Cablecoms Liberty Global

Letzten Dienstag und Mittwoch besucht ich die Bieler Kommunikationstage Comdays. Ein Vortrag wurde von Michael T. Fries, CEO und Präsident der Cablecom-Muttergesellschaft Liberty Global gehalten. Die Präsentation des Vortrages ist übrigens online verfügbar.

Dieser Vortrag beeindrukte mich von allen am meisten. Denn bei sehr vielen Aussagen in diesem Vortrag musste ich nur schmunzeln. Es kann doch nicht sein, dass Michael T. Fries seine Aussagen selbst glaubt? Michael T. Fries hatte wohl die rosaroteste Brille, die es gibt, an.

Wir Schweizer könnten uns glücklich setzen, dass es einen Anbieter wie Cablecom gibt. Liberty Global ist sehr zufrieden mit Cablecom. Cablecom bietet sehr attraktive Angebote an, die die Kunden auch wollen.

Kein Ton davon, dass sehr viele Kunden mit den Dienstleistungen des Monopol-Anbieters Cablecom sehr unzufrieden sind. Seit Jahren belegt der grösste Kabelnetz-Anbieter der Schweiz Spitzenpositionen der Konsumentenzeitschriften betreffend Problemen mit dem Kundendienst. Ich höre derzeit dutzendfach, dass der Kundendienst derzeit noch schlimmer als üblich ist. Eine Kommunikation mit dem Kabelriesen ist derzeit praktisch unmöglich, die telefonische Erreichbarkeit ist sehr schlecht. Auf Briefe, Kündigungen und E-Mails werden nicht bearbeitet und gehen verloren.

Kunden klagen, dass sie nicht die vollen Geschwindigkeit erhalten. Die Kunden sind verpflichtet, eine minderwertige Zwangsbox von Cablecom (Spitzname "Schrottbox", da die so schlecht funktioniert) zu beziehen und auch beim Festnetz-Telefonie-Produkt gibt es auch Jahren nach der Einführung immer noch Probleme.

Liebe Liberty Global und liebe Cablecom: Statt durch eine rosarote Brille zu sehen, kümmert Euch doch bitte endlich um die Anliegen der Kunden. Verbessert Euer Digital-TV-Angebot, lässt die Grundverschlüsselung fallen, bietet den Kunden auch die Internet-Geschwindigkeit, für die sie bezahlen und verbessert nicht zuletzt endlich den Kundendienst.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte comparis.ch

PS: Das Blog der Bieler Kommunikationstage Comdays hat einen Beitrag über den Vortrag von Michael T. Fries geschrieben.

Dienstag, 14. Oktober 2008

Swisscom will Sunrise Kritik verbieten

Unerhörtes las ich im Cash Daily vom letzten Donnerstag (den Artikel konnte ich online leider nicht finden):
«Wir lassen uns von niemandem erpressen», sagt Sunrise-Chef Christoph Brand im Video-Interview mit CASH daily. Grund für seine Aussage: Am 12. September orderte eine Swisscom-Delegation von Sunrise, sich nicht weiter zum Thema Glasfaser in der Öffentlichkeit zu äussern und die Kritik an Swisscom einzustellen. Ansonsten sei eine Weiterführung der Gespräche nicht möglich.

Swisscom-Sprecher Olaf Schulze sieht die Sache anders: «Es ist doch selbstverständlich, dass man den Sinn und Zweck eines Gesprächs in Frage stellt, wenn zuvor von Sunrise über die Medien bekannt gegeben wird, dass das Angebot, welches noch gar nicht vorliegt, unzureichend sei.»

Bereits bei der Entbündelung der letzten Meile, also dem Stück Kupferdraht von der Verteilzentrale zum Hausanschluss, habe Swisscom angeblich «unannehmbare Forderungen» gestellt. Unter anderem wurde von Sunrise verlangt, sich nicht an die Medien zu richten, berichten involvierte Kreise.
Sollten die im Artikel von Cash Daily erhobenen Vorwürfe stimmen, dann wäre dies ein starkes Stück von Swisscom.

Zuerst plaudert Swisscom gross in die Welt hinaus, dass man ein Glasfasernetz bauen will. Doch statt die Pläne offen kommuniziert, wird nur Stück für Stück kommuniziert. Am liebsten über Zeitungsinterviews und Zeitungsartikel. Nie ist klar, was Swisscom eigentlich genau will. Das Ziel dieser Salami-Taktik ist meiner Meinung nach klar: Swisscom will sehen, welche Reaktionen die neuen, ungenau definierten Vorschläge so hevorrufen.

Denn sicher ist bisher nur: Swisscom will ein Glasfaserkabel direkt in möglichst viele Wohnungen verlegen. Statt einem Kabel will Swisscom vier Kabel verlegen und diese dann grossflächig an weitere Anbieter weiterverkaufen. Und Swisscom will eine Regulierung möglichst verhindern oder stark einschränken.

Noch unklar ist, wo die verkauften Glasfaserleitungen an die Alternativ-Anbieter übergeben werden. Doch dieses ist ein sehr wichtiger Punkt: Werden die Glasfaserleitungen praktisch bei jedem Haus an den Anbieter übergeben, so ist der Aufwand für den Aufbau der (völlig unnötigen Parallel-) Infrastruktur bei den Alternativ-Anbietern so gross, dass kein Alternativ-Anbieter auf das Angebot eingehen würde. Umgekehrt wäre es für den Alternativ-Anbieter sehr attraktiv, die Daten nur an zwei, drei Orten in der Schweiz zu übergeben. Swisscom möchte möglichst viele Übergabepunkte und hätte ihr Ziel dann erreicht und ein neues Monopol errichtet. Zumindest in den Städten, wo keine innovativen EWs attraktive Glasfasernetze aufbauen.

Dass Swisscom Sunrise verbieten will, sich betreffend letzter Meile an die Medien zu wenden, ist ein massiver Eingriff von Swisscom. Genauso wie Swisscom sich äussern darf, soll sich auch Sunrise äussern dürfen. Alles andere wäre in einem direkt-demokratischen Rechtsstaat mit Meinungsfreiheit unverständlich.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte www.comparis.ch

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Orange: Mobiles Internet für ADSL-Kunden

Seit kurzem macht Orange Werbung für ein neues Angebot: ADSL-Kunden von Orange - der Mobilfunk-Anbieter hat seit einiger Zeit auch ADSL im Angebot - erhalten zusätzlich auch einen mobilen Internet-Zugang für unterwegs.



Die Werbung (siehe oben) gefällt mir zwar gar nicht, das Angebot selber ist jedoch nicht schlecht. Der Kunde erhält einen ganz normalen ADSL-Internet-Zugang, zusätzlich gibt es auch ein UMTS-Modem für das Surfen mit einem Laptop unterwegs. Für das mobile Internet fällt keine monatliche Grundgebühr an. Lediglich die Nutzung fällt an: Pro Nutzungstag werden 3.50 Franken verrechnet.

Mir gefällt das Angebot insbesondere, weil der Kunde ein Modem erhält und dieses ohne weitere Verpflichtungen nutzen kann. Üblicherweise muss man einen Vertrag über 12 oder 24 Monate abschliessen und verpflichtet sich damit, 120 oder 240 Franken innerhalb der Mindestvertragsdauer zu bezahlen. Dies unabhängig davon, ob man das Produkt braucht oder nicht.

Das neue Orange-Produkt ermöglich jetzt, den Service ganz unverbindlich zu testen. Wenn man zufrieden ist, wird man den Service zu einem späteren Zeitpunkt wieder nutzen. Und wenn man nicht zufrieden ist, lässt man es sein und hat auch keine Verpflichtung. Eine grosse Hemmschwelle für den Abschluss eines Vertrages entfällt damit. Daher finde ich das Angebot eine gute Idee.

Übrigens gibt auch Sunrise ihren Handy- oder ADSL-Kunden einen Rabatt auf das mobile Internet: Die Monatsgebühr beträgt nur 5 Franken statt den üblichen 10 Franken. Doch soweit wie Orange geht Sunrise leider (noch) nicht.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte www.comparis.ch

Sonntag, 12. Oktober 2008

Pay TV kostenlos auf dem Handy

Bereits vor gut zwei Wochen hat Swisscom eine Erweiterung ihres neuen Handy-TV-Angebot über eine Medienmitteilung kommuniziert. Seit dem 01. Oktober 2008 sendet Swisscom ausgewählte Fussball- und Eishockey-Spiele als Liveübertragung oder als Konferenzschaltung aller Live-Spiele. Das Besondere: Im normalen Fernsehen werden diese Spiele nicht übertragen, nur Kunden des Pay-TV-Anbieters Teleclub können diese Spiele am normalen Fernsehen mitverfolgen. Oder Bluewin-TV-Kunden, die diese exklusive Spiele für einen Franken pro Spiel auf ihrem Fernseher mitverfolgen können.

Handy-TV-Kunden können nun diese Fussball- und Eishockey-Spiele auf ihrem Handy mitverfolgen. Sowohl über "normale" EDGE- oder UMTS-Handys wie auch über ein spezielles Handy-TV-Handy mit DVB-H-Empfang. Es wird nur die normale Dienstleistungsgebühr (2 Franken für einen Tag oder 16 Franken für einen Monat) verrechnet. Die üblicherweise im kostenpflichtigen Pay-TV ausgestrahlte Übertragungen können also ohne zusätzlichen Gebühren übertragen werden.

Ich bin kein Sport-Fan. Ob ein Sport-Fan allerdings Freude daran hat, dass er ein Fussball-Spiel statt im Fernseher auf dem Handy ansehen muss, wenn er kein zusätzliches Pay-TV-Abo möchte und auch kein Bluewin-TV möchte bzw. erhalten kann, bezweifle ich. Ebenso wie, dass man den Ball oder Puck auf dem Display noch sieht.

Swisscom will mit diesem Angebot die Handy-TV-Nutzung auf jeden Fall steigern. Mal sehen, ob dies gelingen wird.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte www.comparis.ch

Lebara noch günstiger

Mit Lebara konnte man bereits bisher sehr günstig mit dem Handy ins Ausland telefonieren. Anrufe in das Festnetz vieler Länder kosten nur 9 Rappen pro Minute. Handys in zahlreichen Ländern sind bereits ab 24 Rappen pro Minute erreichbar. Für Anrufe, die im Ausland geführt werden, sollte man Lebera eher nicht nutzen. Die Preise für das Roaming sind nämlich sehr hoch, rund doppelt so teuer wie Swisscom, M-Budget oder Coop.

Nach dem Markteintritt von Lyca Mobile (deren genaue Konditionen mir bisher nicht kommuniziert worden sind) reagiert nun Lebara: Anrufe ins Schweizer Festnetz kosten neu 35 Rappen pro Minute. Das ist teurer als andere Billig-Prepaid-Anbieter (Aldi 14 Rappen, M-Budget 28 Rappen, Coop 30 Rappen). Auch Anrufe auf Schweizer Handys werden günstiger, sind mit 45 Rappen pro Minute jedoch ebenfalls teurer als andere Billig-Prepaid-Anbieter (M-Budget 28 Rappen, Coop 30 Rappen, Aldi 34 Rappen).

Doch Lebara gibt den Kunden neu jeweils mehr Guthaben als der Kunde einbezahlt hat. Wer z.B. 10 Franken einzahlt, erhält 12.50 Franken gutgeschrieben. Wer gar 100 Franken einzahlt, erhält 150 Franken gutgeschrieben. Solche Aktionen sind auch bei anderen Anbietern gelegentlich an der Tagesordnung, jedoch nur in Form einer zeitlich beschränkten Promotion. Bei Lebara soll dies jedoch nicht nur eine zeitlich beschränkte Promotion sein, sondern es soll immer mehr Guthaben geben.

Dieser Bonus macht Lebara noch attraktiver: Anrufe ins Festnetz zahlreicher Länder kosten damit effektiv nur noch 6 bis 7.2 Rappen (statt 9 Rappen) pro Minute, Anrufe auf das Handys in zahlreichen Ländern 16 bis 19.2 Rappen (statt 24 Rappen) pro Minute. Auch Inlandsgespräche kosten nur noch 23.3 bis 28 Rappen (Festnetz, statt 35 Rappen) bzw. noch 30 bis 36 Rappen (Mobilfunk, statt 45 Rappen). Insgesamt attraktive Konditionen, wenn auch einige Billig-Prepaid-Anbieter für Inlandsanrufe etwas günstiger sind.

Attraktiv ist auch der SMS-Tarif von 10 Rappen, mit Rabatt sogar nur noch 6.7 bis 8 Rappen pro SMS. Dies ist ein sehr attraktiver Tarif.

Lebara zeigt, dass noch viel Luft in den Handytarifen drin ist. Allerdings ist es erstauntlich, dass Anrufe mit dem Handy ins Ausland so günstig sind, während sich die Preise für Anrufe auf Schweizer Handys kaum bewegen. Der Grund: Mit den günstigen Auslandstarifen will man den Festnetz-Anbietern Umsatz abjagen und mit den teuren Inlandstarifen kann man weiterhin kräftig verdienen.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte www.comparis.ch

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