Sonntag, 18. Januar 2009

Cash: Orange will Sunrise übernehmen

Am letzten Mittwoch veröffentlichte die Gratis-Wirtschaftszeitung Cash einen Artikel unter dem Titel "Orange kämpft um Konkurrent Sunrise". Gemäss dem Cash-Artikel (online verfügbar) hat die Orange-Muttergesellschaft France Télécom bereits 2008 für Sunrise geboten und nun kommt neue Bewegung in den Bieter-Prozess, weil Sunrise und T-Systems (Deutsche Telekom) eine weitreichende Zusammenarbeit vereinbart haben. Auch die Deutsche Telekom soll um Sunrise werben.

Zitiert werden im Artikel nicht namentlich genannte Übernahme-Gurus, die Sunrise als "heisses Ziel" im laufenden Jahr sehen. Tatsächlich ist Sunrise bereits seit Jahren ein Übernahmeziel und die entsprechenden Gerüchte geistern eigentlich so gut wie ständig herum. Etwas erstaunt bin ich über den Satz, dass es kaum eine bessere Möglichkeit als der Zusammenschluss zwischen Orange und Sunrise gäbe, um den Wettbewerb hierzulande anzuheizen. Meines Erachtens würde ein Zusammenschluss von Orange und Sunrise zu einem Duopol zwischen Orange und Swisscom führen und der Wettbewerb würde noch weniger spielen als bisher. Bereits heute ist Orange nur minimal günstiger als Swisscom und nur Sunrise spielt im wichtigen Markt der Abos mit attraktiven Preisen mit. Lediglich im relativ kleinen Prepaid-Markt spielt der Wettbewerb richtig seit dem Markteintrittes der Grossverteiler Migros, Coop und zuletzt Aldi. In einem Markt, auf dem nur Swisscom und Orange sind, düfte es kaum zu Preissenkungen kommen. Die bestehenden preisgünstigen Sunrise-Angebote dürften vom Markt verschwinden. Die bestehenden Kunden dürften wahrscheinlich weiterhin zu diesen Konditionen telefonieren, auch wenn Orange versuchen würde, die Sunrise-Kunden zum Wechsel auf die teueren Orange-Abos zu bewegen.

Sollte es denn tatsächlich zu einer Fusion zwischen Orange und Sunrise kommen, befürchte ich das Schlimmste. Der Wettbewerb dürfte im Mobil-Abo-Bereich gar nicht mehr spielen und die Tarife weiterhin auf dem hohen Niveau bleiben. Der Kunde hat dann die Auswahl zwischen der Swissness-Firma Swisscom und der Lifestyle-Firma Orange. Eine Firma, die einfach Telecom-Dienstleistungen zu günstigen Preisen anbietet, gäbe es dann nicht mehr. Die Firma, die in der Vergangenheit für günstigere Preise gesorgt hat, wäre vom Markt verschwunden.


Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte von comparis.ch

Swisscom-Auskunft1811 verbindet zu Handys

Ab nächsten Dienstag, 20. Januar 2009, bietet Swisscom einen neuen Service an. Über die Auskunftsnummer der Swisscom - 1811 - kann man sich auch auf Handys weitervermitteln lassen, wenn die Nummer nicht im Telefonbuch eingetragen ist. Ich finde dies grundsätzlich eine sehr gute Dienstleistung. Es kann passieren, dass man jemanden auf dem Handy erreichen will und man die Handynummer gerade nicht zur Hand hat und die Handynummer ist praktisch nie im Telefonbuch eingetragen. Tatsächlich: Ein Blick auf tel.search.ch zeigt, dass derzeit 121'406 Handynummern über das Internet-Telefonbuch von search.ch herausgefunden werden können. Bei mehreren Millionen Handynummern sind also praktisch keine Handynummern im Telefonbuch eingetragen.

Der Anrufer erhält die Nummer vom Auskunftsdienst nicht genannt und wird auch nicht direkt mit dem Angerufenen verbunden. Stattdessen muss der Anrufer zuerst eine Nachricht auf ein Tonband sprechen. Dieses Tonband wird dann dem Angerufenen abgespielt und wenn der Angerufene will, kann er den Anruf annehmen.

Einige Einschränkungen hat der Service: Derzeit können nur Swisscom-Handy-Kunden erreicht werden. Swisscom hat jedoch ein Interesse, dass auch Kunden von Sunrise und Orange erreicht werden können. Doch vorerst können nur Kunden von Swisscom erreicht werden. Damit man die Kunden nicht in der Nacht belästigen kann, steht der Service nur zwischen 7 und 22 Uhr zur Verfügung. Der Anrufer erhält die Nummer vom Auskunftsdienst nicht und wird auch nicht direkt mit dem Angerufenen verbunden. Stattdessen muss der Anrufer zuerst eine Nachricht auf ein Tonband sprechen. Dieses Tonband wird dann dem Angerufenen abgespielt und wenn der Angerufene will, kann er den Anruf annehmen. Der Service ist mit allen anfallenden Gebühren auch relativ teuer, so dass diese Dienstleistung wohl nur im Notfall benutzt wird.

Ich finde diese Dienstleistung sehr nützlich, habe jedoch auch zwei Forderungen:
  • Swisscom sollte jedem Auskunftsdienst-Anbieter, der dies wünscht, diesen Service ebenfalls zur Verfügung stellen. Es sollte auch möglich sein, über 1818 und anderere Auskunftsdienste diese Dienstleistung nutzen zu können.
  • Sunrise und Orange sollten diese Dienstleistung auch ermöglichen. Auch die Kunden von Sunrise und Orange sollten über den Auskunftsdienst erreichbar sein (natürlich nur, wenn das die Kunden auch wollen).
Nebenbei: Eine Kontroverse ist um diesen neuen Service ausgebrochen. Es heisst, die Privatsphäre der Kunden wird verletzt. Ich kann das Ganze nicht ganz nachvollziehen: Ein Handy-Kunde will in der Regel auch erreichbar sein. Wenn ein Kunde jedoch will, dass man ihm über die Nummer 1811 nicht erreichen kann, kann er dies Swisscom mitteilen und die Vermittlung ist nicht mehr möglich. Ausserdem hat der Kunde die Möglichkeit, die Vermittlung des Anrufes abzulehnen. Man kann sich natürlich fragen, ob es nicht sinnvoller wäre, wenn Swisscom die Bewilligung aller Kunden einholen sollte, die über diesen Service erreichbar sein wollen. Ich halte dieses aufwändige Verfahren für nicht notwendig. Wichtig erscheint mir, dass Swisscom die Kunden offen und transparent über den neuen Service informiert und den Kunden auf die Möglichkeit aufklärt, den Service für seinen Anschluss blockieren zu lassen.


Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte von comparis.ch

Dienstag, 13. Januar 2009

Warum telefonieren nicht bis zu 10 Prozent guenstiger wird!

Letzten Sonntag ist im Sonntag - der Sonntagsausgabe der Mittelland-Zeitung - ein Interview mit dem Swisscom-Chef Carsten Schloter erschienen (Artikel ist derzeit online verfügbar).

Auf die Frage "Wird Swisscom die Tarife senken?" antwortete Carsten Schloter:
Wir haben in den letzten Jahren die Preise fürs Telefonieren je rund 5 Prozent gesenkt. 2009 werden die Preisabschläge eher höher sein, wegen der Entbündelung im Festnetz.
Daraus wurde dann die Aussage, dass Swisscom die Preise 2009 nun 5 bis 10% senken wird. Ganz neu war diese Aussage übrigens nicht, bereits letzten Dezember machte Carsten Schloter eine entsprechende Aussage in der Handelszeitung (Interview online verfügbar). Doch so kann man das Ganze nicht sagen. Der Umsatz von Swisscom dürfte zwar tatsächlich abnehmen und hier sind Reduktionen von 5 bis 10% pro Kunde durchaus realistisch. Jedoch könnte der Umsatz auch abnehmen ohne eine einzige Preissenkung. Der Kunde muss dazu nur auf ein Angebot mit niedrigeren Gesamtkosten wechseln. Wenn ein Kunde zum Beispiel bisher 100 Franken telefoniert und nun auf ein für sein Verhalten attraktiveres Angebot wechselt und nur noch 60 Franken pro Monat bezahlt, hat dieser Kunde 40 Franken pro Monat gespart. Doch Swisscom musste die Preise gar nicht senken, der Kunde hat ein anderes Produkt genommen.

Es ist wahrscheinlich, dass Swisscom auch 2009 einzelne Preise leicht senken wird oder neue Angebote lancieren wird. Im Jahr 2008 wurde zum Beispiel im Mobilfunk-Bereich die Abos mit Inklusiv-Datenvolumen eingeführt oder im Festnetz-Bereich ein Internet-Angebot mit Festnetz-Flatrate. Dies hat sicherlich zu sinkenden Umsätzen geführt, doch die Preissenkung hat nur wenige Kunden effektiv betroffen.

Der Eindruck aus der Berichterstattung, dass das Telefonieren nun für alle um 5 bis 10 Prozent billiger wird, ist also falsch. Einige wenige Kunden werden weniger bezahlen, im Einzelfall auch massiv mehr als 10 Prozent weniger. Die grosse Masse der Kunden dürfte übrigens gleichviel wie bisher bezahlen.

Interessant finde ich auch folgende Aussage von Carsten Schloter:
Unter Druck kommen wird auch die Grundgebühr von heute 69 Franken für gebündelte telefonische Angebote auf dem Festnetz.
Wenn man noch die 25.25 Franken für den Festnetz-Anschluss dazurechnet, sind wir bereits bei 94.25 Franken pro Monat. Diese hohe Gebühr wird zweifelsohne unter Druck kommen, insbesondere da Sunrise wesentlich günstigere Angebote hat. Ob und wie Swisscom reagieren wird, wird wohl vorallem davon abhängen, wie viele Kunden Sunrise gewinnen kann. Wenn zuviele Kunden von Swisscom zu Sunrise wechseln, dürfte Swisscom reagieren und die Preise senken.

Auf die Frage, ob die Kunden wegen der Krise eher weniger telefonieren würden, antwortete Carsten Schloter:
In früheren Krisen haben die Menschen eher mehr telefoniert und ferngesehen als vorher – weil es günstiger ist, als Leute im Ausgang zu treffen. Ob es auch diesmal so sein wird, werden wir sehen.
Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte www.comparis.ch

Video on Demand in der Schweiz noch ein Flop

Bereits vor gut einer Woche hat Angela Barandum vom Tages-Anzeiger einen interessanten Artikel zum Thema Video-on-Demand geschrieben (Artikel auch online verfügbar).

Video on Demand (Film auf Abruf) wäre eigentlich eine interessante Dienstleistung: Auf Knopfdruck ein aktueller Film ansehen oder die verpasste, aktuelle Folge der Lieblingsserie. Der Film wird über das Internet auf den Computer heruntergeladen und kann während einer bestimmten Zeit beliebig häufig angesehen werden (sogenannter Download). Die zweite Möglichkeit ist, dass der Film sofort und direkt zum Kunden geliefert wird (sogenanntes Streaming). Neben den Angeboten, bei denen das Video am Computer betrachtet werden muss, gibt es auch Angebote für das TV-Gerät. Die dafür notwendige Set-Top-Box (z.B. von Bluewin-TV) empfängt das Signal über das Internet und überträgt das Bild dann auf das TV-Gerät. Soviel zur Einführung, nun zurück zum Tagi-Artikel.

Der Tagi beruft sich auf Zahlen des Marktforschungsunternehmens Screen Digest, nach der in der Schweiz mit Filmen auf Abruf im letzten Jahr nicht mal 500'000 Franken umgesetzt worden sind und zieht darauf folgenden Schluss:
Das bedeutet, dass nicht einmal jeder der gut 100'000 Bluewin-TV-Kunden das Angebot genutzt hat. Ein aktueller Film kostet dort 6 Franken. Damit gehört die Schweiz umsatzmässig zu den unterentwickelten Ländern.
In den USA sind heute sogar bereits zahlreiche Serien verfügbar und auch die RTL-Serie "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" gibt es in Deutschland bereits auf Abruf. Nur in der Schweiz merkt man von dieser Revolution nichts: Denn die Rechte werden nach Ländern vergeben und für die Filmstudios sind natürlich Länder wie Deutschland, Frankreich, Italien, Grossbritannien oder Spanien mit 5 bis 10mal sovielen Einwohnern wie die Schweiz interessanter. Dieses Vorgehen führt natürlich dazu, dass in den Schweizer Angeboten relativ wenig Filme zur Auswahl stehen.

Als weiterer Grund für den Misserfolg wird im Artikel angegeben, dass Video on Demand für den Couch Potatoes viel zu kompliziert sei. Insbesondere, wenn der Film auf dem Computer angesehen werden muss. Aber auch Angebote, die einfacher zu bedienen sind wie Bluewin-TV, werden kaum genutzt (zumindest wenn man den oben zitierten Zahlen glaubt).

Interessant übrigens auch die Aussage von Patrick Schaumlechner vom Schweizerischen Videoverband:
«Die Preise sind heute extrem tief, die Schweizer sind Jäger und Sammler, und die DVD ist als Medium sehr zuverlässig. Man legt sie ein, und es funktioniert.»
Ich finde die Preise alles andere als "extrem tief" - abgesehen von einigen wenigen eher älteren Filmen, die für weniger als 8 Franken über den Ladentisch gehen. Wenn ich auf exlibris.ch gehe und einen Blick auf die meistverkauftesten DVDs werfe, so finde ich Preise zwischen 25 und 29 Franken. Eine ganze Staffel einer Serie kostet sogar 40 bis 80 Franken (das sind gut 2 bis 4 Franken für eine einzige TV-Serienfolge(!)). Ich persönlich finde dies massiv überteuert, insbesondere wenn ich den Film oder die Serie im Fernsehen auch kostenlos ansehen kann. Ich gebe es zu, dass ich persönlich kein DVD-Jäger und Sammler bin.

Der grosse Vorteil der DVD ist sicherlich, dass das Medium sehr zuverlässig funktioniert und das Ganze weniger kompliziert als Video on Demand ist.

Ich bin jedoch überzeugt, dass Video on Demand in Zukunft an der Bedeutung zunehmen wird. Mit der Zeit wird auch die Filmindustrie lernen, dass es eventuell sinnvoller wäre, die Trennung nach Ländern in dieser Form aufzugeben und Europa als eine Einheit zu betrachten. Dies würde den Gewinn der Filmindustrie sicher erhöhen (unter der Voraussetzung, dass mittels standardisierter Prozesse sicher gestellt werden kann, dass die Rechte einfach vergeben werden können).

Der Tagi-Artikel finde ich ganz interessant und ich kann nur empfehlen, diesen zu lesen.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte www.comparis.ch

Montag, 12. Januar 2009

Wieviel kosten umgeleitete Telefon-Anrufe?

Hier eine weitere Frage für meine regelmässige Rubrik "Antworten auf Fragen":

Ich habe mein Telefon auf ein anderes Telefon umgeleitet. Was kostet diese Umleitung eigentlich?

Das Umleiten auf andere Telefon ist eine praktische Funktion. Wenn man also nicht zu Hause ist, wird der Anruf automatisch auf das Handy umgeleitet. Oder man kann die Telefonnummer auch auf einen anderen Anschluss umleiten lassen. Ganz billig ist der Spass allerdings nicht: Es fallen die normalen Telefongebühren an, die auch angefallen wären, wenn vom umgeleiteten Anschluss auf den entsprechenden Telefonanschluss telefoniert worden wäre. Die Umleitung muss übrigens der Angerufene bezahlen, der die Umleitung auch erstellt hat.

Innerhalb des Schweizer Festnetzes sind es also maximal 8 Rappen. Teurer wird die Umleitung auf ein Handy: Preise von bis zu 45 Rappen pro Minute sind keine Seltenheit. Teuer sind übrigens auch Umleitungen vom Handy auf andere Handys, insbesondere auch wenn nicht beide Handys im gleichen Netz eingebucht sind: Mit gängigen Mobilfunk-Abos sind Preise von 44 bis 70 Rappen pro Minute üblich.

Einzige Ausnahme: Die Umleitung auf die eigene Combox ist bei allen Anbietern kostenlos.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte www.comparis.ch

Dienstag, 6. Januar 2009

Cablecoms Internet-Offensive dürfte floppen

Gestern gab der grösste Schweizer Kabel-TV-Netzbetreiber - die Cablecom - eine Internet-Offensive bekannt (siehe Medienmitteilung).

Die neuen Abos "hispeed 2000" und "hispeed 10000" kosten gleichviel wie bei Swisscom, bieten jedoch die doppelte Geschwindigkeit. Neben den neuen "hispeed 2000" (34 Franken pro Monat) und "hispeed 10000" (49 Franken pro Monat) werden die bisherigen Abos "hispeed 250" (25 Franken pro Monat, inkl. Digital phone) und "hispeed 25000" (75 Franken pro Monat) weiterhin angeboten. Alle anderen bisherigen Internet-Abos werden für neue Kunden nicht mehr angeboten, bestehende Kunden surfen weiterhin mit der alten Geschwindigkeit.

Bestehende Kunden, die bisher 45 Franken pro Monat bezahlen, könnten wechseln und würden damit 4 Franken mehr pro Monat als bisher bezahlen und die doppelte Geschwindigkeit erhalten. Doch den meisten Kunden reicht die heutige Geschwindigkeit bereits und deshalb macht es wenig Sinn, auf das schnellere Angebot zu wechseln. Sinnvoller kann jedoch der Wechsel auf das neue 2000er-Angebote sein. Dafür muss jedoch eine Wechselgebühr von rund 100 Franken bezahlt werden. Dafür spart man dann jeden Monat 11 Franken. Die Geschwindigkeit von 2000 KBit/s dürfte für die meisten Internet-Nutzern mit "normalen Nutzungsverhalten" mehr als ausreichen.

Ich erwarte, dass das neue Angebot floppen wird und die Cablecom nicht annährend soviele Kunden gewinnen wird, wie sie sich erhofft (wobei diese Erwartungen natürlich nicht bekannt sind). Denn die meisten Kunden wollen einen einfachen Internet-Zugang zum monatlichen Pauschalpreis und ob die Geschwindigkeit nun 5000 oder 10000 KBit/s beträgt, interessiert diese Kunden weniger. Und die Kunden, die wirklich Wert auf hohe Geschwindigkeit legen, haben längst einen schnelleren Internet-Zugang (z.B. Hispeed 25000 von Cablecom oder VDSL mit 20000 von Swisscom).

Meiner Meinung nach würde ein kundenorientiertes Angebot so aussehen: Einstiegsangebot mit 250 KBit/s für 10 Franken im Monat (ohne Zwangs-Bundling mit anderen Produkten), ein Standardangebot mit 5000 KBit/s für 30 Franken im Monat und ein Vielnutzer-Angebot für z.B. 75 Franken im Monat. Doch eine solche Produktestrategie wäre der Cablecom wohl zu teuer gekommen.

Die grosse Frage ist jedoch, ob Cablecom die neuen Geschwindigkeit auch in der Realität anbieten kann. Denn die Kunden der Cablecom erhalten längst nicht immer die volle Geschwindigkeit. (Betrifft auch Kunden von ADSL, dort ist der technische Grund ein anderer als bei Cablecom). Ob es schlau ist, die Geschwindigkeit zu erhöhen und ob Cablecom die Probleme mit zu geringer Geschwindigkeit inzwischen besser im Griff hat, wird sich zeigen müssen.

Wie werden die anderen Anbieter auf die Cablecom-Offensive reagieren. Ich gehe davon aus, dass Swisscom gelassen mal beobachten wird. Sollte aber die Cablecom-Offensive einen Erfolg sein und dazu führen, dass ADSL-Kunden zu Cablecom wechseln, hat Swisscom (und auch alle ADSL-Anbieter, die ADSL als Vorleistungsprodukt (BBCS) von Swisscom beziehen) ein grösseres Problem. Denn mit der eingesetzten ADSL-Variante ist das Technisch mögliche erreicht und Swisscom kann die Geschwindigkeit nicht mehr aufdrehen. Eine Möglichkeit wäre, vermehrt VDSL einzusetzen. Doch dafür müsste man die ADSL-Ports in den Telefonzentralen durch VDSL-Ports ersetzen, was zeitaufwändig und kostspielig wäre.

Etwas anders sieht die Situation von Sunrise und anderen Anbietern aus, die Angebote basierend auf der entbündelten letzten Meile anbieten. Die dort eingesetzte Technologie ermöglicht eine einfache Erhöhung der Geschwindigkeit. Ist der Kunde jedoch zu weit von der Telefonzentrale weg, kann er auch nicht von einer Erhöhung der Geschwindigkeit profitieren.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte www.comparis.ch

Montag, 5. Januar 2009

Internet ohne Telefonanschluss?

Damit etwas mehr Leben in mein Blog kommt, habe ich mich entschieden, die neue Rubrik "Antworten auf Fragen" einzuführen. Ich kann die Beiträge frühzeitig schreiben und dann automatisch aufschalten lassen. Bis auf weiteres werde ich jeden Montagabend einen neuen Beitrag aufschalten lassen. Über Rückmeldungen zu dieser neuen Rubrik würde ich mich freuen. Hier also die erste Frage:

Ich habe ADSL und ein Handy. Deshalb brauche ich keinen Festnetz-Anschluss mehr. Geht das?

Immer mehr Leuten reicht das Handy völlig aus. Wer jedoch über ADSL im Internet surfen möchte, benötigt weiterhin einen Festnetz-Anschluss. Für ADSL benötigt man zwar aus technischen Gründen einen Festnetz-Anschluss. Es gibt jedoch keinen Grund, den Festnetz-Anschluss weiterhin zu verrechnen - zumindest für Kunden, die den Festnetz-Anschluss nicht benötigen. Doch die Grundgebühren für den Festnetz-Anschluss - immerhin über 300 Franken im Jahr - sind eine willkommene Einnahmenquelle der Swisscom.

Einzig von Swisscom gibt es heute ADSL mit einem stummgeschalteten Telefonanschluss (DSL und Natel). Das heisst, der Telefonanschluss kann nur noch zum Surfen verwendet werden. Alle Telefonfunktionen sind abgeschaltet: Sie können mit dem Festnetz-Anschluss also weder den Kollegen noch im Notfall die Feuerwehr anrufen und auch keine Telefongespräche empfangen. Das Angebot von Swisscom ist an nicht ganz kundenfreundliche Bestimmungen geknüpft: Voraussetzung ist, dass Sie mit bestimmten Handy-Abos von Swisscom telefonieren. Wer mit einem für die meisten Kunden günstigen Abo wie z.B. dem beliebten Natel Basic Liberty-Abo telefoniert, muss zuerst auf ein teureres Handy-Abo wechseln. Für Prepaid-Kunden und Mobilfunk-Kunden von anderen Anbietern gilt das Angebot ebenfalls nicht. Eine weitere Voraussetzung: Das Angebot gilt nur zusammen mit dem 49-Franken-ADSL-Abo. Wer mit einem langsameren oder schnelleren ADSL-Abo surfen will, kann das Angebot ebenfalls nicht nutzen.

Andere Anbieter bieten den stummgeschalteten Anschluss gar nicht an. Immerhin erhalten Kunden von Sunrise unter bestimmten Voraussetzungen den ADSL-Anschluss kostenlos und müssen nur den Festnetz-Anschluss bezahlen. Da der Festnetz-Anschluss günstiger als der ADSL-Anschluss ist, würde der Kunde davon profitieren. Aber auch bei diesem Angebot sind wieder einige kundenunfreundliche Wenn-und-Abers eingebaut.

Eine Alternativ zu ADSL kann der Kabelanschluss sein. Für den Internet-Zugang über den Kabelnetz-Betreiber wie z.B. Cablecom ist ein Telefonanschluss keine Voraussetzung. Dafür müssen Sie einen analogen TV-Zwangsanschluss (bei Cablecom mindestens 26.45 Franken pro Monat!) bezahlen, selbst wenn Sie über Sat, Antenne oder gar nicht fernsehen. Eine weitere Alternative sind UMTS-Angebote der Mobilfunk-Anbieter. Dies jedoch nur, wenn die UMTS-Abdeckung am Ort gut ist und sie nicht zu viele Daten übertragen.

Wie man sieht, sind die Angebote sehr unübersichtlich. Liebe Telekom-Anbieter, wann bringt Ihr endlich mal verständlichere Angebote ohne 1000 Wenn-und-Abers auf den Markt.

Nachtrag: Wie in den Kommentaren zu lesen ist, bietet Init7 ebenfalls ein DSL-Angebot ohne Telefonanschluss (bzw. stummgeschalteten Festnetz-Anschluss an, wie es offiziell heisst). Bei diesem Angebot benötigt man auch kein Zwangs-Abo. Allerdings ist das 5000er-Abo mit 75 Franken auch relativ teuer. Das normale 5000er-Abo von Init7 - mit einem Festnetz-Anschluss, der durch Swisscom verrechnet wird - kostet 51 Franken. Mit Festnetz-Anschluss bezahlt man also 76.25 Franken. Der nackte DSL-Anschluss ohne Festnetz ist damit nur 1.25 Franken billiger als die Kombination aus Festnetz-Anschluss und ADSL-Anschluss.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte www.comparis.ch

Freitag, 2. Januar 2009

und alle Jahre bezahlen wir wieder zuviel

Heute haben wir unsere Medienmitteilung zum Sparpotential beim Mobilfunk veröffentlich. Wie bereits in den Vorjahren telefonieren fast alle Kunden mit dem falschen Handy-Tarif. Mit dem Wechsel auf den günstigsten Anbieter könnten die Schweizer Privatkunden 2.1 Milliarden Franken im Jahr sparen. Mehr dazu in unserer Medienmitteilung.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte www.comparis.ch

Beobachter Prix Blamage: Grossen Aerger mit Telekom-Anbietern

Der Beobachter - die Zeitschrift mit einer kostenlosen Rechtsberatung für Abo-Kunden - veröffentlicht jedes Jahr die Firmen, zu denen im Beobachter-Beratungszentrum am meisten Klagen eingegangen sind. Wie bereits in den Vorjahren sind die Telekom-Firmen wieder ganz vorne dabei. Es ist schon erstaunlich, dass es die Telekom-Firmen jedes Jahr wieder schaffen, auf dieser für sie nicht vorteilhaften Liste aufzutauchen. Andere Branchen hingegen findet man praktisch nicht.

Auf den zweiten Platz mit 442 Klagen ist der Kabelanbieter Cablecom, auf Platz 3 Swisscom mit 263 Klagen, Sunrise auf Platz 5 mit 198 Klagen und Tele2 auf den 6. Platz mit 191 Klagen.

Am meisten Ärger bereiteten Internetabzocker: Die Kunden sind in eine Falle getappt und haben versehentlich ein Abo einer kostenpflichtigen Dienstleistung bestellt und wollen nun wissen, ob sie die Rechnung bezahlen müssen.

Der Beobachter rät übrigens folgendes:
Die betroffenen sollen die Forderung bestreiten und nicht bezahlen. Die angedrohte Betreibung wird aller Voraussicht nach nie eintreffen.
Der Beobachter veröffentlicht auf seiner Website eine Liste von entsprechenden Abzocker-Websites.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte www.comparis.ch

Donnerstag, 1. Januar 2009

Mobiles Internet wird günstiger

Im Verlaufe des Jahres 2008 kamen endlich attraktivere Datenprodukte auf den Markt. Erstmals gibt es nun auch Optionen für Gelegenheitsnutzer. Ich bin überzeugt, dass dies eine wichtige Voraussetzung ist, damit sich das mobile Internet durchsetzen kann. Immerhin: Seit dem Jahr 2000 spricht man vom mobilen Internet, zuerst unter der Abkürzung WAP und erst später wurde dann auch der normale Internet-Zugang ermöglicht (bzw. die Handys konnten zu Beginn nur auf WAP zugreifen). Sicherlich auch moderne und einfach zu bedienende Handys wie z.B. das iPhoneoder teilweise die N-Serie von Nokia führten zu einer höheren Nachfrage nach mobilem Internet.

Nur die Tarife für das mobile Internet waren jahrelang sehr hoch. Die Kunden wurden dadurch abgeschreckt, das mobile Internet zu nutzen. Ich spreche in diesem Beitrag übrigens vom Zugreifen auf WAP- und Internet-Seiten mit einem Handy, nicht vom Surfen zusammen mit einem Laptop von unterwegs.

Heute sind die Tarife durchwegs attraktiv. Einzige Schwachstelle ist, dass weiterhin nach KB (Kilobate) und MB (Megabyte) abgerechnet werden und diese Einheit kaum ein Kunde versteht.

In den letzten Tagen des Jahres 2008 gaben Orange und Sunrise neue, attraktive Angebote bekannt. Bei Sunrise sind in der Surf-Option für 7.50 Franken pro Monat statt 50 MB nun 250 MB inklusive. 250 MB sollte für die meisten Kunden absolut ausreichen. Und es ist sowieso empfehlenswert, sich regelmässig nach dem aktuellen Verbrauch zu erkundigen. Sunrise-Kunden können dazu einfach *133# anrufen und erhalten dann per SMS die gewünschten Infos. Einziger Nachteil: Die Surf-Option ist nur zusammen mit Zero, Zero Plus und Max erhältlich. Wer mit einem anderen Abo telefoniert, geht leer aus.

Orange bietet neu Mobile Internet Plus an. Für 10 Franken im Monat erhält man 75 MB. Es handelt sich um die erste brauchbare Orange-Option für das mobile Internet für Gelegenheitssurfer. Denn das bisherige Optima Internet-Angebote - das es weiterhin gibt - war einfach massiv zu teuer. Und auch das erst kürzlich eingeführte Mobile Internet Max-Angebot für 19 Franken finde ich relativ teuer.

Ich fasse die Angebote kurz zusammen. Voraussetzung ist jeweils ein Abo des entsprechenden Anbieters, teilweise sind die Angebote nicht mit allen Abos erhältlich (z.B. Orange Prima oder Sunrise Relax Liberty-Kunden können nicht profitieren).
  • Sunrise Surf: 7.50 Franken pro Monat für 250 MB
  • Orange Internet Plus: 10 Franken pro Monat für 75 MB
  • Swisscom Surf Option 50: 10 Franken pro Monat für 50 MB
  • Orange Internet Max: 19 Franken pro Monat für 1 GB
  • Swisscom Surf Option 100: 18 Franken pro Monat für 100 MB
Ausserdem gibt es Abos, die bereits ein Datenvolumen enthalten. Diese Abos sind jeweils 10 bis 30 Franken teurer als ein vergleichbares Abo ohne Datenvolumen. Für diesen Betrag erhält man 100 MB bis 1 GB Inklusivdatenvolumen.

(Update: Anmerkung: In diesem Beitrag sind nur Angebote erwähnt, die von allen Kunden genutzt werden können. Angebote, die nur von bestimmten Kunden (z.B. für junge Kunden, für Firmen) sind nicht erwähnt.)

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte www.comparis.ch

Sonntag, 14. Dezember 2008

Woche der Glasfaser-Diskussion

Letzten Dienstag informierte Swisscom Journalisten über ihre Glasfaser-Pläne (Präsentation online verfügbar) und zeigte im Zürcher Quartier Wipkingen, wie die Glasfaser-Leitungen verlegt werden. Es ist gut und vernünftig, dass Swisscom endlich aus erster Hand über ihre Pläne informiert hat.

Ausgerechnet Swisscom sprach sich für den freien Wettbewerb zwischen den Anbietern aus. Allerdings definiert Swisscom freier Wettbewerb so, dass die Elektrizitätswerke neben ihrem eigenen Kabel auch gleich noch ein Kabel für die Mitbewerber Swisscom einziehen sollen. Ich habe ein wenig Mühe, zu glauben, dass ausgerechnet Swisscom für freien Wettbewerb sorgen soll. Immerhin hat Swisscom jahrelang gegen die Entbündelung der letzten Meile gekämpft und den den alternativen Anbietern sehr hohe Preise für den ADSL-Monopolservice verrechnet. (Die Wettbewerbskommission kündigte Swisscom gegenüber bereits eine Busse von 237 Millionen Franken an - allerdings hat die Wettbewerbskommission den Entscheid noch nicht gefallen und die Swisscom kann nach einem Entscheid dagegen selbstverständlich noch Rechtsmittel einlegen.) Zudem sind die Kosten für den ADSL-Internet-Zugang in der Schweiz sehr hoch.

Auch die Elektrizitätswerke sprechen sich für einen freien Wettbewerb aus. Doch die EWs wollen nur ein einziges Glasfaser verlegen und der Internet-Zugang an Service-Provider weiterverkaufen. Gemäss Swisscom ist dies wenig sinnvoll: Nur mit eigener Infrastruktur an beiden Enden des Kabels könne die Qualität sichergestellt werden. Andere Anbieter wie Sunrise halten dies nicht für notwendig. Ich bin kein Techniker und kann nicht beurteilen, ob Swisscom den direkten Zugang zum sogenannten Layer2 überhaupt benötigt. Doch die Tatsache, dass in den Städten der Internet-Zugang über Glasfaserleitungen der EWs bereits verbreitet ist und einwandfrei funktioniert, auch wenn der Internet-Provider keinen direkten Zugang zum Layer2 haben.

Einen grossen, wichtigen Unterschied gibt es zwischen dem Swisscom-Projekt und dem Projekt der EWs: Swisscom will sowohl an Endkunden selbst und auch an Service-Provider Dienstleistungen anbieten während die EWs nur an Service-Provider verkaufen wollen. Die Service-Provider können die Dienstleistungen dann an die Endkunden verkaufen. Swisscom will die gleiche Dienstleistung sowohl an die eigenen Endkunden wie auch an die Konkurrenten verkaufen. Dies dürfte zu Problemen führen - genauso wie dies in den letzten elf Jahren zu Problemen geführt hat. Denn Swisscom ist nicht ernsthaft daran interessiert, den Konkurrenten die Dienstleistungen zu attraktiven Preisen zu verkaufen. Denn dies würde nur einen starken Druck auf die Preise bedeuten.

Der Tages-Anzeiger sieht die Swisscom bereits im Vorteil gegenüber dem EWZ. Denn Swisscom will bis Ende 2009 100'000 Anschlüsse in Zürich, Genf und Basel verlegen. Das EWZ will in Zürich bis Ende 2009 hingegen nur 15'000 Anschlüsse verlegen. Der Tagi schreibt weiter, dass die EW ein Monopol auf der Infrastruktur wollen, da es sich sonst nicht rentiert. Und das der Traum vom Monopol eigentlich bereits geplatzt sei. Soweit die Beurteilung des Tages-Anzeiger.

In einem Haus wird jeweils nur das EW oder Swisscom die Glasfaserleitungen einziehen. Es geht derzeit darum, in möglichst vielen Häusern Glasfaser einzuziehen. Zwischen dem Angebot der EWs und der Swisscom gibt es ausserdem einige Unterschiede: Das Glasfaser-Angebot basierend auf der EWZ-Infrastruktur kann bereits benutzt werden. Anders bei Swisscom: Das Glasfaser ist zwar im Haus, kann aber vorerst nicht benutzt werden. Ausserdem auch nicht zu unterschätzen: Beim EWZ-Projekt übernimmt das EWZ die Hausverkabelung, beim Swisscom-Projekt hingegen muss der Hauseigentümer die Hausverkabelung selber bezahlen.

Mich überzeugt das Projekt der Elektrizitätswerke mehr als das Swisscom-Projekt. Ich bin für einen echten Wettbewerb unter den Anbietern statt einem Pseudo-Wettbewerb mittels mehreren Glasfasern in jedes Haus.

Es bleibt auf jeden Fall spannend.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte www.comparis.ch

Kombi-Tarifvergleich: Sunrise Top, Cablecom Flop

Für den K-Tipp berechnete ich vor kurzem einen Preisvergleich (für Abonnementen online verfügbar). Annahme für den Vergleich: Ein Paar möchte alle Dienstleistungen (Internet, Festnetz-Telefon und Handys) von einem Anbieter beziehen und wissen, welche Kosten anfallen. Dabei wurden selbstverständlich auch Angebote berücksichtigt wie Kombirabatte und Kollegen-Angebote (z.B. Swisscom Togheter, mit diesem Angebot kann für eine monatliche Grundgebühr beliebigviel untereinander telefoniert werden oder die drei Lieblingsnummern von Orange).

Wenig überraschend hat Sunrise am besten abgeschnitten: Das Paar bezahlt 153 Franken pro Monat, falls der Telefonanschluss bereits entbündelt ist. Ist der Festnetz-Anschluss noch nicht entbündelt, fallen bei Sunrise 192 Franken an. Mit 229 Franken ist Orange (der Mobilfunk-Anbieter bietet seit einiger Zeit auch ADSL und Festnetz an) bereits wesentlich teurer. Das sind immerhin 50% mehr als bei Sunrise (mit entbündeltem Festnetz-Anschluss).

Kaum überraschend ist, dass Swisscom mit 274 Franken noch teurer ist. Die ganz grosse Überraschung ist jedoch, dass Cablecom mit 286 Franken der teuerste Anbieter im Vergleich ist. Damit ist Cablecom 87% teurer als Sunrise (mit entbündelten Festnetz-Anschluss).

Dies zeigt einmal mehr, dass sich ein Vergleich lohnt. Dass Cablecom - die sich selbst gerne als Billig-Anbieter darstellt - am teuersten abgeschnitten hat, ist auch für mich eine Überraschung. Vergleichen Sie also von Zeit zu Zeit die Konditionen.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte www.comparis.ch

Cablecom sucht neuen Chef

Letzten Montag gab Cablecom bekannt, dass ihr Chef, Ruedi Fischer, zurücktreten wird. Derzeit ist die Sitation bei der Cablecom tatsächlich alles andere als gut: Massive Probleme mit dem Kundendienst (der Kundendienst der Cablecom war noch nie gut, aber derzeit ist die Situation unbeschreiblich schlecht) nach der Installation eines neuen Kundendienst-System, zum Teil schlecht funktionierende Produkte z.B. beim Digital-TV und bei einigen Kunden auch beim Internet-Zugang und beim Telefonie-Dienst und ausserdem der Ärger über die Digital-TV-Zwangsbox.

Gleichzeitig gab Cablecom den Abbau von bis zu 150 Mitarbeiter bekannt. Der Kundendienst soll gemäss Mitteilung der Cablecom nicht betroffen sein. Es stellt sich demnoch die Frage, wie mit einer so massiven Reduktion der Mitarbeiter der Kundendienst auch in Zukunft gewährleistet werden kann.

Auf den neuen Cablecom-Chef warten also einige Baustellen. Hier einige Tipps an den Nachfolger von Ruedi Fischer:
  • Denken Sie mehr an Ihre Kunden. Es ist meiner Meinung nach wichtig, dass die Interessen der Kunden - die immerhin eine Menge Geld jeden Monat an die Cablecom überweisen - in den Mittelpunkt gestellt werden.
  • Verbessern Sie den Kundendienst, damit Sie die Kunden zufrieden stellen können.
  • Verbessern Sie die Produkte: Beim Digital-TV z.B. die Daten des elektronischen Programmführers, die Serienaufnahme-Funktion oder den Stromverbrauch. Ausserdem verzichten Sie auf die Verschlüsselung der Basisprogramme und ermöglichen den Kunden so die kundenfreundliche Auswahl des Endgerätes.
  • Halten Sie die Versprechungen gegenüber den Kunden: Wenn Sie z.B. ein 25 MBit/s-Anschluss verkaufen, aber nur knapp 10 MBit/s bieten, ist dies eine Frechheit. Der Kunde ist dann zu Recht sauer. Statt sicherzustellen, dass der Kunde auch wirklich die bezahlte Geschwindigkeit erhält, fantasiert man mit einem 100 MBit/s-Internet-Zugang. Was bringt mir ein 100 MBit/s-Internet-Zugang, wenn ich dann effektiv nur 10 MBit/s erhalte?
Irgendwie glaube ich nicht daran, dass die Cablecom das kundenorientierte Verhalten noch lernen wird. Schade, denn damit reduziert Cablecom mittelfristig ihr Potential. In einigen Jahren werden zahlreiche Haushalte mit Glasfaser erschlossen sein und damit ist die Konkurrenz-Situation grösser. Um unter diesem Konkurrenz-Druck zu bestehen, ist es wichtig, dass man vermehrt kundenfreundliche Dienstleistungen anbieten wird.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte www.comparis.ch

Dienstag, 2. Dezember 2008

Endlich: Swisscom öffnet Glasfaser-Netz

Die Idee war bestechend und genial: Man baut ein Glasfaser-Netz und legt statt einer Glasfaser-Leitung gleich vier Glasfaser-Leitungen in die Wohnung. Alternativ-Anbieter, die die Glasfaser-Infrastruktur von Swisscom nutzen wollen, können eine der drei übrigen Glasfaser-Leitungen von Swisscom kaufen. Die Alternativ-Anbieter hätten selber schauen müssen, wie die Glasfaser-Leitung - die für teures Geld gekauft worden ist - ,die vor dem Haus im Strassengraben endet mit dem Internet verbunden werden kann. Eine solche Lösung hätte nur dazu geführt, dass Swisscom ein neues Monopol zementieren kann, da kein Anbieter sich auf ein solches Angebot eingelassen hätte. Es gab bereits Horrorszenarien von Städten, wo in bestimmten Strassen ein überteuertes Swisscom-Monopol-Angebot verkauft wird und in anderen Strassen innovative und kostengünstige Internet-Angebote von zahlreichen Anbietern - basierend auf der Infrastruktur von Energieversorgern. Ich habe die Entwicklung zum Thema Glasfaser in meinem Blog bereits mehrfach kommentiert (z.B. wieder mal die Glasfaser-Diskussion, Swisscom will Sunrise Kritik verbieten lassen, Glasfaser-Alpträume oder Halbe-Halbe, Weltwoche-Interview mit Carsten Schloter).

Nun, die bestechende und geniale Idee ist ausgeträumt: Offiziell will Swisscom zwar weiterhin vier Glasfaser-Leitungen in die Wohnungen verlegen. Aber es dürfte eine Frage der Zeit sein, bis die meiner Meinung nach sinnlose Vier-Kabel-Strategie engültig begraben wird. Doch wie Swisscom in einer Medienmitteilung selbst mitteilt, werden die Glasfaser-Leitungen in Zukunft auch an interessierte Anbieter vermietet. Im Rahmen eines Pilotprojektes wollen die Anbieter VTX, green, Init7 und Netstream zwischen März und Herbst 2009 Angebote basierend auf dem noch kleinen Swisscom-Glasfaser-Netz anbieten.

Dieses System hat sich in den letzten Jahren bewährt: Alternativ-Anbieter konnten von Swisscom die Dienstleistung ADSL beziehen, mit eigenen Dienstleistungen ergänzen und unter eigenem Namen verkaufen. Auch die Elektrizitätswerke setzen bei ihrem Glasfaser-Angebot auf dieses System.

Grosser Streitpunkt bei ADSL war jedoch jeweils der Preis. Beim ADSL-Angebot ist der Preis von Swisscom nicht reguliert und dementsprechend viel verlangte Swisscom von den Anbietern für die ADSL-Leitungen. Eine Klage bei der Wettbewerbskommission ist seit Jahren hängig. Genau dies dürfte auch beim Glasfaser-Angebote der Swisscom zum wohl grössten Problem werden.

Grundsätzlich ist es begrüssenswert, wenn Alternativ-Anbieter die Infrastruktur von Swisscom mitbenutzen dürfen. Da Swisscom ihre Dienstleistungen auch direkt an Endkunden anbieten und daher wenig Interesse daran haben, dass ihre Mitbewerber Glasfaser-Dienstleistungen verkaufen, ist es unbedingt notwendig, die Glasfaser-Leitungen zu regulieren. Doch die Regulierung ist eine grosse Herausforderung: Einerseits dürfen die Alternativ-Anbieter nicht benachteiligt werden, andernseits muss Swisscom für ihre Investitionen abgegolten werden.

Swisscom selbst sagt heute, dass immer ein Wiederverkaufsangebot geplant gewesen sei. Die Details hätten jedoch noch erarbeitet werden müssen und daher hätte Swisscom noch nichts kommunizieren können. Ich halte dies für eine Ausrede. Denn selbst, wenn die Details noch nicht bekannt gewesen sind, hätte man nur kommunizieren können, dass Swisscom auch ein Wiederverkaufsangebot lancieren möchte. Stattdessen setzte man auf Zeitungsinterviews und Indiskretionen in Zeitungen und wartete die Reaktionen ab.

Es bleibt auf jeden Fall spannend im Glasfaser-Dschungel der Zukunft. Ich werde weiterhin über dieses Thema bloggen.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte www.comparis.ch

Flatrates mit Einschränkungen

Nun gibt es auch in der Schweiz Flatrates von Mobilfunk-Anbietern. Doch echte Flatrates sind es immer noch nicht, da es gewisse Einschränkungen gibt.

Sunrise hat die drei neuen Abonnemente (Business Mobile Flat Swiss, Business Mobile Flat Sunrise, Business Mobile Flat Company) für Geschäftskunden vor etwa zwei Wochen lanciert. Die Business Mobile Flat Swiss wird als Flatrate beworben. Die monatliche Grundgebühr von 100 Franken empfinde ich als zu hoch. Anrufe ins Schweizer Festnetz und in die Mobilfunk-Netze von Sunrise und Swisscom sind ohne weitere Kosten unbeschränkt möglich. Doch Anrufe ins Orange-Netz sind mit 40 Rappen vergleichsweise teuer. Insbesondere, da Sunrise diese Anrufe im Minutentakt verrechnet. Der Kunde dürfte pro Anruf mindestens 20 Rappen mehr bezahlen als er effektiv telefoniert.

Voraussetzung ist übrigens ein Handelsregister-Auszug und der Kunde muss gleich fünf Mobilfunk-Verträge abschliessen (wobei auch solche mit 10 Franken Monatsgebühr abgeschlossen werden können).

Sunrise bewirbt das Angebot eifrig mit "Ich will 100". Ich persönlich finde diese Werbung schlecht und sie spricht mich nicht an. Die Zahl 100 soll die monatlichen Grundgebühren ausdrücken. Doch kaum ein Kunde will eine bestimmte monatliche Grundgebühr bezahlen. Er will telefonieren und kommunizieren und wenn die Rechnung nicht zu hoch ist, ist dies erfreulich. Dazu erwartet der Kunde einen guten Kundendienst und Unterstützung beim Wechsel.

Ich zweifle daran, ob dieses Angebot wirklich den Markt bewegen kann, wie sich dies Sunrise erhofft. Oder ob fast nur Kunden wechseln, die sehr viel telefonieren und mit denen Sunrise drauflegt. Diese Gefahr besteht bei einer Flatrate, insbesondere da Sunrise für jede Minute ins Swisscom-Netz rund 20 Rappen an Swisscom bezahlen muss.

Ein ganz grosser Vorteil darf an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben: Sunrise bringt endlich ein Abonnement auf dem Markt, dass man mit einer Frist von 8 Wochen jederzeit kündigen kann. Dies zumindest, wenn man auf ein günstiges Handy verzichtet. Die Kunden sind also nicht mehr gezwungen, ein Handy zu kaufen, dass sie eigentlich gar nicht wollen.

Liebe Grüsse



Ralf Beyeler
Telekom-Experte www.comparis.ch